THEATER DES GRAUENS

Theater des Grauens
Theatre of Blood | Großbritannien | 1973
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Nachdem mehrere Theater-Kritiker eines anerkannten Londoner Kritiker Kreises auf grausame Art und Weise ermordet werden, steht Inspektor Boot (Milo O’Shea) vor einem großen Fragezeichen: Allem Anschein nach, ist der Schauspieler Edward Lionheart (Vincent Price) für die Morde verantwortlich, doch dieser nahm sich vor Jahren selbst das Leben; der einzige Anhaltspunkt scheint seine immer noch trauernde Tochter Edwina (Diana Rigg) zu sein.

1971 gelang den MGM Studios mit dem in Großbritannien produzierten DAS SCHRECKENSCABINETT DES DR. PHIBES eine echter Glücksgriff. Ein Jahr später wurde dieser Erfolg – wiederum mit Vincent Price in der Hauptrolle – in Form von DIE RÜCKKEHR DES DR. PHIBES (1972) bestätigt und die Mischung aus Groteske, klassischem Horror und expliziten Gewaltszenen konnte wiederum einiges an Beachtung erhaschen. Da sich Robert Fuest, der Regisseur der beiden Streifen, dann allerdings 1973 dem Sci-Fi-Thriller VERRÜCKT UND GEFÄHRLICH widmete, musste man sich auf Seiten von MGM einen anderen Herren suchen, der das erfolgversprechende Konzept weiter ausschlachten sollte. Fündig wurde man in Person des Briten Douglas Hickox, der sich im Verlauf der 50er Jahre als Assistant Director einiges an Expertise angeeignet hatte und seit 1960 mit diversen Horror-, Action- und Fantasy-Werken auf sich aufmerksam gemacht hatte.
Das Skript wurde dann vornehmlich von Anthony Greville-Bell beigesteuert, für den das Drehbuchgewerbe allerdings eher ein Zubrot darstellte. Aber den Produzenten war auch gar nicht an einem bekannten Autoren gelegen, denn die Storyline war ohnehin von Anfang an vorgegeben. Der Film sollte sich klar an den Geschichten der DR. PHIBES-Filme orientieren und so stellt das Skript letztlich nur eine Variation jener Filme dar. Wieder gibt es einen Todgeglaubten, der an Personen, die ihm zu Lebzeiten Schaden zufügten, grausam Rache nimmt. Einzig die Verwebung mit klassischen Shakespeare-Stoffen grenzt dieses Buch etwas von den Vorbildern ab.

Hector Snipe: Auch Kritiker machen Fehler, wir sind auch nur Menschen …
Edward Lionheart: Dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen.

Daraus entsteht dann eine sehr episodenhaft Handlung, die vor allem von den großartigen Mordsequenzen lebt. Stets ist ein Stück des unsterblichen Barden Vorbild für einen großartig inszenierten und ausgestatteten Mord. Dabei fällt vor allem Hickox variationsreiche Inszenierung auf, die – zusammen mit den von Wolfgang Suschitzky ganz vorzüglich gewählten Kameraeinstellungen – immer wieder für Abwechslung und Spannung sorgt. Auch das Wechselspiel von prunkvollen Theaterszenen und grauem Londoner Alltag funktioniert prächtig und macht den Film so schon auf der rein inszenatorischen Ebene zu einem Genuss.
Ebenfalls wundervoll anzusehen ist das Spiel von Vincent Price, der natürlich auch in dieser Produktion nicht fehlen durfte. Sein gnadenlos treffliches Overacting funktioniert auch hier brillant und wirkt zu keiner Zeit unpassend oder albern. In zahllosen Kostümen erscheint der Weltstar auf der Leinwand und nimmt immer wieder höchst grotesk und sarkastisch Rache an seinen Kritikern. Zunächst noch in klassischen Theaterrollen, tritt er später auch als Afro-Friseur oder Koch auf, um die ihn Scheltenden zur Rechenschaft zu ziehen. Großartig. Ganz nebenbei lernte Price am Set noch die Darstellerin Coral Browne kennen, welche er dann noch während der Dreharbeiten ehelichte.

Daneben gibt es Diana Rigg – die als Bondgirl in IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT (1969) Berühmtheit erlangte – zu sehen, die lange Zeit verkleidet als Mann durchs Bild schleicht sowie eine wahre Vielzahl an alteingesessenen britischen Schauspielern. Robert Morley, Harry Andrews oder Jack Hawkins verleihen dem Kritikerzirkel die nötige schauspielerische Klasse und sorgen so immer wieder für tolle Momente. Sie sind also nicht daran schuld, dass der Streifen in diesen Sequenzen manchmal etwas langwierig daherkommt.
Denn tatsächlich beginnt die Spannung sich mit dem Fortschreiten der Geschichte etwas zu verlieren. Es wird zunehmend unglaubwürdig, dass die Herren Kritiker immer wieder einem Mörder zum Opfer fallen, der ihnen wohlbekannt ist und um dessen unmittelbare Bedrohung sie wissen. Auch das Agieren der Polente wirkt unglaubwürdig und unlogisch, sodass spätestens der vierte, fünfte und sechste Mord immer mehr zum inszenatorischen Selbstzweck verkommt. Das ist aber in Anbetracht der optischen Qualität des Dargebotenen zu verschmerzen.
Bis zum Schluss bleibt der Streifen dabei seiner Linie treu und bietet letztlich acht Morde, die durchaus explizit in Szene gesetzt sind. Die Inszenierung lässt dabei nie Langeweile aufkommen, auch wenn einzelne Episoden sich – je nach Geschmack – etwas ziehen können. Das nötige Maß an Ironie und Humor fängt diese Längen aber spielend auf und sorgt so dafür, dass der Streifen letztlich schwungvoll zu unterhalten vermag. So kommt es nicht von ungefähr, dass sowohl Price als auch Rigg in diesem Film den Höhepunkt ihres schauspielerischen Schaffens sehen …

Grotesk-sarkastischer Horrorstreifen, der vor allem dank eines großartig aufgelegten Vincent Price und einer überragenden Inszenierung richtig gut zu unterhalten vermag.

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