GOLDFINGER

Goldfinger
Goldfinger | Großbritannien | 1964
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Während James Bond (Sean Connery) dem Goldgroßhändler Auric Goldfinger (Gert Fröbe) mal ein wenig auf die Finger klopft, stellt er schnell fest, dass dieser Schlimmeres im Schilfe führt, als nur ein wenig internationalen Goldschmuggel. Tatsächlich hat es Goldfinger auf den Stützpunkt Fort Knox abgesehen, wo die größten Goldreserven der USA lagern.

Nachdem das zweite Bond-Abenteuer LIEBESGRÜßE AUS MOSKAU (1963) bei Kritikern und Kinogängern gleichermaßen auf Gegenliebe stieß, stand die Fortführung der Filmreihe nachvollziehbarerweise nie zur Disposition. Albert R. Broccoli und Harry Saltzman hatten mit der Gründung ihrer Eon Productions alles richtig gemacht und waren nun gut genug aufgestellt, um für den dritten Teil der Serie ein Budget von drei Millionen US-Dollar auf die Beine zu stellen. Und auch in Sachen Stab und Besetzung sollte sich eigentlich nichts ändern; zumindest dachte man das zunächst.

Goldfinger: Der Mensch hat den Mount Everest bezwungen, hat den Grund des Ozeans erforscht, er hat Raketen auf den Mond geschossen, Atome gespalten. Er hat Wunder vollbracht auf allen Gebieten menschlichen Strebens, nur nicht in der Kriminalität!

Denn die Vorproduktion des Films begann wie gewohnt mit dem Gentleman-Regisseur Terence Young auf dem Regiestuhl. Dieser hatte sowohl den Stil der Hauptfigur, als auch den der Filme durch seine zwei Arbeiten entscheidend mitgeprägt und sollte dementsprechend auch dieses Mal auf dem Faltstuhl Platz nehmen. Doch auch Young erkannte mittlerweile, dass man mit dem Franchise einen Goldesel gezüchtet hatte. Also stellt er – neben seinem normalen Salär – die Forderung, prozentual am Einspielergebnis beteiligt zu werden. Die Herren Broccoli und Saltzman waren allerdings mitnichten bereit, dem Regisseur ein derartiges Zugeständnis zu machen und so trennten sich die Wege noch während der Planungsphase des Films. Doch Ersatz war schnell gefunden: Der Brite Guy Hamilton, von den Produzenten schon für den ersten Teil der Reihe angefragt, sagte zügig zu und übernahm das von Young begonnene Werk.

In Sachen Drehbuch blieb hingegen fast alles beim Alten. Mit Richard Maibaum nahm sich wiederum der zu jener Zeit etatmäßige Autor der Reihe eines Flemming-Romans an. Unterstützung erhielt er diese Mal von Paul Dehn, der vor allem durch sein Mitwirken an den vier PLANET DER AFFEN-Fortsetzungen noch von sich reden machen sollte. Zusammen schufen die beiden dann wohl eines der prototypischsten Bond-Skripte aller Zeiten. Neben den mittlerweile etablierten Moneypenny- und M-Sequenzen, fällt vor allem die Eröffnungssequenz auf. Details wie die Ente auf dem Kopf oder der Smoking unter dem Taucheranzug schaffen eine überzeichnete Agentenfigur, die dem eher ernsten Helden aus LIEBESGRÜßE AUS MOSKAU entgegen steht. Diese (oftmals humorvolle) Form der Exposition sollte im Folgenden grundlegend für die Reihe werden.
Aber auch die folgende Geschichte gehört sicherlich zu den gelungensten und abwechslungsreichsten der Bond-Historie. Eine große Fülle an Sets und Kulissen sorgt für optischen Genuss und auch inhaltlich wird dem Zuschauer ständig etwas Neues geboten. Dramaturgisch ist die Geschichte ausgewogen und pointiert und das Finale stimmig und von der nötigen Übertriebenheit. Gleichzeitig konstituiert das Drehbuch eine der Hauptregeln des Franchise: Ein jeder Bondfilm ist so gut, wie sein Widersacher.

Bond: Erwarten Sie von mir, dass ich rede?
Goldfinger: Nein, Mr. Bond. Ich erwarte von Ihnen, dass Sie sterben!

Und in diesem Falle gibt es mit Gert Fröbe sicherlich eine der besten Vertreter seiner Zunft zu sehen. Der Deutsche zählt zu den bekannten Größen des hiesigen Nachkriegskinos und war spätestens als Kommissar Lohmann in der DR. MABUSE-Reihe zu Bekanntheit gelangt. Hier übernahm er für den zu hohe finanzielle Forderungen stellenden Orson Welles und bot dann eine Leistung, die bis heute zu den besten der Reihe zählt. Ohne Verbindung zur ansonsten präsenten Verbrecherorganisation S.P.E.C.T.R.E. kommt er als goldbesessenes Genie Auric Goldfinger prächtig daher. Fröbe – der aufgrund seines starken Akzentes im Originalton nachsynchronisiert werden musste – erhält im Vergleich zu seinen Vorgängern auch mehr Screentime und kann die Figur so wundervoll ausdefinieren.

Ihm gegenüber macht Sean Connery seine Sache gewohnt routiniert und abgeklärt. Honor Blackman – die sich durch ihren Erfolg mit der TV-Serie MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE für den Film empfahl – schafft es ebenfalls, eine ikonische Position unter den Bondgirls zu erlangen. Selbstbewusst und erhaben kommt sie daher und bietet Bond so bis zu der berühmten Kampfszene im Stall Paroli.
Aber auch in Sachen Nebenrollen strotzt der Film nur so vor Idealbestzungen. Shirley Eaton – die dem Agentenfilm als Antagonisten in den Eurospy-Produktionen SUMURU – DIE TOCHTER DES SATANS (1967) und DIE SIEBEN MÄNNER DER SUMURU (1969) treu bleiben sollte – reichen drei Minuten und ein Eimer Goldfarbe, um zu cineastischem Ruhm zu gelangen und Harold Sakata schafft selbiges als Oddjob ebenfalls in einigen wenigen Szenen. Bernhard Lee als M, Lois Maxwell als Moneypenny und natürlich Desmond Llewelyn als Q (der in der deutschen Synchronisation aus unerfindlichen Gründen K heißt) vervollständigen den brillanten Cast.

Felix Leiter: Auric Goldfinger.
James Bond: Hm, klingt für mich wie ein französischer Nagellack.

Shirley Bassey steuert einen wundervollen Titelsong bei, den John Barry in zahlreichen Variationen im Film wiederverwendet, Hamilton inszeniert flott und gefällig und Ted Moors Kamera fängt die schönen – dieses Mal wieder von Ken Adam gestalteten Sets – wundervoll ein. Das alles verbindet sich zu einem derart konsistenten Film, dass nicht nur die Kinobesucher und Kritiker seinerzeit vollauf begeistert waren, sondern der Streifen bis heute als einer der maßgeblichsten JAMES BOND-Filme gilt. Nicht selten wird er sogar als bester Film der Serie bezeichnet, was in Anbetracht der Bandbreite des Franchise sicherlich etwas zu absolut scheint, hinsichtlich des Unterhaltungswertes des Streifens allerdings auch wieder nachvollziehbar. So oder so, ein Podiumsplatz ist dem dritten Bondabenteuer ganz ohne Frage sicher.

Bonds dritter Einsatz stellt sicherlich einen der Serien-Höhepunkte dar. Die grandiose Besetzung und die flotte Inszenierung sorgen für Kurzweil und zahlreiche Eigenschaften der Reihe werden hier konstituiert. Folglich bietet der Streifen Bond-Unterhaltung in Reinkultur.

9 Antworten zu “GOLDFINGER

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