EMANUELA – ALLE LÜSTE DIESER WELT

Emanuela – Alle Lüste dieser Welt
Emanuelle – perché violenza alle donne? | Italien | 1977
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Die Reporterin Emanuela (Laura Gemser) ist mal wieder in aller Welt unterwegs, um erotische Fotos und Stories aufzutreiben. Als ihre Kollegin Cora Norman (Karin Schubert), die einer ähnlichen Tätigkeit nachgeht, bei ihren Nachforschungen jedoch auf einen internationalen Mädchenhändlerring stößt, wird ihr investigativer Journalismus den Damen zum Verhängnis.

Nachdem Fabrizio De Angelis in der Rolle des Produzenten und Joe D’Amato als Regisseur die ohnehin anrüchige BLACK EMANUELLE-Reihe mit der dritten Serienteil BLACK EMANUELLE – STUNDEN WILDER LUST (1977) in ungeahnte Höhen bzgl. expliziten und abstrusen Gewalt- und Erotikszenen geführt hatten, sollten die beiden noch im selben Jahr einen weiteren, an drastischem Geschehen reichen Film ins Rennen schicken. Der Beisatz des Originaltitels, Perché violenza alle donne?, lässt dabei erahnen, dass sich der Streifen diesmal hinter dem angeblichen Motiv versteckt, seine häufig und mitunter äußerst exploitativ genutzte Gewalt gegen Frauen dieses Mal kritisch zu hinterfragen.
Das ist natürlich nur ein Vorwand, um die ungemein zahlreichen Sex- und Gewaltszenen aneinanderzureihen. Emanuelles und Coras ständige Empörung über die unmoralischen Machenschaften der Mädchenhändler wir von den anscheinend problemlosen mehrfachen Vergewaltigungen der diversen Darstellerinnen vollkommen ad absurdum geführt. Fast jede weibliche Rolle sieht sich im Verlauf des Films einer solchen Vergewaltigung gegenüber, allerdings scheint kaum eine von ihnen damit ein größeres Problem zu haben. Zusammen mit der grundsätzlich sexistischen Geschlechterdarstellung ergibt sich so das gewohnt platte Weltbild der Serie; der Anspruch, Gewalt gegen Frauen anzuprangern, disqualifiziert sich somit sehr schnell selbst.

Emanuela: Wir sollten uns öfter mal treffen, Sie argumentieren ja fast so gut wie Sie aussehen!

Ebenfalls in bester Serienmanier können die Sexszenen, die natürlich wieder durch ein paar nachgedrehte Hardcore-Schnipsel ergänzt werden, nur einige Minuten unterhalten, bevor die schiere Redundanz für Langweile sorgt. Irgendwie hat man das alles schon Mal gesehen, Abwechslung bleibt Fehlanzeige. So stellt es dann wahrlich eine Überwindung dar, eine sich ankündigende Erotik-Szene nicht sofort per Vorspultaste zu überwinden.
Auch das Gewaltmerkmal des Vorgängers wird wieder aufgegriffen. Dabei gibt es allerdings keinen erneuten Pseudo-Snuff-Angriff, sondern zahlreiche sehr rau inszenierte Vergewaltigungen und andere Erniedrigungen der Damen zu sehen. Und auch die Tierwelt darf nach dem berüchtigten Pferde-Abenteuer des Vorgängers nicht fehlen, sodass diesmal Schlange und Hund für zoophile Spiele herhalten müssen. Diese Sequenzen zielen natürlich wieder auf des Zuschauers Entsetzen ab, können allerdings nicht die brachiale Wirkung der Pferde-Szene aus BLACK EMANUELLE – STUNDEN WILDER LUST erzielen. Dass sie trotzdem dazu befähigt sind, das Sleaze-Potenzial des Streifens ins immense Höhen zu schrauben, versteht sich von selbst.

Neben der obligaten Laura Gemser kehrt die Deutsche Karin Schubert wieder in die Riege der Darstellerinnen zurück. Diese hatte bereits im Serienauftakt BLACK EMANUELLE (1975) die zweite Hauptrolle gegeben und lässt nun ein weiteres Mal ihr arg limitiertes Können auf den Zuschauer los. Eine inhaltliche Kontinuität gibt es bei Schuberts Rolle übrigens ebenso wenig wie bei der von Ivan Rassimov, der bereits in BLACK EMANUELLE – 2. TEIL (1976) in anderer Funktion zu sehen war. Mit Don Powell gibt es dann sogar eine Nebenrolle, die in gleich vier Teilen der Reihe mitwirkte, und mit George Eastman als Sexguru eine echte Knallerbesetzung.
Wie immer fotografiert D’Amato das Geschehen dann durchaus geschickt und kann so seine Expertise aus dem Bereich Kameraarbeit voll nutzen. Die zahlreichen Drehorte sorgen für Abwechslung und werden so zum insgeheimen Zugpferd des Films. Skurrile Randnotiz: Die Beischlafausbildungshalle ist die gleiche Kulisse, die es in Bruno Corbuccis zeitgleich produziertem MESSALINA – KAISERIN UND HURE (1977) zu sehen gibt. Es wäre eben vermessen, eine derart tolle Ausstattung nur für einen Film zu nutzen.

Verleger: Sag‘ mal, hat dir einer in Mops gebissen, Engelchen? Du sollst mir Titten und Ärsche liefern, weil du für Titten und Ärsche Fachfrau bist!

Das durch und durch schmierige Geschehen wird dann wieder einmal von einem wundervoll leichtlebigen Soundtrack aus der Feder von Serienveteran Nico Fidenco unterlegt, der die teilweise sehr harten Szenen mit einem fast schon konterkarierenden Easy Listening unterlegt. Das Titelthema weist dabei wieder feinste Ohrwurmqualität auf und bleibt als eines der wenigen Elemente des Streifens in Erinnerung.
Selbiges kann man vom Gesamtwerk nur bedingt behaupten, mangelt es doch schlicht an Innovation und Abwechslung. Nur wenige Augenblicke können sich aufgrund ihrer deutlichen Gewalt abheben, einen wirklich guten Film macht das allerdings noch lange nicht aus. Als weiteres Bausteinchen für Freunde von wirklich sleazigem Sexploitation-Kino, kann dieses Werk allerdings ohne Weiteres herhalten.

Auch wenn der unmittelbare Vorgänger noch etwas drastischer daherkam, so gehört doch auch der vierte Teil der Reihe in die erste Liga der schmierigen Sleaze-Streifen. Freunde sexploitativer Unterhaltung kommen somit voll auf ihre Kosten; alle anderen dürften entsetzt abwinken.

2 Antworten zu “EMANUELA – ALLE LÜSTE DIESER WELT

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