SPIDER-MAN – DER SPINNENMENSCH

Spider-Man – Der Spinnenmensch
The Amazing Spider-Man | USA | 1977
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Peter Parker (Nicholas Hammond) wird während eines Forschungsprojekts von einer radioaktiven Spinne gebissen und besitzt fortan Superkräfte. Mit Hilfe derer unterstützt er Captain Barbera (Michael Pataki) bei seinen Ermittlungen. Doch obwohl Parker als Spider-Man schnell Ermittlungserfolge erzielen kann, stellen sich auch die ersten Probleme ein.

Seit seinem ersten Auftritt im Jahre 1962 gehörte der von Stan Lee und Steve Ditko geschaffene Spider-Man zu den absoluten Aushängeschildern des Comic-Hauses Marvel. Folgerichtig wurde 1967 eine Zeichentrick-Serie produziert, die dem Spinnenmann zu noch größerer Popularität verhelfen sollte. 1973 folgte dann der erste Realfilm, in Form der türkischen Produktion 3 MIGHTY MEN, in der der Heroe allerdings auf Seiten der Bösen agierte; ein Kuriosum, welches nur möglich war, da der Film ohne eine Genehmigung Marvels produziert wurde. So sollte es schließlich eine ganze Dekade dauern, bis dem Zeichentrick-Debut eine autorisierte Real-Serie folgen sollte.
1977 entwarfen Lee und Ditko zusammen mit dem Autoren Alvin Boretz, der seit dem Beginn der 50er Jahre an allerlei US-amerikanischen Serienformaten beteiligt gewesen war, Drehbücher für einen Pilotfilm und 14 Folgen einer TV-Serie. Als Regisseur des Piloten konnte man Egbert Warnderink Swackhamer Jr. engagieren, der sich ebenfalls zuvor und in der Folge im TV-Metier umtrieb. Die Serie lief dann mit durchaus achtbarem Erfolg auf dem Sender CBS und konnte so das Prestige ihrer Hauptfigur weiter ausbauen.

Peter: Wenn Sie könnten, was der kann, was würden Sie dann machen?
Jameson: Zum Zirkus gehen!

Um aus der Serie so viel Kapital wie möglich zu schöpfen, entschied sich die internationale Verleiher-Allianz Warner-Columbia dann dafür, Teile der Serie auch auf dem deutschen Markt zu veröffentlichen. Also schnappte man sich den Pilotfilm, verpasste ihm eine günstige Synchronisation und vermarktete ihn als eigenständigen Film in den deutschen Kinos. So kam Spider-Man dann zu seinem ersten Auftritt im deutschsprachigen Raum, denn außer Teilen der Comicheft-Serie hatte es bisher kein bewegtes Bild des arachniden Heroen auf bundesdeutsche Bildschirme oder Leinwände geschafft.

Leider merkt man dem Werk seine TV-Herkunft – nicht nur wegen des verwendeten Formates – zu jeder Zeit an. Das vergleichsweise niedrige Budget ermöglichte nur rudimentäre Ausstattung und Kostümierung, was dem Film wiederum einiges an Charme raubt. Die Drehorte in Los Angeles und New York werden von Swackhamer dementsprechend bieder eingefangen und versprühen durchweg das Ambiente einer Vorabend-Serie.
Besonders auffällig wird das in den Sequenzen, in denen der Held seine Fähigkeiten darbietet. Während die Seilklettereien noch einigermaßen geschickt kaschiert werden, können die Rückprojektionen ihre günstige Machart zu keinem Zeitpunkt verbergen. Zusammen mit einigen weiteren äußerst simplen Tricks ergibt sich so das Bild einer Produktion, die auf einem sehr schmalen Grad zwischen charmantem Dilettantismus und unerträglichem Gestümper wandelt. Immerhin kann der Stuntexperte Fred Waugh – der sein Können schon bei den Dreharbeiten zu Anthony Quinns KÖNIG DER FREIBEUTER (1958) oder den beiden Affen-Abenteuern EROBERUNG VOM PLANET DER AFFEN (1972) und DIE SCHLACHT UM DEN PLANET DER AFFEN (1973) einbrachte – als Stuntdouble ein paar nette Kunststückchen zeigen, auch wenn seine Arbeit ebenfalls immer wieder unter den kostengünstigen Produktionsbedingungen leidet.

Dass dann auch nicht mehr viel Kohle für schillernde Charakterdarsteller übrigbleibt, ist kaum eine Überraschung und so darf sich der Zuschauer immer wieder Nicholas Hammonds debiles Grinsen ansehen. Der TV-Recke hatte in Peter Brooks Version von HERR DER FLIEGEN (1963) und John Guillermins ENDSTATION HÖLLE (1972) bereits Nebenrollen-Erfahrung gesammelt und darf hier nun sein ganzes Können zur Schau stellen. Damit ist es allerdings nicht weit her, sodass sein laienhaftes Overacting hier eher zum Amüsement als zum Darstellen taugt. Mit David White als Verleger Jameson, Michael Pataki als unfassbar stereotypem Captain Barbera und Lisa Eilbacher, die ein paar Jahre später als Jenny Summers in BEVERLY HILLS COP – ICH LÖS‘ DEN FALL AUF JEDEN FALL (1984) Bekanntheit erlangen sollte, als Love-Interest passt sich der übrige Cast diesem Niveau an und sorgt so für schauspielerische Magerkost. Einzig Thayer David, der kurz zuvor an ROCKY (1976) mitgewirkt hatte, kann als vollkommen überzeichneter Bösewicht leidlich unterhalten.

Barbera: Das war ein Einzelgänger, ein völlig irrer Einzelgänger!

Die Story verhehlt ihre Serien-Herkunft zu keiner Zeit und stellt somit eine Exposition inklusive kleiner Geschichte dar. Es geht vor allem darum, dem Zuschauer die Figuren zu erklären und ihre Eigenschaften deutlich zu machen. So muss der Betrachter dann gleich dutzendfache Hinweise auf die Herkunft von Peters Fähigkeiten über sich ergehen lassen sowie eine übermäßig reißbretthafte Charakterzeichnung. Der Handlungsfaden um den Gedanken kontrollierenden Bösewicht Byron kann hingegen unterhalten.
Leider gibt es nur eine Kampfsequenz zu sehen (die dafür aber an Unfassbarkeit schwer zu überbieten ist), in der der Held gegen drei Asiaten antritt. Dass sich die Spinne diese drei Widersacher am Ende des Films dann mit den Worten „Lasst uns Freunde sein!“ zu Kumpanen macht – und das auch noch per Erinnerungsfoto belegt – lässt sich praktischerweise als Zusammenfassung des ganzes Films lesen: Sinn und Verstand bleiben bei diesem kostengünstigen TV-Pilotfilm zugunsten eines TV-verträglichen Formates außen vor; was nicht einmal schlimm wäre, wenn das Budget ein wenig größer ausgefallen wäre. So bleibt der Film eine bis heute stiefmütterlich behandelte Randnotiz des Superheldenkinos; was Warner-Columbia jedoch nicht davon abhielt, weitere Folgen der Serie in Form von SPIDER-MAN SCHLÄGT ZURÜCK (1978) und SPIDER-MAN GEGEN DEN GELBEN DRACHEN (1979) auf die deutschen Kinogänger loszulassen.

Leidlich unterhaltsames Zeitdokument, welches allerdings an seiner sehr günstigen Machart krankt. Für Freunde des Superheldenfilms allerdings trotz seiner zahlreichen Makel ein unverzichtbarer Grundstein des Genres.

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