DIE RECHTE UND DIE LINKE HAND DES TEUFELS

Die rechte und die linke Hand des Teufels
Lo chiamanova Trinità | Italien | 1970
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der müde Joe (Terence Hill) trifft seinen Bruder (Bud Spencer), gemeinhin nur als „Der Kleine“ bekannt, unverhofft wieder. Dieser ist als Sheriff tätig, Joe hingegen als Gauner. Doch als sich herausstellt, dass der fiese Major Harriman (Farley Granger) die in der Nähe wohnenden gläubigen Siedler unter der Führung von Vater Tobias (Dan Sturkie) bedroht, müssen sich die beiden ungleichen Brüder wieder zusammentun.

Während der gesamten 60er Jahre war Enzo Barboni als Kameraassistent bzw. als Kameramann bei diversen italienischen Produktionen tätig. Dabei verschlug es ihn vor allem an zahlreiche Italowestern-Sets, darunter auch zu Corbuccis Meilenstein DJANGO (1966). 1970 lieferte er mit DJANGO – DIE NACHT DER LANGEN MESSER seine erste Regiearbeit dann folgerichtig ebenfalls in diesem Genre ab, bevor er noch im selben Jahr mit DIE RECHTE UND DIE LINKE HAND DES TEUFELS eine der entscheidendsten Novellierungen desselben durchführen sollte. Denn seine ganz große Zeit hatte der Italowestern zum Ende des Jahrzehnts schon hinter sich und so sollte ihn langsam aber sicher die Parodie bekannter Genreelemente durch die Komödie ereilen.

Tobias: Gott zum Gruße, Brüder!
Der Kleine: Woher weiß der denn, dass wir Brüder sind?!

Dazu schrieb Barboni unter der Verwendung des Pseudonyms E. B. Clutcher ein Drehbuch, welches die Mechanismen des Genres humorvoll aufgreift, ohne dabei jedoch in reine Klamotte abzudriften. Die Gags sind wohlgetimt und trefflich über die Spielzeit verstreut und persiflieren so, anstatt zu veralbern. Im Gegensatz dazu gibt es auch einige klassische Italowestern-Sequenzen, die vornehmlich den Antagonisten Major Harriman betreffen und so dafür sorgen, dass der Filme eine ernsthafte Grundhandlung erhält. Diese gewinnt zwar wahrlich keine Preise für Innovation, funktioniert als Grundlage der Komödie aber äußerst trefflich.
Neben den humorvollen Sprüche und Szenen gehört zudem der Fokus auf Prügeleien zu Barbonis Genrebeitrag. Dieses auch aus dem klassischen Italowestern bekannte Element wird hier deutlich überhöht und sollte letztendlich dazu beitragen, dass das Genre der komödiantischen Italowestern in Deutschland häufig auch als Prügelwestern geführt wird. Grundlage für die Neuerung war dabei sicherlich die Wahl der Hauptdarsteller.

Denn bereits in seiner Zeit als Kameramann war Barboni während der Arbeiten zu Ferdinando Baldis DJANGO UND DIE BANDE DER GEHÄNGTEN (1968) auf den jungen Terence Hill getroffen. In dem Willen, diesen nun zu verpflichten, kam Barboni dann an Bud Spencer kaum vorbei, hatten die beiden Schauspieler doch bereits in den Colizzi-Western GOTT VERGIBT – DJANGO NIE! (1967), VIER FÜR EIN AVE MARIA (1968) und HÜGEL DER BLUTIGEN STIEFEL (1969) ein treffliches Team gebildet. Auf dieser Grundlage schrieb Barboni dann eine Figurenkonstellation, die sich für die weiteren Karrieren von Hill und Spencer als äußerst prägend erweisen sollte.

Joe: Was sollte ich denn machen? Schließlich hat er unsere Mutter eine alte Hure genannt.
Der Kleine: Aber das ist doch die Wahrheit.
Joe: Na so alt ist sie nun auch wieder nicht …

Denn was Colizzi schon anklingen ließ, führt Barboni zur Perfektion: Die beiden ungleichen Brüder stehen sich nämlich schon hier in ihrer später so beliebten – weil sehr humorvollen – Art und Weise gegenüber. Sie agieren kaum gemeinsam und liefern sich ständig Wortgefechte und Neckereien. Die Abneigung geht dabei von Spencers Charakter aus und wird von Hills Rolle immer wieder listig befördert. Hier muss man Barboni sicherlich ganz hoch anrechnen, dass er die geniale Blaupause für den Erfolg des Duos liefert.
Daneben gibt der US-Amerikaner Dan Sturkie – der in HÜGEL DER BLUTIGEN STIEFEL einen der Minenarbeiten geben durfte – einen ebenfalls gelungen parodischen Mormonen, der das Thema Religion hier angenehm unauffällig zum Ziel zahlreichen Gags und Seitenhiebe werden lässt. Auch Steffen Zacharias hat in VIER FÜR EIN AVE MARIA bereits den Weg des Duos gekreuzt und gibt hier mit dem trunkenen Helfer ebenfalls einen weiteren klassischen Spencer/Hill-Charakter.

Elena Pedemonte und die Deutsche Gisela Hahn – die es hier trotz ihrem Mitwirken in KOMMISSAR X – IN DEN KLAUEN DES GOLDENEN DRACHEN (1966) und MISTER DYNAMIT – MORGEN KÜSST EUCH DER TOD (1967) nur auf eine kleine Nebenrolle bringt – kommen als lüsterne Mormonen-Damen hingegen leider etwas zu blass weg; die Möglichkeit, mittels dieser Rollen die Religions-Kritik noch weiter auszufeilen wird leider vergeben. Dafür kann der US-Amerikaner Farley Granger beeindrucken, der hier eine gekonnte Persiflage des klassischen Western-Bösewichts liefert. Neben seinen Auftritten in den Hitchcock-Klassikern COCKTAIL FÜR EINE LEICHE (1948) oder DER FREMDE IM ZUG (1951), erlangte Granger bei eurozentrischen Filmfans vor allem durch sein Mitwirken in Monteros SO SCHÖN – SO NACKT – SO TOT (1972) sowie Dallamanos DER TOD TRÄGT SCHWARZES LEDER (1974) Bekanntheit.

Tobias: Ich hoffe der Himmel verzeiht Ihnen!
Major: Vielen Dank, das hoffe ich auch, aber offen gestanden: Ich rechne nicht damit.

Ebenfalls von zentraler Bedeutung für das Funktionieren des von Barboni ordentlich, wenn auch letztlich unaufgeregt inszenierten Films, ist die Musik von Franco Micalizzi. Dieser sollte im Verlaufe seiner Karriere zwar noch einiges an gelungenen Stücken hervorbringen, an dieses Frühwerk reichen allerdings nur die wenigsten davon heran. Das zahlreich variierte Titelstück gehört zu den uneingeschränkten Klassikern des Italowestern und trägt mit seiner Mischung aus Tragweite und Verschmitztheit perfekt zum Stil des Films bei.
Obwohl der Streifen dann im Vergleich zu den folgenden Werken von Barboni und seinem Darsteller-Duo bezüglich der Albereien relativ gemäßigt ausfällt – auch die deutsche Synchronisation treibt das Gebotene nicht mittels übermäßigem Rumgealbere in Richtung Klamauk – ist es doch der unverkennbare Startschuss des komödiantischen Italowestern. Ein Genre, das – wie wir heute wissen – auch zahlreiche Abgründe mit sich bringen sollte, aber ebenso auch einige weitere Perlen. Für eine wahrliche davon sollte Barboni selber nur ein Jahr später sorgen, als er Terence Hill und Bud Spencer dann in den inhaltlich an diesen Streifen anschließenden VIER FÄUSTE FÜR EIN HALLELUJA (1971) schickte …

Barboni begründet hier die Italowestern-Komödie und gibt dem Duo Spencer/Hill ganz nebenbei bereits sämtliche Zutaten für ihre spätere Karriere mit auf den Weg. Dass Micalizzi das Ganze noch mit einem legendären Score unterlegt, macht den Streifen zu einer wahren Perle des humorvoll staubigen Kinos.

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