TEPEPA

Tepepa
Tepepa | Italien/Spanien | 1969
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Revolutionär Tepepa (Tomas Milian) muss kurze Zeit nach der Revolution feststellen, dass sich an den Missständen in seinem geliebten Mexiko nichts geändert hat; stattdessen hat ihn der reaktionäre Oberst Cascorro (Orson Welles) zum Tode verurteilt. In letzter Sekunde wird Tepepa allerdings von dem Briten Dr. Price (John Steiner) gerettet, der wiederum eigene Pläne mit dem Revoluzzer hat.

1968 hatte Giulio Petroni mit dem großartigen VON MANN ZU MANN und dem leider etwas albernen AMIGOS bereits zwei Beiträge zum gerade florierenden Italowestern abgeliefert. Ein Jahr später sollte er – nachdem er mit erstgenanntem Film bereits den Rachewestern bedient hatte – dann ins Fach des mexikanischen Revolutionswestern wechseln. Dafür holte er sich neben Ivan Della Mea auch den Autoren Franco Solinas ins Boot, der sein Können mit Drehbüchern zu Klassikern wie DER GEHETZTE DER SIERRA MADRE (1966) oder MERCENARIO – DER GEFÜRCHTETE (1968) bereits eindrucksvoll unter Beweise gestellt hatte.
Hier ersinnt diese Troika dann eine Geschichte innerhalb der mexikanischen Revolution um 1910. Dabei ist die Handlung nach der Revolution angesiedelt und widmet sich vor allem den persönlichen Problemen, die der Kämpfer Tepepa zu bewältigen hat. Denn an allen Ecken und Enden muss dieser konstatieren, dass von der zuvor verheißenen Gleichheit und Gerechtigkeit im neuen Staate nichts geblieben ist. Stattdessen sind die Armen weiterhin arm und die Reichen reich. Das Militär konstituiert diese Verhältnisse und es bleibt die bittere Erkenntnis, dass sich de facto nichts geändert hat.

Pepepa: Dynamit versteht ihr besser als meine Stimme, was?

Um diese Situation in Personen zu fassen, bietet der Film dann einen klangvollen Cast auf, der allerdings nicht immer ineinandergreift. Tomas Milian – von Sergio Sollima zur Genregröße gemacht worden – spielt dabei auffällig ruhig und abgeklärt. Fiel er zuvor öfter durch massives Overacting auf, gibt er hier einen fein skizzierten Revolutionär, der sich im Verlaufe des Films immer mehr als äußerst ambivalente Rolle entpuppt. Dagegen fällt der ihn jagende John Steiner – der hier noch am Anfang seiner Karriere steht, im Zuge derer er aber noch zu mehr oder minder großen Rollen in Streifen wie CALIGULA (1979) oder TENEBRAE (1982) kommen sollte – deutlich ab, gelingt es ihm doch kaum, Emotionen für seine Sache zu kreieren. Zu blass bleibt sein Spiel, zu lethargisch wirkt somit dieser Faden der Geschichte.

Einen wahren Coup stellt natürlich die Besetzung von Orson Welles dar, der hier in unglaublicher Feistheit zu sehen ist. Ständig schwitzend manipuliert und schikaniert er jeden und alles und wird so zum Sinnbild der Verdorbenheit der Revolution. Westernfachmann José Torres als komödiantischer El Piojo und der trefflich besetzte Luciano Casamonico als Jüngling, der die Ideale weiterträgt, vervollständigen den grundsätzlich gelungenen, in seinem Zusammenspiel aber nicht immer gänzlich funktionierenden Cast.

El Piojo: Wissen Sie wie man mich nennt, Señor? El Piojo, die Laus, weil ich mich nicht waschen kann … ich kann mich nicht mal kratzen … comprende?

So ist es vor allem die von Petroni explizit politisch-gesellschaftlich intendierte Handlung, die den Film auf Kurs hält und ihn so zu einem der besseren seiner Zunft macht. Ennio Morricones Beigabe hingegen muss zu den schwächeren ihrer Art gezählt werden. Das Hauptthema erinnert immer wieder stark an seine grandiose Arbeit zu MERCENARIO – DER GEFÜRCHTETE, ohne allerdings auch nur im Ansatz dessen Mächtigkeit zu erreichen.
Die solide Inszenierung sowie ein toll aufspielender Tomas Milian sind letztlich die Komponenten, die dem Streifen zu einem ordentlich Revolutionswestern werden lassen, dem es jedoch entschieden an Emotion und Eindruck mangelt. Da hat Petroni mit VON MANN ZU MANN einen doch deutlich mitreißenderen Film hingelegt.

Inhaltlich und technisch interessanter Revolutionswestern, der leider nicht durchgehend funktioniert. Die Einzelkomponenten sind dabei überwiegend gelungen, aber das Gesamtbild leidet unter der oftmals fehlenden Emotionalität des Dargebotenen.

2 Antworten zu “TEPEPA

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