GEMINI 13 – TODESSTRAHLEN AUF KAP CANAVERAL

Gemini 13 – Todesstrahlen auf Kap Canaveral
Operación Goldman | Italien/Spanien | 1966
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der smarte Geheimagent Harry Sennet (Anthony Eisley) wird von seiner Chefin Patricia Flanagan (Diana Lorys) in die Nähe der Raketenbasis Kap Canaveral geschickt, um dort der mysteriösen Explosion einer Rakete auf den Grund zu gehen. Nach kurzer Nachforschung stellt Harry fest, dass der hinterlistige Rehte (Folco Lulli) mit einem schrecklichen Plan hinter dem Unglück steht: Er will zum Mond fliegen und die Erde von dort aus mit einem Laserstrahl unterjochen!

Nachdem Antonio Margheriti mit DER GOLDENE PFEIL (1962) oder URSUS UND DIE SKLAVIN DES TEUFELS (1964) im Bereich Sandalen- und Abenteuerfilm seine ersten Schritte als Regista gemacht hatte, sollte er zügig in das Science-Fiction-Fach wechseln. Dort machte er sich mit seiner lose zusammenhängenden Sci-Fi-Reihe bestehend aus RAUMSCHIFF ALPHA (1965), TÖDLICHE NEBEL (1966), ORION 3000 – RAUMFAHRT DES GRAUENS (1966) und DÄMONEN AUS DEM ALL (1967) einen guten Namen, der ihn für weitere Projekte empfahl. Die drei Produzenten Giuseppe De Blasio, Anacleto Fontini und Alfonso Balcázar traten dann 1966 mit der Idee an Margheriti heran, das grassierende JAMES BOND-Fieber für ein ähnlich gelagertes – nur freilich deutlich billiger produziertes – Werk zu nutzen.
Der Spanier Balcázar war dann auch für das Skript verantwortlich, bei dessen Erstellung er Unterstützung durch seinen Landsmann José Antonio de la Loma sowie den Italiener Ernesto Gastaldi – der seit Beginn der 60er Jahre die Drehbücher für unzählige Italo-Klopper verfasst hatte und gen Ende der 60er Jahre eine beachtliche Menge an Italowestern schreiben sollte – erfuhr. Diese Troika investierte jedoch nur recht wenig Mühe und schusterte einfach ein Buch zurecht, welches ein paar Versatzstücke des Agentenfilms mit dem von Margheriti so vortrefflich beherrschten Sci-Fi-Kino vermischte.

Rehte: Sie werden sich wundern, Mr. Sennet, aber ich habe noch nie ein Menschenleben ausgelöscht, noch niemals. Aber vielleicht mache ich damit bei Ihnen den Anfang, das wäre möglich.

Das sorgt dann dafür, dass der Streifen eine Logiklücke auf die nächste folgen lässt und sich so keinerlei Spannung entwickeln kann. Es handelt sich beim Endprodukt viel mehr um eine lose Aneinanderreihung von Szenen, deren Zusammenhang bestenfalls zu erahnen ist. Dazu kommt die vollkommen desaströse Charakterzeichnung, die ebenfalls auf große Vorbilder zu schielen scheint, aber selbst an simpelsten Grundzügen scheitert. So schmilzt die als taffe Dame eingeführte Flanagan in Sennets Armen sofort dahin und wird innerhalb von Augenblicken zum hilflosen Opfertypus. Das jener seiner Chefin dann auch noch mehrfach auf den Allerwertesten haut oder sie andauernd ungefragt küsst, ist zwar eine in jener Zeit übliche Darstellung der bestehenden Geschlechterordnung, in dieser Intensität respektive Simplizität sieht man das aber auch nur selten.

Dementsprechend flach fallen die übrigen Rollen dann auch aus. Anthony Eisley, der bereits in Cormans DIE WESPENFRAU (1959) zu sehen war und der ein paar Jahre später in Al Adamsons gänzlich verdrehtem DRACULAS BLUTHOCHZEIT MIT FRANKENSTEIN (1971) mitwirken sollte, kann dabei gar nicht viel falsch machen, denn die stereotype Agentenrolle verlangt wahrlich nicht allzu viel; von überheblichem Getue mal abgesehen, welches Eisley wiederum spielend gelingt. Diana Lorys scheitert wie gesagt an ihrer vollkommen bekloppt angelegten Rolle und wird von Wandisa Guida spielend in die Tasche gesteckt, die aufgrund ihres Geschlechtes natürlich auch eine dümmliche und letztlich belanglose Rolle bekommt, aber im Gegensatz zu zuvor Erwähnter zumindest etwas Anmut und Esprit zu versprühen vermag. Immerhin kann die italienische Instanz Folco Lulli in diesem Späteinsatz seiner Karriere als vollkommen überzeichneter Bösewicht Rehte – inklusive eigener Bierbrauerei – für Unterhaltung sorgen.
Nun könnte man meinen, dass der Film – abgesehen von Riz Ortolanis schmissigem Score – vollends baden geht, doch die Mixtur aus Agentenstreifen und Sci-Fi-Klamotte lässt ja noch genügend Raum für skurrile Kulissen und zahlreiche Miniaturen und Kostüme. Und tatsächlich lässt sich Herr Margheriti hier nicht lange bitten und knallt seinem Zuschauer stattdessen – trotz minimalen Budgets – die volle Breitseite an knallbuntem Retrofuturismus vor den Latz; auch wenn die immer mal wieder genutzten und stets grauenhaft eingefügten Archivaufnahmen von diversen Raketenstarts das zunächst kaum erahnen lassen.

Sennet: Ich hab ja gar nicht gewusst, dass es auch Engel gibt, die Brillen tragen. Nicht böse sein, am liebsten würde ich mich eine ganze Nacht lang bei Ihnen entschuldigen.

Doch schon kleine Gadgets und Geheimtüren lassen schnell erahnen, was da noch kommen soll. Rehtes Unterwasserbasis ist wundervoll ausstaffiert und blinkt und piept an alle Ecken und Enden. Sennet jagt im Miniaturauto durch ebensolche Landschaften und vollmaskierte Angestellte stellen sich ihm in den Weg. Ständig explodiert etwas, Laserstrahlen (in der deutschen Synchronisation übrigens vollkommen irritierend ausgesprochen) zucken umher und die Pappmaschee-Kulissen fliegen in Unmengen durch die Gegend. Wer auch nur ein wenig für schrille Effekte und charmant-comic‘eske Kulissen übrig hat, kommt in den letzten 30 Minuten also voll auf seine Kosten.
Da ist es dann auch völlig nebensächlich, dass der Film selbst im Finale keine Spannung zu entwickeln vermag und seinen Betrachter stattdessen in ein vollkommen belangloses und obendrein öde inszeniertes Finish schickt. Denn entweder man verschenkt sein Herz gleich zu Beginn an diese zwar austauschbare, aber eben doch charmant ausgestattete Agentenhatz, oder man lässt es besser gleich bleiben.

Objektiv betrachtet besteht der Streifen eigentlich nur aus zahlreichen Genre-Versatzstücken, die obendrein schlecht zusammengefügt wurden. Doch dank seiner tollen Ausstattung und seinem gelungenen Design wird er sicherlich Filmfreunde finden, die er ohne Weiteres zu beglücken vermag.

2 Antworten zu “GEMINI 13 – TODESSTRAHLEN AUF KAP CANAVERAL

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