IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT

Im Geheimdienst ihrer Majestät
On Her Majesty’s Secret Service | Großbritannien | 1969
IMDb, OFDb, Schnittberichte

James Bonds (George Lazenby) Erzfeind Blofeld (Telly Savalas) wird in einer schweizerischen Bergfeste vermutet. Dort versucht er mittels Hypnose die Macht über junge Frauen zu erlangen, die ihm dann bei seinem Plan, die Welt zu unterjochen, behilflich sein sollen. Also macht sich Bond getarnt als Mitarbeiter eines Instituts für Heraldik auf den Weg dorthin.

Nachdem MAN LEBT NUR ZWEIMAL (1967) das JAMES BOND-Franchise zu neuen Höhepunkten bzgl. Ausstattung und Bombast geführt hatte, stand man im Hause Eon Productions vor einem großen Problem: schon im Zuge der Dreharbeiten zu eben erwähntem Film hatte Hauptdarsteller Sean Connery verlauten lassen, dass er nicht mehr für weitere Filme zur Verfügung stehen würde. Stress und Abnutzungserscheinungen waren die Hauptgründe, die Connery zurücktreten ließen; und die die Herren Broccoli und Saltzman vor große Probleme stellten.
Während die Suche nach einem neuen Regisseur schnell abgehakt werden konnte indem man schlicht den bisherigen Cutter Peter R. Hunt auf den Regiestuhl beförderte und in Sachen Drehbuch Richard Maibaum nach kurzer Auszeit zum Team zurückkehrte, sollte die Suche nach einem neuen James Bond deutlich komplizierter ausfallen. Denn Connery hatte die Rolle derart deutlich geprägt, dass ein jeder Nachfolger sich den überkritischen Blicken der Presse und der Kinoöffentlichkeit würde stellen müssen. Nach monatelanger Suche entschied man sich schließlich für den australischen Dressman George Lazenby, der bis dato allerdings über keinerlei Schauspielerfahrung verfügte.

Tracy: Weswegen verfolgt man dich?
Bond: Ich vermute, die wollen mich umbringen …

Grundlage des Drehbuchs sollte dann der 1963 entstandene Roman Im Geheimdienst ihrer Majestät werden, den der zurückgekehrte Autor Maibaum deutlich weniger bombastisch umzusetzen gedachte, als dies bei den vorherigen Produktionen der Fall war. Weniger Explosionen, weniger Gadgets, dafür mehr Charaktertiefe und Handlung. Diese Prämisse tut dem Film spürbar gut und sorgt von Anfang an – und nicht nur aufgrund der umbesetzten Hauptrolle – für das Gefühl eines Neustarts der Serie.

Schon durch den Selbstmordversuch von Tracy wirkt die Pretitle-Sequenz – sonst stets als humorvolle Einführung genutzt – deutlich düsterer; daran kann auch der kleine Gag bzgl. der Umbesetzung nichts ändern. Aber auch in der Folge bleibt der Film melancholischer und bodenständiger als seine Vorgänger. Bonds Beziehung zu Tracy ist deutlich ernster als bisher gewohnt und auch im Dialog wirkt dieser Bond ruhiger und weniger over-the-top, als es bei Connery zuletzt der Fall war. Dabei ist die Handlung nicht wirklich komplexer als in vorherigen Teilen der Reihe, sondern schlicht bodenständiger vorgetragen.
Wohl aus Vorsicht beschnitten die Produzenten das Budget ein wenig und stellten so runde sieben Millionen US-Dollar für die Produktion zur Verfügung. Das reicht aber vollends, um wieder mal für eine berauschende Ausstattung zu sorgen; auch wenn sie nicht ganz an den Prunk der Vorgänger heranreicht. Aber auch so sieht die Alpenfestung klasse aus und das Interieur wirkt ein ums andere Mal stimmig und angenehm enthoben. Im Finale gibt es dann auch noch gewohnte Bond-Action zu sehen, die nach dem überwiegend ruhigen Film allerdings ein wenig lang daherkommt; hier wäre weniger mehr gewesen. Aber die von Hunt grandios festgehaltene Lawine bleibt doch lange in Erinnerung. Und schließlich untermauert das Finale nach dem Finale dann noch einmal den ernsteren Gestus dieses Films und sorgt so für eines der wohl mitreißensten Bond-Enden aller Zeiten.

Draco: Sie mag Sie, das sehe ich gleich.
Bond: Geben Sie mir mal die Adresse von Ihrem Augenarzt!

George Lazenby weiß über die komplette Spielzeit hinweg zu überzeugen und macht Connery schon nach wenigen Minuten vergessen. Sowohl im Dialog, als auch in Aktion fügt sich der Neue sehr gut in die bereits bekannte Rolle und so kann man als Zuschauer am Ende fast ein wenig wehmütig sein, denn Lazenby war bekanntlich nicht gewillt, die Rolle ein weiteres Mal zu verkörpern. Auch Telly Savalas kann in einer dem Zuschauer bereits bekannten Rolle überzeugen, löste er doch Donald Pleasence als Antogonist Blofeld ab. War dieser im Vorgänger nur kurzzeitig zu sehen, wird er nun zu einer zentralen Figur mit der entsprechenden Screentime. Savalas überzeugt dabei durch seine Mischung aus Hochmut und Arroganz, die ihn aber nicht davon abhält, Bond persönlich auf Skiern zu verfolgen.

Diana Rigg – bekannt aus der TV-Serie MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE – ist als Bondgirl ebenfalls eine Bereicherung, kommt ihr doch die reizvolle Möglichkeit zu, endlich mal eine ernstzunehmende Frauenrolle innerhalb des Franchise zu mimen. Von einigen kleineren Dümmlichkeiten abgesehen ist Tracy eine selbstbewusste und -bestimmte Frau, die ihren Weg selbst geht und die Bond nebenbei mehrfach aus der Patsche hilft.
Interessant ist auch zu sehen, dass das Stammpersonal des Franchise‘ ebenfalls die ernsthaftere Stimmung des Films befördert. Vor allem Bonds Zwist mit Bernard Lee als M sorgt dafür, dass das Hauptquartier mitnichten mehr der sichere Rückzugsort ist, der es mal war. Aber auch die Tränen, die Lois Maxwell als Moneypenny vergießt oder Desmond Llewlyns Minimalautritt als Q untermauern das noch einmal.

Tracy: Warum sind Sie eigentlich so versessen darauf, mich zu retten?
Bond: Es wird langsam zur lieben Gewohnheit von mir, Contessa Teresa.
Tracy: Teresa war eine heilige, man nennt mich Tracy …

Letztendlich stellt es sich als vollkommen richtige Entscheidung heraus, mit dem Wechsel der Hauptrolle auch eine andere Grundausrichtung des Franchise‘ anzustreben. Das Konzept geht wunderbar auf und macht IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT sicherlich zu einem der besten JAMES BOND-Filme der 60er Jahre. Bei Kritikern und Kinogängern stieß der Film zunächst auf Wohlwollen, was ihn jedoch trotzdem nicht die Einspielergebnisse seiner Vorgänger erreichen ließ. Demzufolge wird der Film heute immer etwas steifmütterlich behandelt, was ihm jedoch keineswegs gerecht wird. Im Gegenteil: nach der immer bombastischer werdenden Gigantomanie der Vorgänger stellt dieser Streifen eine angenehme Erdung des Bond-Universums dar. Insofern ist es tatsächlich schade, dass Lazenby keinen weiteren Film in dieser Rolle drehte. Stattdessen sollte zwei Jahre später Connery in DIAMANTENFIEBER zurückkehren …

Toller Bondfilm, der sich bewusst von seinen Vorgängern abhebt, kommt er doch deutlich ruhiger und bodenständiger daher. Das macht den Film zu einem schönen Kontrapunkt innerhalb der Reihe und George Lazenby zu einem tollen Agenten, der seinen Vorgänger nach wenigen Minuten vergessen macht.

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