MAD MAX – JENSEITS DER DONNERKUPPEL

Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel
Mad Max Beyond Thunderdome | Australien/USA | 1985
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Max (Mel Gibson) zieht einsam durch die Wüste. Als ihm jedoch sein Gefährt geklaut wird, macht er sich auf den Weg nach Bartertown, um den Schuldigen zu stellen. Dort regieren die exzentrische Aunty Entity (Tina Turner) und der in einer Quasisymbiose lebende Master-Blaster (Angelo Rossitto und Paul Larsson) eine neu entstandene Gesellschaft. Doch bei der Suche nach seinem Gefährt stößt Max auf einige Probleme.

Vier Jahre sollten ins Land gehen, bis der dritte Film der MAD MAX-Trilogie das Licht der Welt erblicken sollte. Und wie auch schon zwischen den ersten beiden Teilen, sollten auch zwischen MAD MAX II – DER VOLLSTRECKER (1981) und MAD MAX – JENSEITS DER DONNERKUPPEL Welten liegen. Der Grund dafür ist dabei vornehmlich in der Neuausrichtung des Franchise zu suchen, denn während MAD MAX (1979) seinerzeit ein ungehobelter kleiner Streifen war und der zweite Teil sich zum zentralen Werk des Endzeitfilms emporschwang, sollte der dritte Anlauf sich vollends dem Mainstream verschreiben.
Das muss ja zu allererst nichts zwingend Schlechtes sein und so gingen Regisseur George Miller und Produzent Byron Kennedy im Jahre 1983 schon einmal das australische Hinterland nach geeigneten Drehorten abzusuchen. Der Größe dieses Landes ist es dabei geschuldet, dass dazu ein beflügeltes Transportmittel von Nöten war, und dem Schicksal ist es geschuldet, dass Kennedy bei einem Absturz während dieser Rundflüge zu Tode kam. Dieses Unglück schockierte Miller – der die gesamte Reihe mit Byron aus der Taufe gehoben hatte und mit diesem auch die Produktionengesellschaft Kennedy Miller Productions führte – derart, dass ihm die Lust auf die Produktion verging; letztlich ließ er sich jedoch dazu überreden, zumindest die Actionszenen des Films zu drehen.

Meute: Zwei gehen rein, einer kommt raus!

Stattdessen übernahm mit George Ogilvie ebenfalls ein Australier den Regieposten, der jedoch lediglich die Expertise einiger TV-Episoden aufweisen konnte; und bis an sein Karriereende auch nur in diesem Segment tätig sein sollte. Immerhin konnte man für das Drehbuch erneut Terry Hayes gewinnen, der auch schon den zweiten Teil der Reihe mit seiner simplen, aber ungemein wirksamen Geschichte ausgestattet hatte.
Leider sorgt das Ziel, den Film mehr in den massentauglichen Bereich zu führen, aber dafür, dass Hayes‘ Skript diesmal nicht nur verworrener, sondern vor allem deutlich unstringenter ausfällt. Die erste Hälfte, die von Max‘ Ankunft und Aufenthalt in der Stadt Bartertown erzählt, lässt dabei zunächst nichts von diesen Schwächen erahnen. Die Geschehnisse der Vorgänger werden konsequent weitergeführt und es wird eine Gesellschaft präsentiert, die sich inmitten der Wirren zu regenerieren versucht. Das fällt rau, aber stimmig und zu jederzeit interessant aus. Die zweiteilige Gesellschaft, die rudimentäre und grausame Rechtsprechung, die alternative Energiegewinnung, all das sind tolle Ideen, die auch optisch ansprechend umgesetzt wurden. Die Donnerkuppel als Höhepunkt der ersten Hälfte betont das noch einmal und macht die ersten 50 Minuten so zu einem weiteren tollen Kapitel im MAD MAX-Universum.

Die darauffolgende zweite Hälfte torpediert die bis dahin düstere Stimmung dann jedoch mit dem Konzept der abgestürzten Kindergruppe. Diese erweitert die Welt zwar sinnvoll um die Elemente Unschuld und Hoffnung, trägt das allerdings viel zu plakativ vor. Dabei soll die Kritik nicht einmal direkt auf die sehr kindgerechte Inszenierung und Dialogführung abzielen, sondern vornehmlich auf die viel zu große Kluft zwischen den beiden Teilen. Das diese beiden gänzlich unverträglichen Hälften einander dann auch noch mit dem sprichwörtlichen Holzhammer zugeführt werden, lässt das Konzept vollends bersten.

Gefangener: Ach, halb so wild. Lebenslänglich dauert hier unten zwei, drei Jahre.

Optisch wirkt der Film hingegen wie aus einem Guss und deshalb lässt er die Herzen von Freunden staubiger Endzeit mit Leichtigkeit höher schlagen. Zahlreiche tolle Kulissen – die Ogilvie übrigens zusammen mit Kameramann Dean Semler sehr routiniert einfängt – und eine Unmenge an tollen Kostümen und Requisiten erwecken die Welt zum Leben und hauchen ihr ungemein viel Stimmung ein. Auch die Kinder wirken glaubhaft und nachvollziehbar und schmälern den Spaß auf der optischen Ebene keineswegs.
Gleiches gilt auch für die von Miller persönlich inszenierten Action-Sequenzen, die mal wieder über jeden Zweifel erhaben sind. Natürlich darf auch die finale Verfolgungsjagd nicht fehlen, die diesmal mittels einer inhaltlich etwas unlogischen, technisch dafür sehr beeindruckenden Lokomotive dargeboten wird. Das Finale von MAD MAX II – DER VOLLSTRECKER wirkt zwar trotzdem noch um einiges knalliger, was aber keineswegs heißen soll, dass dieses Finish nicht ebenfalls beste Action-Unterhaltung darstellt.

Mel Gibson, der zwischenzeitlich in Roger Donaldsons Version von DIE BOUNTY (1984) mitgewirkt hatte, sollte nach wie vor noch auf den großen Durchbruch warten, der ihm erst zwei Jahre später mit LETHAL WEAPON – ZWEI STAHLHARTE PROFIS (1987) gänzlich gelingen sollte. Hier gibt er bis dahin eine weitere ordentliche, wenn auch letztlich etwas höhepunktarme Darbietung. Dabei sieht er sich der ebenfalls den Titeltrack beisteuernden Tina Turner gegenüber, die hier belegt, dass sie zwar nicht für die Schauspielerei geboren ist, mit ihrem exzentrischen Mienenspiel allerdings problemlos die Antagonistin einer abgedrehten Endzeitwelt geben kann.

Aunty: Gerechtigkeit ist nur das Fallen der Würfel, das Werfen einer Münze, das Drehen des Rades …

Gelungen ist auch Frank Thring, der bereits in Klassikern wie BEN HUR (1959) oder EL CID (1961) an Hestons Seite mimte und der hier den leicht dösigen Collector gibt. Richtig überzeugen kann hingegen die Doppelfigur bestehend aus dem kleinwüchsigen Angelo Rossitto – der schon in Tod Brownings FREAKS (1932) zu sehen war – und dem hoch aufgeschossenen Paul Larsson. Der so entstehende Master-Blaster ist faszinierend und unterhaltsam zu gleich und es ist tatsächlich schade, dass Rossitto im Verlaufe des Films nur noch als platter Aufhänger dazu dient, die beiden Storyhälften miteinander zu verbinden.
Letztlich hinterlässt der Film so einen sehr zwiespältigen Eindruck, auch wenn das gelungene Finish im zerstören Sydney wieder einiges herauszureißen vermag. Zu ambivalent erscheinen die beiden Handlungsstränge, zu losgelöst voneinander laufen sie ab. Des Weiteren ist die Geschichte rund um die Kinderschar natürlich bestens dazu befähigt, staubfressende Endzeit-Spezialisten zu vergraulen. Alles in allem sorgt das leider dafür, dass ein an sich toll gefilmter und ausgestatteter Streifen einfach keinen graden Weg findet und so ein doch eher unrühmliches Ende der MAD MAX-Trilogie darstellt.

Selbst wenn einen der sehr kindgerechte Stil der zweiten Filmhälfte nicht stört, so ist doch die Kluft zwischen den beiden Handlungssträngen doch schlicht zu groß, als das ein stimmiges Filmerlebnis entstehen kann. Vor allem in Anbetracht der genialen ersten Hälfte und der überwiegend tollen Ausstattung und Inszenierung ist das wahrlich schade.

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2 Antworten zu “MAD MAX – JENSEITS DER DONNERKUPPEL

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