KILL BILL: VOL. 2

Kill Bill: Vol. 2
Kill Bill: Vol. 2 | USA | 2004
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Nachdem die Braut (Uma Thurman) die Hälfte des Killerkommandos, welches ihre Hochzeit und ihr Leben zerstörte, getötet hat, stehen nun der zurückgezogen lebende Trinker Budd (Michael Madsen) und die taffe Elle Driver (Daryl Hannah) auf der Liste. Doch am Ende wartet immer noch Bill (David Carradine) mit ihrer Tochter …

Ein knappes halbes Jahr mussten sich die Kinogänger seinerzeit gedulden, bis der zweite Teil zu Tarantinos Rache-Streifen KILL BILL: VOL. 1 (2003) veröffentlicht werden sollte. Beide Filme wurden mehr oder mindern zeitgleich produziert und das Drehbuch entstand ohnehin in einem Stück. Kein Wunder also, dass es auch in Sachen Stab nichts Neues zu berichten gibt. Auch die Storyline setzt mehr oder minder nahtlos am Vorgänger an und nimmt sich nur wenige Minuten, um dem Zuschauer die bisherigen Geschehnisse ins Gedächtnis zu rufen. In Anbetracht der inhaltlichen Armut von Teil Eins erscheint das aber auch völlig angemessen.

Budd: Ich habe der Schlampe eine Ladung Streusalz zwischen die Titten gejagt, das wird sie für ‘ne Zeit beruhigen …

Aber sobald diese Exposition abgehandelt ist, zeigt der Film schnell auf, dass es hier in eine gänzlich andere Richtung gehen soll, als noch ein halbes Jahr zuvor. Sogleich präsentiert Tarantino eine wundervoll gefilmte Dialogsequenz zwischen Bill und der Braut und gibt somit den Startschuss für einen sehr viel dialoglastigeren und Film; genau das ließ der Vorgänger nämlich schmerzlich vermissen, aber nun gibt es wieder die klassisch abgedrehten Unterhaltungen, mit denen sich der Texaner einen so wohlbekannten Namen machte. Und auch wenn das Dargebotene nur selten das Niveau seiner bestens Arbeiten erreicht, so stellt es doch wieder einen klaren Schritt nach vorne dar.
Gleiches gilt für die Charakterzeichnung. So fällt vor allem Michael Madsens Rolle als Budd sehr facettenreich und undurchsichtig aus und steht so in angenehmen Gegensatz zu den teils sehr oberflächlichen Rollen der anderen Projekthälfte. Aber auch die Hauptrolle erhält, nicht zuletzt durch die Einführung ihrer Tochter und einer grob gezeichneten Vergangenheit, einiges an Tiefe.

Das sorgt dann auch dafür, dass vor allem Madsens Rolle äußerst trefflich besetzt wirkt. Madsen, der auch schon in RESERVOIR DOGS – WILDE HUNDE (1992) ikonische Momente hatte, wird so zur interessantes Rolle beider Filme. Aber auch Daryl Hannah kann als Femme fatale überzeugen und macht es David Carradine als Endgegner schon fast schwierig. Doch da sich Tarantino auch hier auf sehr elegante Weise dem aufgebauten Druck entzieht, fällt das letztlich nicht weiter ins Gewicht.
Erwähnenswert sind auch die Doppelbesetzungen, welcher es in diesem Streifen gleich zwei gibt; zum einen Michael Parks und zum anderen Gordon Liu. Parks, der bereits im von Tarantino geschriebenen Rodriguez-Reißer FROM DUSK TILL DAWN (1996) den mies-gelaunten Südstaaten-Sheriff gab, tat dies in KILL BILL: VOL. 1 ebenfalls und darf Thurman nun als Bordellbesitzer Esteban angraben. Gordon Liu hingegen war im ersten Teil noch Oberhaupt der Crazy 88 und darf Thurman nun als Pai Mei rüffeln.

Beatrix: Ich hab dir immer gesagt, deine freundliche Seite ist die beste Seite.
Bill: Wahrscheinlich bist du die einzige, die diese Seite kennt.

Insbesondere die Auftritte dieses vollkommen überzeichneten Kampfkunstmeisters stellen übrigens – zusammen mit der weiterhin präsenten Schwertkampf-Thematik – die letzten Überbleibsel der starken Asia-Ausrichtung des ersten Teils dar. Stattdessen gibt sich Tarantino nun seiner Italowestern-Leidenschaft hin. Diese manifestiert sich dann in zahlreichen weitgreifenden Wüstenshots, vor allem aber in einzelnen markanten Szenen. Ein Begräbnis, das schicksalhafte Treffen vor der Kapelle und natürlich das omnipräsente Rache-Motiv sind allesamt klassische Elemente dieses Genres.

Und natürlich lässt es sich Tarantino nicht nehmen, auch seinem Soundtrack einige Stücke dieses Bereichs hinzuzufügen. So schafft es dann die kongeniale Morricone-Komposition aus MERCENARIO – DER GEFÜRCHTETE (1968) in den Film. Übrigens ließ sich der Chef hier das erste Mal in Sachen Musik unter die Arme greifen, wenn auch von seinem guten Kumpel Robert Rodriguez.
Zwar schaltet der Streifen in Sachen expliziter Gewalt ein paar Gänge zurück, das heißt aber nicht, dass es nicht trotzdem ein paar harte Momente und raue Kampfszenen zu sehen gibt. Diese fügen sich nun aber viel glatter in das gelungene Verhältnis aus Dialog und Action und funktionieren so in sich deutlich besser. Trotzdem behält sich der Film wieder eine große Zahl an Logiklücken und Freiheiten vor, was der Gesamtkomposition allerdings mitnichten schadet.

Elle Driver: Ich habe deinen Meister getötet und jetzt werde ich dich töten, mit dem Schwert das dir gehört und in baldiger Zukunft für immer mein Schwert sein wird!
Beatrix: Miststück, du hast keine Zukunft!

Und auch wenn das Finale sicherlich Geschmackssache sein dürfte, kann man doch konstatieren, dass es Tarantino mit dem zweiten Teil gelingt, die Probleme des ersten zu kaschieren und das Projekt KILL BILL insgesamt zu einem Erfolg zu machen. Es gibt tolle Rollen, eine epische Rache-Story und allerlei abgedrehte Momente. Da sich die beiden Hälften derart stark unterscheiden, wird sicherlich jeder Zuschauer seine Sympathien anders verteilen, an der insgesamt geklungenen Unterhaltung, die KILL BILL bietet, sollte das aber kaum etwas ändern.

Der zweite Teil gefällt mit deutlich mehr Dialog und Inhalt als der Vorgänger. Die Action wird dafür zurückgefahren und es entsteht eine stimmige Mischung, die sich in ein tolles Italowestern-Kleid hüllt. Insgesamt macht Tarantino seinen Rache-Zweiteiler so zu einem gelungenen Gesamtwerk.

4 Antworten zu “KILL BILL: VOL. 2

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