MISSION ALDER – DER STARKE ARM DER GÖTTER

Mission Adler – Der starke Arm der Götter
Fei Jing Gai Waak | Hongkong | 1991
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Abenteurer Jackie (Jackie Chan) wird wieder von Baron Bannon (Bozidar Smiljanic) engagiert. Dieses Mal soll er zusammen mit der Wissenschaftlerin Ada (Carol Cheng) nach Afrika reisen, um dort nach verschollenem Nazi-Gold zu suchen. Mit von der Partie ist auch Elsa (Eva Cobo), die Tochter des damals das Edelmetall transportierenden deutschen Offiziers.

Vier Jahre nach dem ersten Versuch, die erfolgreichen INDIANA JONES-Filme sowohl zum Ziel einer humorvollen Parodie als auch zum Vorbild für ein ähnlich wildes Abenteuer-Filmchen zu machen, ging Jackie Chan als Regisseur und Drehbuchautor in Personalunion erneut daran, dieses Modell umzusetzen. Produziert wurde dabei aufgrund des durchaus vorhandenen finanziellen Erfolgs von DER RECHTE ARM DER GÖTTER (1987) wiederum von Raymond Chows Golden Harvest. Dieser stellte Chan dabei eine Prämie in Aussicht, die diesen dazu anhalten sollte, die Dreharbeiten in einem halben Jahr und für ein Maximalbudget von rund fünf Millionen US-Dollar umzusetzen. Chan ignorierte dieses Angebot jedoch wissentlich und nahm sich knappe zwei Jahre Zeit, in denen er ungefähr 15 Millionen US-Dollar aufwandte; und somit den bis dato teuersten Film Hongkongs hervorbrachte.
Sicherlich nicht für diesen finanziellen Kraftakt verantwortlich ist Autorenschaft, die neben Chan selbst aus seinem langjährigen Gefährten Edward Tang – der schon die Produktion und das Drehbuch von Chan-Filmen wie DER SUPERFIGHTER (1983), DER POWERMAN (1984) oder POLICE STORY (1985) verantwortet hatte – bestand. Zusammen schufen die beiden eine Rahmenhandlung, die der des Vorgängers fast bis in Detail gleicht. Gerade die erste halbe Stunde mutet – nicht nur wegen der erneuten Flucht vor erbosten Eingeborenen – deswegen fast wie ein Remake desselben an und krankt deshalb auch an der gleichen genretypischen Problematik: Die Hintergrundgeschichte ist völlig sinn- und nutzlos. Sie dient lediglich als Aufhänger für die folgende Abenteuerreise durch die Welt.

Jackie: Genug ja, warum werde nur ich geschlagen?! Sie weiß auch wo alles ist!

Ebenfalls dem Vorgänger sehr ähnlich ist die wiederum aus zahllosen Klischees zusammengesetzte Weltsicht des Films. Indigene Stämme machen nur komische Geräusche (und antworten so auch auf Chans Geplapper), Frauen sind grundsätzlich hilflos oder dumm und arabisch-stämmige Menschen handeln grundsätzlich tagtäglich mit Frauen. Dass der Altnazi Adolf dann auch noch vom Schurken zum guten Kumpel mutiert untermauert diese äußerst naiv-dümmliche Haltung ein weiteres Mal.
Doch weder die belanglose Handlung, noch deren flachen Charaktere können den Film daran hindern, seinen Zuschauer durchweg gut zu unterhalten. Denn Chan inszeniert die zahlreichen Action-Sequenzen einfach derart flott und abwechslungsreich, dass einem das eigentlich öde Drumherum schnell gleichgültig wird. Ständig gibt es einfallsreiche Stunts und Kämpfe, nur kurze Handlungsschnipsel unterbrechen das fröhliche Gekloppe.

Vor allem einige Zweikämpfe und das grandiose Finale im Windkanal gehören zu den Highlights des Films und können einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Grund dafür sind auch die gelungenen Kulissen des alten deutschen Bunkers, die sowohl stimmig als auch bezüglich der Stunts höchst funktional daherkommen. Hier macht sich das große Budget dann allerorten bemerkbar und sorgt für ein tolles Finale.
Jackie Chan spielt natürlich wieder in seiner ureigen aufgedrehten Art zwischen Komödie und Hampelei und wird dabei diesmal von gleich drei Damen flankiert. Carol Cheng gibt dabei eine weitgehend langweilige Begleitung, während die Spanierin Eva Cobo – als deutsche Blondine natürlich mit dem Rollennamen Elsa versehen – wohl vor allem das Interesse des internationalen Markts bedienen soll. Die japanische TV-Darstellerin Shôko Ikeda bleibt ebenfalls blass und sorgt so mit dafür, dass die Damenschaft trotz dreifacher Anwesenheit wie erwähnt vornehmlich aus dümmlichen Geschlechterklischees besteht.

Typ: Hey, ich glaube bei denen führt Durst zu Lust!

Der ebenfalls etwas zu verkitschte Altnazi Adolf wird übrigens vom Spanier Aldo Sambrell gegeben, der neben kleinen Rollen in der DOLLAR-TRILOGIE an unzähligen Italowestern und anderem – oftmals italienischem – Genre-Humbug wie FRAU DOKTOR KANN’S NICHT LASSEN (1978) oder SEXORGIEN IM SATANSSCHLOSS (1982) beteiligt war. Dass diese Rolle auch ohne Probleme aus einem der INDIANA JONES-Streifen stammen könnte, untermauert noch mal, wo der Film seine hauptsächliche Inspiration gefunden hat.
Macht aber alles nichts, denn die Mischung aus Komödie, Action und Abenteuer funktioniert trotz der erwähnten Mankos sehr gut. Gerade das Mehr an exotischen Drehorten und Kulissen sorgt dabei dafür, dass der Film seinen Vorgänger locker in die Tasche stecken und sein Ziel, das spielberg’sche Vorbild zu parodieren/imitieren, folglich erreichen kann. Denn auch wenn Anspruch, Inhalt und Charakterzeichnung an allen Ecken und Enden kranken, so bietet der Streifen doch einfache Unterhaltung in Reinkultur; und wer nicht mehr erwartet, kann sich das getrost ansehen.

Die Probleme des Vorgängers werden gekonnt ausgebügelt und Chans zweiter Abenteuer-Streich wird so zu ungemein seichter, aber somit auch äußerst leicht bekömmlicher Action-Unterhaltung. Wer also auf Handlung verzichten und sich mit den grauenhaft platten Geschlechterklischees arrangieren kann, darf sich genüsslich ins Abenteuer stürzen.

Eine Antwort zu “MISSION ALDER – DER STARKE ARM DER GÖTTER

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