DER RECHTE ARM DER GÖTTER

Der rechte Arm der Götter
Lung Hing Fu Dai | Hongkong/Jugoslawien | 1987
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Jackie (Jackie Chan) muss im Auftrag des reichen Bannon (Bozidar Smiljanic) die fünf Teile der antiken Rüstung Gottes finden. Doch hinter diesem Vorhaben steht eigentlich der Plan Lorelei (Rosamund Kwan), die entführte Freundin seines Kumpels Alan (Alan Tam), zu retten. Dass Jackie ebenfalls Gefühle für Lorelei hegt hilft dabei ebenso wenig wie der Umstand, dass Bannons Tochter May (Lola Forner) die beiden begleitet.

1981 und 1984 waren große Jahre für den modernen Abenteuerfilm. Der JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES und INDIANA JONES UND DER TEMPEL DES TODES hatten das Genre novelliert und die Figur INDIANA JONES zum unbestrittenen Herrscher dieser Stilrichtung gemacht. Diese Entwicklung ging auch an Jackie Chan nicht vorbei, der seit Anfang der 80er Jahre immer mehr Interesse daran zeigte, seine Karriere in die USA zu verlagern. Die Versuche, das mittels seiner Auftritte in AUF DEM HIGHWAY IST DIE HÖLLE LOS (1981) bzw. AUF DEM HIGHWAY IST WIEDER DIE HÖLLE LOS (1984) zu bewerkstelligen, waren allerdings vorerst zum Scheitern verurteilt. Also wandte er sich vorläufig wieder Produktionen in Hongkong zu, die sich jedoch mehr und mehr an den US-amerikanischen Vorbildern orientieren sollten.
Unter der Produktion der Shaw Brothers-Konkurrenten Golden Harvest schrieb Chan dann zusammen mit Eric Tsang ein Drehbuch, welches sich die beiden erwähnten INDIANA JONES-Filme zum Vorbild nahm und sich in einer teilweise parodierenden, teilweise schlicht kopierenden Art an diesen orientierte. Eine Statue mit den Füßen umstoßen, eine Flucht vor sperrwerfenden Eingeborenen, ein finsterer Kult in einer Bergfeste, an einem Loch in einem Berghang balancieren, unzählige Elemente der großen Vorbilder tauchen wieder auf und wurden von einer oblatendünnen Rahmenhandlung zusammengehalten.

May: Was ist das?
Alan: Chinesischer Käse.
May: Der schmeckt schrecklich!
Alan: Dafür sind keine Löcher drin …

Gerade in diesem Punkt folgt der Film dabei der spielberg’schen Neuinterpretation des Abenteuerfilms. Es geht nicht um Stringenz und Konsequenz, sondern um eine fantastische Reise. Die Beweggründe sind völlig zweitrangig und so nimmt sich der Film auch lediglich 20 Minuten Zeit, um seine Helden mit Hilfe einer höchst unsinnigen Geschichte auf den Weg zu schicken. Die interessiert aber ohnehin keinen, denn der geneigte Abenteuer-Fan möchte exotisch Schauplätze und unterhaltsame Action sehen.
Leider schafft es der Film aber nur unzureichend, seine zahlreichen Drehorte (gedreht wurde in fast zehn verschiedenen Ländern) gelungenen in Szene zu setzen. Kommt die Altstadt Zagrebs noch recht ordentlich weg, werden Orte wie Marokko oder die Philippinen fast gar nicht genutzt. Dementsprechend bleibt der Film optisch häufig deutlich blasser, als es die Auflistung der Drehorte erahnen ließe. Erst das Finale in einigen stimmigen Höhlen-Kulissen kann hier etwas Abhilfe schaffen.

Dafür wird das Gebotene ordentlich inszeniert, was allerdings nur bedingt dem ursprünglich für die Regie eingesetzten Tsang zu verdanken ist. Denn nachdem sich Chan bei einem Sprung von einem Baum gleich zu Beginn der Dreharbeiten sehr schwer verletzte (knapp dem Tode entronnen zeichnet ihn bis heute eine weitgehende Taubheit auf einem Ohr und ein per Plastikstöpsel verschlossenes Loch im Schädel) und einige Zeit pausieren musste, verlies Tsang die Produktion und der Hauptdarsteller übernahm auch den Regiestuhl. Doch da Chan bereits seit einem Jahrzehnt Erfahrung in diesem Metier gesammelt hatte, ist das dem Film mitnichten abträglich.
Vor allem die Actionszenen inszeniert Chan äußerst routiniert, auch wenn Martial Arts-Freunde mitunter äußerst lang auf die einzelnen Höhepunkte des Films warten müssen. Denn während sich die erste Filmhälfte eher der lockeren – und häufig parodischen – Unterhaltung hingibt, stürzt sich erst die zweite Hälfte in wilde Kloppereien und dergleichen. Vor allem Chans Kampf gegen vier afroamerikanische Damen bleibt hier im Gedächtnis. Denn neben den geradezu lachhaften Geschlechterklischees, die dieser Kampf bietet (die Mädels treten fast ausschließlich nach Chans bestem Stück, Chan haut ihnen auf die Möpse, die hochhackigen Schuhe brechen andauernd ab oder hindern beim Kämpfen) ist er doch über alle Maßen toll und brachial inszeniert. Neben ein paar anderen Fights gen Ende entschädigt dieses Highlight somit weitestgehend für die vorherige Armut an Kampfsport.

Prediger: Vor allem sind wir dankbar dafür, dass du Frauen geschaffen hast, damit wir die Freuden der Sexualität und der Sünde genießen können!

Neben Chan, der wie immer sich selbst spielt, gibt es den Entertainer und Sänger der Band The Wynners, Alan Tam, zu sehen (der im Film übrigens für die Band The Losers singt), der hier einen ordentlichen Sidekick-Buddy gibt. Rosamund Kwan – die ein paar Jahre später in Tsui Harks ONCE UPON A TIME IN CHINA-Reihe mitwirken sollte – gibt eine weitestgehend belanglose Lorelei, die als Streitpunkt zwischen Jackie und Alan Anlass für einige vollkommen abstruse Streitgespräche bietet und die Spanierin Lola Forner kommt als allzu berechenbar kesse Begleiterin ebenfalls nur durchschnittlich weg. Fachleuten ist Forner übrigens aus Bruno Matteis und Claudio Fragassos brutalem Italowestern-Nachzügler DER WEißE APACHE – DIE RACHE DES HALBBLUTS (1986) bekannt.
Letztlich bietet der Streifen also ordentliche, wenn auch weitestgehend unspektakuläre Abenteuer-Unterhaltung. Klar im Schatten der großen Vorbilder stehend fehlt es vor allem an den Chan-typischen Kampfsequenzen und folglich an Alleinstellungsmerkmalen. Erst gen Ende treten diese vermehrt auf und sorgen dann auch schnell dafür, dass der Film im Finale gut funktioniert. Dieses Problem sollte der 1991 erschienene Nachfolger MISSION ADLER – DER STARKE ARM DER GÖTTER dann übrigens deutlich besser in den Griff bekommen.

Ordentliche, aber letztlich etwas höhepunktarme Abenteuer-Unterhaltung; als kleine Nummer zwischendurch aber doch allemal gangbar.

Eine Antwort zu “DER RECHTE ARM DER GÖTTER

  1. Pingback: MISSION ALDER – DER STARKE ARM DER GÖTTER | SPLATTERTRASH·

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.