BRANCALEONE AUF KREUZZUG INS HEILIGE LAND

Brancaleone auf Kreuzzug ins heilige Land
Brancaleone alle crociate | Algerien/Italien | 1970
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der tollpatschige Ritter Brancaleone da Norcia (Vittoria Gassman) macht sich mit seinem Gefolge auf den Weg ins Heilige Land. Doch unterwegs unterlaufen ihm zahlreiche Missgeschicke und Irrtümer. Unter anderem sorgen diese dafür, dass sich die Hexe Tiburzia (Stefania Sandrelli) dem Tross anschließt und Brancaleone fortan Zauberei auf seiner Seite weiß.

Nachdem sich Mario Monicellis Mittelalter-Komödie DIE UNGLAUBLICHEN ABENTEUER DES HOCHWOHLLÖBLICHEN RITTERS BRANCA LEONE (1966) zu einem großen finanziellen Erfolg entwickelt hatte, sollte sich vier Jahre später eine Fortsetzung anbahnen. Dabei erstaunt es kaum, dass der Stab allerweitestgehend derselbe blieb, wie vier Jahre zuvor. Neben Monicelli waren das vor allem Mario Cecchi Gori als Produzent und die Autoren Furio Scarpelli und Agenore Incrocci. Aber auch der Komponist Carlo Rustichelli – und mit ihm sein bekanntes Titelstück – sollte wieder mit an Bord sein.
Inhaltlich war durch das Finale des Vorgängers klar, wohin die Reise gehen sollte. Brancaleones Aufbruch ins Heilige Land wird dort angekündigt und stellt somit die Grundlage des zweiten Films dar. Dafür konstruieren Scarpelli, Incrocci und Monicelli dann wiederum eine episodenhafte Handlung, die den Weg der Reise skizziert. Wie schon im Vorgänger trifft die Hauptfigur dabei auf allerlei Gefährten und Antagonisten, die in den jeweiligen Sequenzen im Vordergrund stehen. Und wieder gelingt es Monicelli, dieses grundsätzlich sehr stakkatohafte Muster lebendig und abwechslungsreich zu inszenieren.

Brancaleone: Ich verpasse das allgemeine Sterben! Nicht einmal dabei habe ich mitgemacht!

Wichtig dafür ist der Umstand, dass der Produktion ausreichende Mittel zur Verfügung standen, um wieder eine Vielzahl an unterschiedlichen Kulissen und Sets aufbieten zu können. So verlagert sich die Geschichte alle paar Minuten an einen anderen Ort und gerät so nie in die Gefahr, langweilig oder austauschbar zu werden. Vor allem die in Algerien entstandenen Aufnahmen sorgen gen Ende des Films noch einmal für viel neuen Schwung und optische Finesse.
Insgesamt fällt der Film dann ein wenig alberner aus als der Vorgänger. Während dieser durchaus auch ernstere Passagen aufwies, gibt sich der Nachfolger gänzlich der Albernheit hin. Das ist sicherlich kein Nachteil, helfen die zahlreichen Gags doch die erwähnte unspektakuläre Struktur des Films zu kaschieren. Trotzdem ist der Film eine Commedia all’italiana und so bleibt auch die tolle Mischung aus Humor und Gesellschaftskritik erhalten, die im Erstling etabliert wurde. Vor allem die verschiedenen Religionen bekommen ihr Fett weg, aber auch der Adel und die Politik sind vor Spott und Häme nicht sicher.

In Sachen Darstellerei ist natürlich Vittoria Gassman wieder als Brancaleone mit von der Partie und wie erwartet brilliert der Charaktermime ein weiteres Mal in dieser Rolle. Stets über den Dingen stehend und seinem eigenen Ungeschick ergeben, hampelt er sich durch die Gegend und zieht den Betrachter dabei förmlich in seinen Bann. Mimik, Gestik und Bewegung, alles verbindet sich zu einer wundervollen Mixtur, die die Rolle äußerst gelungen ausstaffiert.
Daneben gibt Stefania Sandrelli eine tolle Hexe, die mit Mumm und Anmut einen schönen Gegenpol zum tapsigen Brancaleone liefert. Sandrelli hatte durch ihr Mitwirken in SCHEIDUNG AUF ITALIENISCH (1961) und VERFÜHRUNG AUF ITALIENISCH (1964) bereits Erfahrungen auf dem Gebiet der Commedia all’italiana gesammelt und kann diese hier gelungen einbringen.

Richter: Lasst uns zunächst die Zeugin hören. Sie war, nach vorheriger Folter, so freundlich aus freien Stücken ihre Mithexe zu verraten!

Carlo Rustichelli versorgt den Film wieder mit einem gelungenen Score, welcher aber natürlich auf dem zentralen Stück des Vorgängers basiert. Es wäre doch auch arg sträflich gewesen, dieses Meisterwerk nicht wieder zu nutzen. Aber auch die übrige akustische Kulisse trägt gelungen zum Stil des Films bei und befördert Humor und Komik immer wieder.
Letztlich kann der zweite Teil also problemlos mit dem großartigen Erstling mithalten und liefert so ein weiteres Mal tolle Unterhaltung für Freunde von mittelalterlichen Späßen. Leider ließ Monticelli keinen dritten Teil mehr folgen, sodass Anhänger Brancaleones nur zwei Filme über den tapsigen Haudegen zu sehen bekommen können. Schade eigentlich …

Auch Brancaleones zweites Abenteuer unterhält mit der gewohnten Mixtur aus Humor und Abenteuer. Wer den ersten Teil mochte, kann hier bedenkenlos zugreifen!

2 Antworten zu “BRANCALEONE AUF KREUZZUG INS HEILIGE LAND

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