EROBERUNG VOM PLANET DER AFFEN

Eroberung vom Planet der Affen
Conquest of the Planet of the Apes | USA | 1972
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Caesar (Roddy McDowall), der Sohn der auf die Erde gereisten Affen Cornelius und Zira, lebt nach der Ermordung seiner Eltern bei dem Zirkusdirektor Armando (Ricardo Montalban) und muss zusammen mit diesem beobachten, wie die Menschen sich den Affen zum Haustier machen und die nicht-sprachbegabten Erden-Affen grausam misshandeln. Als schließlich auch Armando von den Schergen des totalitär regierenden Gouverneurs Breck ermordet wird, regt sich Widerstand in Caesar.

Nachdem FLUCHT VOM PLANET DER AFFEN (1971) sein Budget mit einem Einspielergebnis von runden zwölf Millionen US-Dollar locker wieder einbringen konnte, war man bei 20th Century Fox durchaus gewillt, das PLANET DER AFFEN-Franchise weiter fortzuführen. Also beauftragte man den Drehbuchautoren Paul Dehn – der seit RÜCKKEHR ZUM PLANET DER AFFEN (1970) die Drehbuch-Zügel in seinen Händen hielt – damit, ein weiteres Skript anzufertigen. Für die Regie konnte man endlich John Lee Thompson – dessen größten Erfolg der Kriegsfilm DIE KANONEN VON NAVARONE (1961) darstellte – gewinnen, der bereits als Regisseur von PLANET DER AFFEN (1968) angefragt wurde, damals jedoch aus Termingründen ablehnen musste. Beiden Herrschaften teilte man seitens der Produktion jedoch sogleich mit, dass man lediglich 1,7 Millionen US-Dollar Budget würde zur Verfügung stellen können.

Kolp: Ich bin bereit, den Affen lediglich aufgrund ihres mündlichen Befehls zu exekutieren.
Breck: Sie bekommen es schriftlich, Kolp!
Kolp: Danke, Sir!

Das hielt Dehn jedoch nicht davon ab, ein Drehbuch zu schreiben, welches seine Gesellschaftskritik so deutlich wie kein anderes der Reihe ausformulieren sollte. Inspiriert von den Watts-Unruhen 1965 und den überall in den USA folgenden Rassenunruhen, zeichnete der Brite eine Parabel, die ihre Kritik am Umgang der amerikanischen Politik mit ethnischen Minderheiten kaum verhehlte. Es war sofort klar, dass hier das Bild der mächtigen Weißen und der unterdrückten Schwarzen die Vorlage für das Verhältnis Mensch/Affe im Film war. Dabei sahen frühe Drehbuchentwürfe weitaus größere Schlachten (bis hin zu Atomexplosionen) vor, was jedoch aufgrund des niedrigen Budgets nie umgesetzt werden sollte; sehr zum Leidwesen von Thompson, der bereits einige prunkvolle Aufnahmen im Kasten hatte.

Stattdessen musste die Revolution auf einen kleineren Bereich verlegt werden, so dass nun Century City, die jener Zeit neu errichtete Innenstadt von Los Angeles, als Hauptdrehort dienen sollte. Statt der weltweiten Affenrevolution sah das Drehbuch nun den Kampf gegen ein faschistisches Regime in einer futuristischen Umgebung vor. 20 Jahre in der Zukunft angesiedelt gleicht die Welt einer orwell’schen Dystopie und totalitäre Machenschaften sind anscheinend ein kleines Übel, wenn es darum geht, den sprechenden Affen zu finden. Dehn füllt seine Geschichte dabei mit derart vielen düsteren und brutalen Szenen, dass sich dieses Skript sehr weit vom Abenteuer-Charakter der Vorgänger entfernt; vielmehr stellt der Film einen düsteren Action-Thriller dar.

Breck: Den Kampf auszugeben würde das Ende menschlicher Zivilisation bedeuten. Unsere Erde würde ein Planet der Affen werden!

Thompson kommt das sehr gelegen, denn der fühlt sich in dieser futuristisch-negativen Welt sichtlich wohl. So inszeniert er das Dargebotene kühl und überlegt und fängt so die von Dehn erdachte Stimmung sauber ein. Besonders gelungen sind dabei die Szenen der Revolution, die dank der Verwendung von Handkameras sehr stark an die TV-Aufnahmen der damaligen Rassenunruhen erinnern. Dass sich Thompson in Länge und Dramatik dieser Kampfszenen dann ein wenig verzettelt, ist ein Übel, welches leicht zu ertragen ist.
Trotz des geringen Budgets kann der Streifen in Sachen Optik und Kulissen übrigens einiges auffahren. Natürlich bieten die kalten, futuristischen Fluchten der Century City ohnehin einen guten Rahmen, aber auch die Innenausstattungen und die Masken der verschiedenen Affen wissen zu überzeugen. Hier profitiert der Film mit Sicherheit auch vom erneuten Mitwirken von John Chambers, der schon bei allen vorherigen Teilen an den Masken werkelte. Und obwohl genau das nicht für den Komponisten Tom Scott gilt, schafft es der Serien-Neuling, den wundervoll atonalen Stil der Reihe aufzugreifen und an die düstere Stimmung anzupassen.

In Sachen Darstellerschaft muss natürlich allen voran Roddy McDowall genannt werden, der bereits den Cornelius aus PLANET DER AFFEN und FLUCHT VOM PLANET DER AFFEN mimte. Nun spielt er dessen Sohn und kann als solcher uneingeschränkt überzeugen. Vor allem die Szene, in der der Tod seines Freundes Armando ihm Tränen abringt, funktioniert – auch trotz oder gerade wegen der grandiosen Maskenarbeit – unglaublich gut. Ricardo Montalban überzeugt als feinfühliger Zirkusdirektor ohne Weiteres und Don Murray liefert eine tolle Darbietung als faschistoider Befehlshaber. Eine wichtige Rolle kommt auch Hari Rhodes zu, der hier als Farbiger eine Schlüsselrolle innerhalb der Parabel einnimmt.

Sprecher: Eine kleine, gemischte Gruppe Affen, die einen intensiven Umschulungskurs durchlaufen sollte, ist aus ihrer Unterkunft in der Affenverwaltung ausgebrochen!

Die brutalen Kämpfe, Schusswechsel und Folterungen sorgten dann übrigens dafür, dass der Streifen bei einem Testscreening sowohl das Publikum als auch die MPAA-Prüfer derart vor den Kopf stieß, dass man seitens 20th Century Fox eine Überarbeitung anberaumte. So wurden zahlreiche brutale Szenen entfernt und vor allem das Ende massiv abgeändert. Die Rede Caesars wurde verlängert und entschärft und die Tötung Brecks gleich ganz entfernt. Obwohl der Film heute wieder ungeschnitten begutachtet werden kann, zeigen diese Eingriffe sicherlich, wie brisant der Stoff damals war.
Denn veröffentlicht wurde der Film inmitten der durch Streifen wie SHAFT (1971) und SUPERFLY (1972) losgetretenen Blaxploitation-Welle. So waren vor allem die zu diesen Anlässen in die Kinos strömenden Farbigen dafür verantwortlich, dass auch der vierte Teil der PLANET DER AFFEN-Pentalogie zu einem Erfolg wurde; und somit umgehend mit der Produktion von DIE SCHLACHT UM DEN PLANET DER AFFEN (1973) begonnen werden konnte.

Gänzlich anders als die Vorgänger überzeugt der vierte Teil der Serie durch seine finstere Dystopie und die ebenso deutliche wie gelungene Gesellschaftskritik. Optisch und inszenatorisch solide, sowie trefflich besetzt, führt der Film die Reihe somit in andere, aber keineswegs weniger unterhaltsame Gefilde.

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3 Antworten zu “EROBERUNG VOM PLANET DER AFFEN

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