MAN LEBT NUR ZWEIMAL

Man lebt nur zweimal
You Only Live Twice | Großbritannien | 1967
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Sowohl US-amerikanische als auch sowjetische Raumschiffe verschwinden im All ohne jegliche Spur. Also wird James Bond (Sean Connery) entsandt um in Japan nach dem vermeintlichen Übeltäter zu suchen. Schnell stellt sich heraus, dass es sein Erzgegner Ernst Stavro Blofeld (Donald Pleasence) ist, der hier den Weltfrieden in Gefahr bringt.

Eigentlich sollte der Ian Flemming-Roman Im Geheimdienst ihrer Majestät die Vorlage für den fünften JAMES BOND-Film werden, aber diverse Probleme in der Vorproduktionen und einige Umbesetzungen sorgten dafür, dass Man lebt nur zweimal zur Blaupause für das nächste Bond-Abenteuer wurde. Vor allem die vorübergehende Abwesenheit des etatmäßigen Drehbuchautors Richard Maibaum zwang die Herrschaften der Eon Productions zu einer gewichtigen Umbesetzung.
So wurde zunächst der US-Amerikaner Harold Jack Bloom verpflichtet, der das Projekt nach einer Zeit und einigen Seiten wieder verließ. An dessen Stelle konnte der britische Schriftsteller Roald Dahl verpflichtet werden, der zwar eine gänzlich eigenständige Arbeit ablieferte, dabei allerdings von den Produzenten Elemente vorgegeben bekam, die vermutlich aus Blooms Entwurf stammten. Eine spätere Klage Blooms, die einen Credit als Drehbuchautor erwirken sollte, hatte keinen Erfolg, sodass dieser heute nur an Ideengeber genannt wird. Irgendwo in den Wirren der Skriptarbeit wird folglich auch der Grund dafür zu finden sein, dass sich der Film – im Gegensatz zu seinen Vorgängern – nur sehr rudimentär an die Romanvorlage hält.

M: Hatten sie einen schweren Tot?
Bond: Nein, einen angenehmen.

Ein anderer Grund dafür könnte aber auch die grassierende Bond-Manie sein, die die Macher dazu zwang, jedes Jahr ein spektakuläreres und atemberaubenderes Abenteuer zu kreieren. Und was bei FEUERBALL (1965) bereits spürbar war, bricht sich nun vollends Bahn. An allen Ecken und Enden wird die Vorlage um Spektakuläres erweitert, um dem Film eine Unzahl an optischen Schauwerten beizubringen. Das sorgt zwangsläufig dafür, dass die Handlung sich dieser Entwicklung beugen muss und folglich einiges an Lücken und Sprüngen entsteht. Vor allem die Hochzeits-Sequenz wirkt äußerst konstruiert und fügt sich nur sehr unrund in die Gesamthandlung ein. Aber auch zahlreiche kleinere Ungereimtheiten deuten an, was im Mittelpunkt der Produktion stand.

Den Produktionsdesigner Ken Adam dürfte das zweifelsohne nicht allzu sehr gestört haben, bot sich ihm doch die Möglichkeit, die mit 9,5 Millionen US-Dollar Budget versehene Produktionen nach Gutdünken zu gestalten. So fallen vor allem die Interieurs wieder wundervoll (retro-)futuristisch aus, aber auch die Flugkämpfe – die wohltuender Weise ihre FEUERBALL-Pendants unterhalb des Meeresspiegel ersetzen – wissen zu beeindrucken. Das Highlight stellt aber zweifelsohne die riesige Kuppel dar, in der das letzte Drittel des Films spielt. Für eine Millionen US-Dollar schuf Adam eines der größten jemals gebauten Sets, welches bis heute das absolute Aushängeschild des Films darstellt und zugleich eine der bekanntesten Bond-Kulissen aller Zeiten. Genau in diesem Set spiegelt sich die gesamte Gigantomanie wieder, die die JAMES BOND-Serie zu jener Zeit umfangen hatte.

Monypenny: Mit einer wie der würde er sich doch nie einlassen! Es ist doch nichts passiert, oder James?
Bond: Nichts Wesentliches …

Sehr viel bodenständiger gestaltet sich hingegen das Spiel von Sean Connery, der bei seinem fünften Auftritt als Superagent langsam erste Ermüdungserscheinungen zeigt. Was vormals noch charmant routiniert wirkte, erscheint nun mehrfach müde und altbekannt. Zwar bleibt die Darbietung Connerys zu jedem Zeitpunkt souverän, aber das Feuer seiner ersten Auftritte fehlt diesem deutlich. Eventuell haben auch die desolaten Drehbedingungen in Asien ihren Teil dazu beigetragen, wurde Connery doch von der japanischen Presse quasi pausenlos verfolgt. Letztlich verwundert es da kaum, dass dieser unmittelbar nach Drehschluss seinen Rückzug aus dem Franchise ankündigte.

Der Bondgirls gibt es mit Karin Dor, Tsai Chin und Akiko Wakabayashi nun gleich drei, jedoch fallen alle im Vergleich zu ihren Teils ikonischen Vorgängerinnen etwas blass aus. Da weiß Tetsuro Tamba als Bond-Gehilfe Tanaka schon besser zu gefallen, ebenso wie Charles Gray, der in DIAMANTENFIEBER (1971) als Blofeld zurückkehren sollte.
Genau diesen bekommt das Publikum in diesem Film übrigens das erste Mal zu Gesicht. War zunächst der Tscheche Jan Werich für die Rolle vorgesehen, mussten sich die Produzenten nach wenigen Drehtagen eingestehen, dass dieser nicht die nötige Präsenz hatte, um Bonds obersten Widersacher zu verkörpern. Als disponierte man um und engagierte Donald Pleasence, der soeben mit DIE PHANTASTISCHE REISE (1966) einen großen Erfolg gelandet hatte. Pleasence gibt dann einen gelungenen Blofeld, auch wenn ihn vor allem die zeitgenössische Kritik immer noch als zu freundlich empfand.

Bond: Ist sie wenigstens hübsch
Tanaka: Sie hat ein hübsches Pfannkuchengesicht.

Letztlich ist es Lewis Gilberts überwiegend flotter und unkomplizierter Regie zu verdanken, dass der Film nicht an seinem Größenwahn scheitert, sondern sich all die übertriebenen Elemente immer noch zu einem trefflichen Film zusammenfügen. Gerade im Vergleich zu Terence Youngs deutlich sperriger ausgefallenem FEUERBALL zeigt sich, dass es mitnichten nur die Gigantomanie war, die die Filmreihe nach und nach aus den Angeln hob.
Während die zeitgenössische Kritik den Film dann als den Beginn des Serien-Niedergangs erkannte, strömte das Publikum weiterhin ungebremst in die Kinos. Schließlich bot der Streifen genau die grotesken Abenteuer, die man mittlerweile von einem JAMES BOND-Film erwartete. Und tatsächlich muss man aus heutiger Sicht konstatieren, dass MAN LEBT NUR ZWEIMAL in seiner schieren Überheblichkeit doch ohne Weiteres zu unterhalten weiß. Für Sean Connery wäre es jedenfalls ein würdiger Abgang gewesen, wenn er nicht 1971 in DIAMANTENFIEBER zurückgekehrt wäre …

Der Höhepunkt der bond’schen Gigantomanie verkörpert all das, was das Franchise gen Ende der 60er Jahre ausmachte. Das dabei Handlung und Inhalt teilweise auf der Strecke bleiben, ist ein Übel, welches man in Anbetracht des schieren Bombasts, der einem geboten wird, durchaus verschmerzen kann.

6 Antworten zu “MAN LEBT NUR ZWEIMAL

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