DIE LETZTEN TAGE VON POMPEJI

Die letzten Tage von Pompeji
Gli ultimi giorni di Pompei | Deutschland/Italien/Monaco/Spanien | 1959
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Als Glaucus (Steve Reeves) von der Front nach Pompeji zurückkehrt, muss er feststellen, dass der intrigante Hohepriester der Isis Arbaces (Fernando Rey) eine Hetzjagd auf die christliche Minderheit ausgerufen hat. Nicht nur weil auch seine Freundin Ione (Christine Kaufmann) unter der Gejagten ist, muss Glaucus eingreifen.

Gegen Ende seiner Regie-Karriere widmete sich der vor dem Krieg vor allem auf Adaptionen von Theater-Komödien spezialisierte Mario Bonnard dem gerade beliebten Historien- und Sandalenfilm. Und da ein paar Jahre zuvor Mervyn LeRoys QUO VADIS? (1951) bewiesen hatte, dass die Christenverfolgung im alten Rom ein durchaus ausschlachtbares Thema darstellt, schnappte sich Bonnard kurzerhand den zur Stummfilmzeit bereits mehrfach verfilmten Roman Die letzten Tage von Pompeji von Edward Bulwer-Lytton aus dem Jahre 1834.
Eine wahre Heerschar an Autoren wurde dann damit beauftragt, aus dem Mammutwerk ein spielfilmfähiges Skript herzustellen. So kamen Herrschaften wie Sergio Corbucci, Ennio Di Concini, Duccio Tessari und Sergio Leone zu frühen Engagements, allerdings sollten diese (später) großen Namen zu diesem Zeitpunkt noch keinen allzu beachtlichen Einfluss auf die Qualität des Drehbuchs nehmen. Denn die Geschichte fällt sehr überschaubar aus und bietet letztlich eine ebenso flache wie vorhersehbare Geschichte. Hier muss sich das Autorenteam wohl den Vorwurf gefallen lassen, sich der falschen Aspekte von Bulwer-Lyttons riesigem Werk bedient zu haben.

Aber da der Film ohnehin darauf bedacht war, auf der einige Jahre zuvor losgetretenen Welle von günstigen italienischen Sandalenreißern mitzuschwimmen, liegt das Augenmerk ohnehin mehr auf den simplen Schauwerten, als auf einer ausgereiften Geschichte. Das belegt auch die Verpflichtung von Steve Reeves, der das Genre 1957 mit DIE UNGLAUBLICHEN ABENTEUER DES HERKULES (1957) und dessen Fortsetzung HERKULES UND DIE KÖNIGIN DER AMAZONEN (1958) unter der Regie von Pietro Francisci begründet hatte.

Glaucus: Statt zu Reden ist es besser man besäuft sich!

Im Gegensatz zu diesen beiden Auftritten wirkt Reeves hier hingegen geradezu zugeknüpft und auch seine außergewöhnlichen Heldtaten halten sich in engen Grenzen; was natürlich nicht bedeutet, dass der Herr nicht trotzdem hin und wieder Ketten aus Wänden reißt oder Türen per Sprungtritt überwindet. Daneben gibt die Deutsche Christine Kaufmann ein stereotypes Love-Interest und vermag als solches kaum in Erinnerung zu bleiben. Besser macht es da schon Fernando Rey, der schon hier zu erkennen gibt, dass das finstere Schurkendasein seine folgende Karriere bestimmen sollte.
Optisch bietet der Film dann erstaunlich wenig an Bauten und markanten Einstellungen; ein Umstand, der für einen Sandalenfilm schnell sehr gefährlich werden kann. Denn außer einigen schönen Straßenzügen von Pompeji und einem schlichten – und kurioserweise nicht nur am Ende, sondern schon im Vorspann verwendeten – Vulkanausbruch gibt es fast nicht zu sehen. Die Kostüme und Innenkulissen sind hingegen auf ordentlichem Genreniveau.

Erwähnenswert ist des Weiteren, dass sich Mario Bonnard nach nur wenigen Drehtagen aufgrund einer schwerwiegenden Erkrankung vom Set zurückziehen musste, und der Second Unit Director und Drehbuchautor Sergio Leone in der Folge die Dreharbeiten übernahm. Unterstützt von Tessari und Corbucci lieferte der spätere Begründer des Italowestern hier somit seine erste (fast) vollständige Regiearbeit ab; die jedoch nur wenig seiner späteren Genialität erahnen lässt. So fällt die Inszenierung leidlich unspektakulär aus und schafft es ebenso wenig wie der Rest des Films, diesem per Qualität vom Gros des Genres zu abzuheben.
Also ist es vornehmlich das frühe Aufeinandertreffen zahlreicher bekannter Namen des italienischen Kinos der 60er und 70er Jahre (unter anderem gehörte auch ein gewisser Lucio Fulci zu den Produzenten), welches dem Film eine gewisse filmhistorische Relevanz zukommen lässt. Von Leones Regie merkt man hingegen leider kaum etwas, was die deutschen Verleiher jedoch nicht daran hinderte, diverse Wiederaufführungsplakate mit seinem Namen zu schmücken. Letztlich wird der Film so zu einer interessanten, aber letztlich doch unspektakulären Randnotiz.

Leones erste (fast) eigenständige Regiearbeit lässt kaum etwas seiner späteren Genialität erahnen und sorgt zusammen mit der flachen Geschichte und der mäßigen Ausstattung dafür, dass dieser Sandalenfilm nur zum Genredurchschnitt gezählt werden kann. Die außerordentliche Besetzung des Stabes macht ihn allerdings filmhistorisch durchaus interessant.

2 Antworten zu “DIE LETZTEN TAGE VON POMPEJI

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