KILL BILL: VOL. 1

Kill Bill: Vol. 1
Kill Bill Vol. 1 | USA | 2003
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Nachdem eine namenlose Braut (Uma Thurman) bei ihrer Hochzeit beinahe getötet wurde, begibt sie sich auf einen blutigen Rachefeldzug. Denn die vier Attentäter sind allesamt Mitglieder eines Killerkommandos, zu dem auch die Braut einmal gehörte. Für die passende Waffe für die Vendetta sorgt dann der japanische Schwertmeister Hattori Hanzo (Sonny Chiba).

Sechs Jahre sollten ins Land gehen, bevor der in der Zwischenzeit zum absoluten Shootingstar Hollywoods avancierte Quentin Tarantino seine fünfte Regiearbeit abliefern sollte. Vor allem PULP FICTION (1994) hatte ihm zu einem immensen Erfolg verholfen, der jedoch durch den äußerst gelungenen, aber von der Öffentlichkeit bis heute zwiespältig rezipierten JACKIE BROWN (1997) wieder etwas getrübt wurde. Dementsprechend groß war die Erwartungshaltung vor dem nächsten Spielfilm des US-Amerikaners.
Die Idee für sein asiatisches Racheepos entwickelte Tarantino bereits am Set von PULP FICTION, wo er die Drehpausen mehrfach nutzte, um mit Um Thurman – die er von Anfang an als Idealbesetzung im Auge hatte – Unterhaltungen über das Konzept zu führen. Diese war begeistert, doch nach dem ganzen Jubel und Trubel, den die Veröffentlichung von PULP FICTION mit sich brachte, verloren sich die beiden erst einmal aus den Augen; nur um sich um die Jahrtausendwende wieder über den Weg zu laufen und das Projekt KILL BILL dann endgültig anzugehen. Zu diesem Zeitpunkt war Tarantino übrigens mit der Vorproduktion eines Kriegsfilms beschäftigt, der dann Jahre später als INGLOURIOUS BASTERDS (2009) in die Kinos kommen sollte.

Budd: Diese Frau verdient ihre Rache … und wir verdienen den Tod.

Im Laufe der (Vor-)Produktion des Film stellte sich dann übrigens heraus, dass das Ergebnis mit über dreieinhalb Stunden deutlich zu lang für eine klassische Kinoauswertung werden würde, sodass noch während der Dreharbeiten beschlossen wurde, den Film in zwei Teilen in die Lichtspielhäuser zu bringen. Ein Unterfangen, welches einen sehr deutlichen Einfluss auf die Balance der beiden Filme haben sollte.
Wie auch bei seinen vorherigen Werken, wählte Tarantino Handlungsorte und Formalia seines Projektes wieder nach einem der von ihm so geliebten exploitativen Filmgenres aus. Diesmal sollte es das asiatische Kino treffen, welches bekanntlich eine unübersichtliche Fülle an Spielarten und Themengebieten umfasst. Doch die Rachegeschichte ist bekanntlich eine urasiatische (oder aber klingonische), sodass das Grundthema schnell gefunden war. Leider verpasste es Tarantino abseits dieses Grundgerüsts, seinem Film eine treibende Handlung zu verpassen.

Zwar greift er, wie schon in RESERVOIR DOGS – WILDE HUNDE und PULP FICTION auf sein bewährtes Spiel mit mehreren Zeitebenen zurück, doch reicht es letztlich nur für eine grobe Zweiteilung der Geschehnisse. Doch viel schlimmer trägt der Umstand, dass hier den Formalia klar der Vorzug gegeben wird und der Film somit selbst für seine nur knapp zwei Stunden Spielzeit viel zu wenig Substanz bietet. Und auch wenn der Nachfolger hier einiges an Abhilfe zu schaffen vermag, so hilft das KILL BILL: VOL. 1 doch letztlich nicht viel.
Anstatt also inhaltlich oder in Sachen Geschichte große Sprünge zu machen, gibt sich Tarantino diesmal ganz den Äußerlichkeiten hin. Dass dafür oftmals ein actionorientierter Film am besten geeignet ist, versteht sich von selbst, und so macht der Streifen von Beginn an keinen Hehl aus seinen Zielen. Es folgt eine gelungene Actionsequenz auf die nächste, wie immer verpackt in Tarantinos gekonnt untypische Formspielchen.

Hattori Hanzo: Sie müssen große Ratten haben, wenn sie ein Hattori Hanzo-Schwert benötigen.
Die Braut: Riesige!

Dabei fallen vor allem die zahlreichen Verweise auf seine asiatischen Vorbilder schnell in Auge. Auf einen top choreographierten Messerkampf folgt eine Anime-Sequenz und die zweite Hälfte des Films findet gleich ganz auf den japanischen Inseln statt. Das klassische Logo der Shaw Brothers eröffnet den Film und Fachleute des asiatischen Kinos und der zugehörigen Kultur dürften vor der schieren Flut an akustischen, visuellen und inhaltlichen Zitaten mit der Zunge schnalzen.
Aber auch abseits dieses zentralen Themas fischt der Streifen im reichen Filmwissen seines Schöpfers und bietet wieder zahlreiche Anspielungen auf große und kleine Meilensteine der Filmgeschichte. Neben der grundsätzlichen Widmung der Filmen an den 2003 verstorbenen Charles Bronson, gibt es auch eine bei Brian De Palma entleihende multiperspektivische Sequenz oder Morricones Hauptthema zu Corbuccis AN SEINEN STIEFELN KLEBTE BLUT (1966). Dabei fällt häufig auf, dass Tarantino diese Stilelemente wild miteinander vermischt und es so auch mal passieren kann, dass der finale Kampf in einem japanischen Garten von einem mexikanischen Gitarrenstück unterlegt wird; ohnehin sucht die musikalische Auswahl mal wieder ihres Gleichen und der Soundtrack des Films entwickelte sich quasi über Nacht zum Klassiker.

In Sachen Besetzung steht Uma Thurman natürlich uneingeschränkt im Mittelpunkt und wird von ihrem bekennenden Fan Tarantino immer wieder mit allerlei maßgeschneiderten Szenen beliefert. So ist es für die begabte Thurman ein Leichtes, eine beeindruckende Darbietung abzuliefern, die vor allem in Sachen Körperbeherrschung einige Monate an Training voraussetzte.
Dabei soll angeblich auch Sonny Chiba mitgeholfen haben, der hier zusammen mit Chiaki Kuriyama das asiatische Filmwesen vertritt. Die Rolle Hattori Hanzo beruht dabei auf einer historischen japanischen Heldenfigur, die Chiba bereits in einer TV-Serie in den 80er Jahren verkörperte. Vivica A. Fox kann in ihrem sehr kurzen Auftritt ebenfalls überzeugen, steht jedoch klar in Lucy Lius Schatten. Liu, die ansonsten in der eher seichten Kinounterhaltung ihre Heimat gefunden hat, beeindruckt hier als eiskaltes Oberhaupt der japanischen Mafia und bekommt gleich mehrere ikonische Moment. Daryl Hannah und Michael Madsen bekommen jeweils nur kurze Auftritte, ihre Screentime liegt überwiegend im zweiten Teil.

Die Braut: Ihr dürft gehen, aber die abgetrennten Gliedmaßen bleiben hier!

Gewohntermaßen bietet der Streifen auch ein hohes Maß an sehr expliziter Gewalt, die Tarantino gerade im Finale auf den Gipfel treibt. In vorauseilendem Gehorsam wurde die Kampfszene im Haus der blauen Blätter dann auch quasi-zensiert und ist nur in der japanischen Fassung in Farbe zu bewundern. Und tatsächlich bietet der Film vor allem – aber nicht nur – in dieser Sequenz eine wahre Flut an Kunstblut und künstlichen Körperteilen dar. Das passt zum visuellen Gesamtstil und wirkt zusammen mit der rasanten, harten Inszenierung höchst stimmig.
Doch letztlich bleibt der Eindruck, dass die Zweiteilung des Projektes dem ersten Film nicht zum Vorteil gereicht. Zu inhaltsarm, zu unbeweglich kommt der Streifen daher. Optisch über jeden Zweifel erhaben stellt sich vieles als bloßes Zitieren heraus; ohne Sinn und Hintergrund. So verliert dann leider auch ein Streifen von Tarantino schnell an Spannung und kann sich letztlich nur mühsam über die Ziellinie schleppen. Diese verspricht dann aber mit einem tollen Cliffhanger einiges für den nächsten zweiten Teil, der tatsächlich gänzlich anders daherkommen sollte …

Die erste Hälfte von Tarantinos lang erwartetem Racheepos kann formal gänzlich überzeugen, scheitert jedoch an ihrer kaum vorhandenen Substanz. Für Freunde des asiatischen Kinos gibt es darüber hinaus einen wahren Zitateschatz; großartige Schauspielerei sowie tolle Inszenierung machen das Ding letztlich zu einem ordentlichen Film.

5 Antworten zu “KILL BILL: VOL. 1

  1. Pingback: KILL BILL: VOL. 2 | SPLATTERTRASH·

  2. Pingback: DEATH PROOF – TODSICHER | SPLATTERTRASH·

  3. Pingback: SPLATTERTRASH·

  4. Pingback: INGLOURIOUS BASTERDS | SPLATTERTRASH·

  5. Pingback: QUENTIN TARANTINO | SPLATTERTRASH·

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..