3 HALUNKEN UND EIN HALLELUJA

3 Halunken und ein Halleluja
Ryo Colt e Winchester Jack | Italien | 1970
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Winchester Jack (Charles Southwood) jagt zusammen mit dem hinterlistigen Reverend (Teodoro Corrà) einem Goldschatz hinterher. Doch Jacks alter Kumpel Roy Colt (Brett Halsey) mischt sich auch in die Suche ein und die hübsche Manila (Marilù Tolo) verkompliziert die Sache zusätzlich.

So angesehen Mario Bavas Arbeiten in den allermeisten Genres sind, derer sich der Meister je annahm, so zweifelhaft sind seine Beiträge zum Italowestern. 1964 war Bava mit DER RITT NACH ALAMO an der Frühphase des Genres beteiligt, ohne allerdings irgendwelche Impulse setzen zu können. Zwei Jahre später übernahm er dann die Regiearbeit an NEBRASKA JIM (1966) von Antonio Román, konnte allerdings auch damit keine Bäume ausreißen. Und auch der dritte und letzte Ausflug in die staubige Prärie sollte für die Regie-Ikone eher ein Ärgernis als eine Erleuchtung werden.
Denn das Drehbuch von Mario di Nardo – der mit Skripten für Streifen wie FÜR DREI DOLLAR BLEI (1965), SEINE KUGELN PFEIFEN DAS TODESLIED (1969) oder DJANGO – DIE NACHT DER LANGEN MESSER (1970) Erfahrung im Genre gesammelt hatte – war zunächst eine ernste Goldhatz mit Dreieckskonstellation; und stand somit in der Folge von Leones ZWEI GLORREICHE HALUNKEN (1966). Doch Bava empfand das Buch nach eigenen Aussagen als grotesk und entschied sich relativ kurzfristig dazu, am Set zu improvisieren und aus der Vorlage eine Komödie zu machen. Ohnehin hatte es ihn nur an diese Produktion verschlagen, da er einem alten Freund noch einen Gefallen schuldete.

Roy: Ich hab ‘nen großes Ding vor, da springt ‘nen Zentner raus.
Jack: Ok, aber verheb‘ dich nicht dabei.

Doch leider kann der Versuch, dem Stoff mittels Komik und Ironie etwas abzugewinnen, hier ebenfalls nichts mehr retten. Bava tut sich sichtlich schwer, die flache und vorhersehbare Geschichte anspruchsvoll zu inszenieren. Zwar gelingen ihm zusammen mit Antonio Rinaldi einige schöne Einstellungen und auch seine ihm ureigene Farbgestaltung blitzt an manchen Ecken und Enden auf, insgesamt ist aber von der sonst so vordringlichen Handschrift Bavas kaum etwas zu erkennen.

Nicht nur nicht gelungen, sondern gar grausig anzusehen sind dann die per Matte Painting erweiterten Hintergründe. Da die äußerst kostengünstige Produktion noch nicht einmal im benachbarten Spanien gedreht wurde, sondern gleich vor den Toren Roms, entschied man sich dazu, ein paar vermeintliche Eyecatcher ins Bild einzufügen. Leider wirken die markanten Felsen des Monument Valley an einem grauen Küstenstreifen allerdings mehr als unglaubwürdig; auch ohne die handwerklichen Schwächen, mit denen dieser Effekts bewerkstelligt wurde.
Italowestern-Recke Charles Southwood und der durchaus achtbare US-Mime Brett Halsey geben dann ein Duo, welches leider ebenfalls kaum zu überzeugen vermag. Ein paar platte Sprüche und Kloppereien sind auch schon alles, was die Beziehung der beiden ausstaffiert und somit für viel zu wenig Wiedererkennungswert sorgt. Marilù Tolo – bekannt aus TÖTE, DJANGO (1967) und DER CLAN, DER SEINE FEINDE LEBENDIG EINMAUERT (1971) – gibt dann eine gelungene starke Dame, die jedoch allein auf weiter Flur vor sich hinschauspielert; denn auch Teodoro Corrà kann sich als übermäßig alberner Reverend kaum profilieren.

Typ: Sag mir wo das Gold ist! Spuck’s aus oder es gibt Blutsuppe!

Denn allzu oft driftet der Streifen in Albernheiten und Slapstick-Szenen ab, die die wenigen gelungen Sequenzen (diese sind oftmals auch dem durchaus gelungenen Score von Piero Umiliani zu verdanken) geradezu bombardieren. Insbesondere die Bordell-Szene treibt diese Albernheiten auf den Höhepunkt und wird somit zur Essenz des Films. So ist auch der dritte Ausflug von Mario Bava – im Übrigen ein bekennender Fan der US-amerikanischen Western – in den Italowestern ein Werk, welches innerhalb seines Portfolios klar abfällt. Somit ist der Streifen allenfalls für Freunde von simplen Italowestern-Albereien zu empfehlen.

Bavas dritter Versuch in Sachen Italowestern macht endgültig klar, dass der Meister hier nichts verloren hat; zu albern und belanglos fällt das Ergebnis aus.

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2 Antworten zu “3 HALUNKEN UND EIN HALLELUJA

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