BLACK EMANUELLE – STUNDEN WILDER LUST

Black Emanuelle – Stunden wilder Lust
Emanuelle nera in America | Italien | 1977
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Emanuelle (Laura Gemser) reist für ihr Magazin quer durch die USA und sogar bis nach Venedig, um die perversen Sex-Spiele der Reichen und Schönen zu dokumentieren. Als ihre Nachforschungen auch hohe politische Ämter zu diskreditieren beginnen, entbindet sie ihr Verlagschef schließlich von ihrer Aufgabe.

Nachdem BLACK EMANUELLE – 2. TEIL (1976) zwar eine leidlich unterhaltsame Fortsetzung des Erfolgsfilms BLACK EMANUELLE (1975) darstellte, aber weder dessen finanziellen noch medialen Erfolg wiederholen konnte, ging Joe D’Amato ein Jahr später daran, diesem Missstand abzuhelfen. Wiederum ließ er sich von dem namenhaften Autorenteam Ottavio Alessi, Maria Pia Fusco und Piero Viarelli ein Drehbuch schreiben und wiederum besetzte er fast alle zentralen Positionen der Produktionen mit seiner selbst.
Das dritte Werk der BLACK EMANUELLE-Reihe führt die namensgebende Protagonistin dann in die Vereinigten Staaten (aus denen sie eigentlich ohnehin stammt) und offenbart somit erst einmal einen eklatanten Mangel an Exotik. Boten die Vorgänger noch Originalschauplätze in Afrika und Asien, muss sich des Zuschauers Auge nun mit ein paar Aufnahmen von New York und einigen US-amerikanischen Kleinstädten begnügen. Immerhin dient ein Ausflug nach Venedig als Abwechslung, sodass wahre Eskapisten zwar immer noch gelangweilt abwinken dürften, Freunde netter Tourismus-Aufnahmen allerdings auf ihre Kosten kommen.

Senator: Jetzt muss ich dir ein Kompliment machen. Ich habe noch nie eine so schöne Frau gesehen.
Emanuelle: Auch nicht die Mutter deiner Söhne?
Senator: Die Frau, die man heiratet, ist nie das Idealbild.

Übrigens war man auf Seiten der Produktion anscheinend der Meinung, dass derjenige, der sich in eine Kinovorstellung dieses Films verirrt, bereits der Vorgänger ansichtig wurde, denn man hält es nicht für nötig, den Zuschauer davon zu unterrichten, warum die holde Schönheit Foto knipsend durch die Bordelle der USA zieht; erst nach der Hälfte des Films wird da Geheimnis gelüftet.

Bis dahin ergeht sich der Streifen wieder einmal in zahlreichen Softcore-Szenen, in denen Emanuelle mal Männern, mal Damen, mal beidem die Liebe beibringt. Jede noch so unsinnige Angelegenheit bietet Anlas zum Beischlaf, meist allerdings umgeht die Protagonistin damit unliebsame Folgen. Die Reduktion der Rolle auf den Status als Sexualobjekt ist omnipräsent, selbst wenn Emanuelle ein Glas Wasser bestellen möchte geht das anscheinend nur, indem sie mit dem Kellner schläft. Wie in der Reihe üblich verfeinerte D’Amato einige dieser Szenen im Nachhinein mit nachträglich gedrehten Hardcore-Schnipseln, an denen jedoch – ebenfalls seriengetreu – keine der Darstellerinnen des Spielfilms beteiligt war.

Verleger: Sag mal, glaubst du nicht, dass das nur ein ganz gewöhnlicher Fall von Nuttenmord ist, Emanuelle?

Natürlich darf auch wieder ein Schuss allzu vordergründiger Gesellschaftskritik nicht fehlen, sodass diesmal die räudige Politik und die feige Presse ins Visier genommen werden. Erstere sind bis zum Halse in widerlichste Machenschaften verstrickt und letztere nicht willens, diese aufzudecken. Selten wurden gesellschaftliche Missstände derart schonungslos offengelegt.
Jenseits derartiger Schaumschlägereien bietet der Film eine D’Amato-typisch ordentliche Kameraführung, die immer mal wieder schöne Shots der an sich überschaubaren Sets hinbekommt. Nico Fidenco liefert als etatmäßiger Komponist der Reihe zum dritten Mal eine tolle Arbeit ab und versorgt dieses Werk mit einem weiteren simplen, aber äußerst Ohrwurm-gefährlichen Titelstück.

Wäre der Streifen bis hierhin eine weitere serientypische Auskopplung, sorgt D’Amato mittels zweier Einfälle dafür, dass der Streifen eine bemerkenswerte Position innerhalb der Reihe einnimmt. Zum einen drehte er eine zoophilistische Szene, in der eine Darstellerin ein Pferd befriedigt. Diese äußerst platt inszenierte, dafür aber ewig lang ausgewalzte Einstellung ist inhaltlich reinster Selbstzweck und dient somit nur dem Aufsehen; welches sie zweifelslos erregte.
Die zweite – und sehr viel interessantere – Idee ist das Einfügen kleiner Schnipsel eines vermeintlichen Snufffilms. Diese Szenen zeigen grausame Folterungen und Misshandlungen, die aufgrund ihrer amateurhaften Machart – und toller Effekte – auffällig real wirken. Immer nur für einige Sekunden gezeigt, entsteht so ein sehr unangenehmer Eindruck, der schließlich sogar die Justiz auf den Plan rief. Und da D’Amato aus Werbegründen nur sehr widerwillig zuzugeben bereit war, dass die Szenen nachgestellt seinen, entstand einiger juristischer Wirbel. Tatsächlich aber hatte D’Amato diese Szenen selbst angefertigt; und somit noch mal sein durchaus vorhandenes Geschick in Sachen Kameraarbeit und Schnitt bewiesen.

Emanuelle: Philosophie beim Beischlaf erinnert mich an Bratkartoffeln zum Sekt!

Interessant sind diese Szenen übrigens auch in Anbetracht der Tatsache, dass sie ein Stilmittel verwenden, welches Erfunden zu haben meist dem vier Jahre später von Ruggero Deodato gedrehten NACKT UND ZERFLEISCHT (1980) zugerechnet wird. Auch dieser nutzt den Kniff, Szenen durch einen sehr hohen Realitätsgrad die Fiktion zu rauben und somit zu schockieren. Es würde nun sicherlich zu weit gehen, wenn man Deodato blankes Kopieren vorwerfen würde (vor allem, da dieses Stilmittel bei ihm eine viel ausgereiftere Darbietung erfährt), aber dass er sich von D’Amatos Idee hat inspirieren lassen, ist wohl kaum von der Hand zu weisen.
Zusammen mit einer gehörigen Portion Sleaze schaffen es diese beiden Zutaten dann, dem Film innerhalb der sehr unübersichtlichen BLACK EMANUELLE-Reihe eine exponierte Position zu verschaffen. Denn auch wenn mit NACKT UNTER KANNIBALEN (1977) oder SKLAVENMARKT DER WEIßEN MÄDCHEN (1978) noch einige sehr schmierige Werke folgen sollten, so bleibt das hier Gebotene doch unerreicht. Ob das zur Unterhaltung beiträgt oder diese vollends ruiniert obliegt dabei sicherlich dem Geschmack bzw. dem filmhistorischen Interesse eines jeden Einzelnen.

D’Amatos zweiter Streich innerhalb der Reihe wäre eigentlich eine blasse Fortsetzung, wären da nicht die zwei Besonderheiten, die den Film deutlich von seinen Vorgängern abheben; und vor allem die fiktiven Snuff-Szenen haben dabei durchaus filmhistorische Relevanz.

3 Antworten zu “BLACK EMANUELLE – STUNDEN WILDER LUST

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