PROMETHEUS – DUNKLE ZEICHEN

Prometheus – Dunkle Zeichen
Prometheus | USA | 2012
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Die Wissenschaftlerin Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und ihr Partner und Kollege Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) haben in den Zeichnungen verschiedener altertümlicher Kulturen die immer gleiche Sternenkonstellation entdeckt. In der festen Überzeugung, dass es sich bei den dargestellten Wesen um die Schöpfer der Menschheit handelt, machen sich die beiden finanziert von Sir Peter Weyland (Guy Pearce) im Raumschiff Prometheus auf den Weg, der Sache auf den Grund zu gehen.

Bereits seit Anfang der 2000er Jahre spielte der Regisseur Ridley Scott mit der Idee, das von ihm begründete ALIEN-Franchise um einen weiteren Film, ein Prequel, zu erweitern. Aber die Produktion von ALIEN VS. PREDATOR (2004) und ALIENS VS. PREDATOR 2 (2007) ließ diese Pläne vorerst ins Stocken geraten. Doch insgeheim hielt Scott (teilweise auch in Zusammenarbeit mit James Cameron, der mit ALIENS – DIE RÜCKKEHR (1986) für den zweiten Serienteil verantwortlich zeichnete) an dem Projekt fest, auch wenn sich seine Idee immer mehr zu einem eigenständigen, eher lose mit dem ALIEN-Universum verbundenen Film entwickelte.
Zu den alteingesessenen Produzenten um 20th Century Fox und den nach wie vor von Walter Hill und David Giler geführten Brandywine Productions gesellte sich dann noch Scotts mittlerweile gegründete Scott Free Productions. Zusammen brachte man ein Produktions-Budget von rund 130 Millionen US-Dollar – und somit mehr als das zehnfache von dem, womit Scott 1979 zurechtkommen musste – zusammen und das Projekt konnte angegangen werden.

Meredith Vickers: Ein König regiert und dann stirbt er. Das ist unvermeidlich.

In Sachen Drehbuch legte Scott sein Vertrauen in die Hände von Jon Spaihts und Damon Lindelof, der vor allem als Autor und Produzent der TV-Serie LOST zu Bekanntheit gelangt war. Scotts Grundidee von einem Prequel blieb dabei erhalten, doch innerhalb dieses Rahmens konnten Spaihts und Lindelof recht frei walten und schalten. Und die Beiden nutzten die Möglichkeit und schrieben eines der beachtlichsten Sci-Fi-Drehbücher der letzten Jahre.
Sich auf das im Genre altbekannte Thema Religion und Schöpfung berufend, entwickelten die beiden zahlreiche Ideen, die im fertigen Film dann ganz wunderbar funktionieren. Die Konstellation Gott-Mensch/Mensch-Roboter steht dabei mehrfach im Mittelpunkt und wird mittels verschiedener Rollen und Figuren ausgefüllt. Das klappt sehr gut, auch wenn einzelnen Szenen etwas zu gewollt wirken mögen. Weitere Themengebiete wie Biologie, Herrschaft und Natur werden angeschnitten und bereichern so die Geschichte.

Aber auch in Sachen Dramaturgie muss sich das Skript – ebenso wie Scotts Regie – nicht verstecken, denn der Ablauf der Geschehnisse ist zwar insgesamt eher wenig überraschend (ein Umstand der sicherlich auch dem Konzept des Films geschuldet ist), letztlich aber doch spannend und abwechslungsreich genug, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Ob die finale Szene dem Film wirklich gut tut, oder ob sie eher für ALIEN-unbedarfte Zuschauer gedacht ist, bleibt dabei zu diskutieren offen.
In Sachen Besetzung verlässt sich Ridley Scott dann wieder auf das Konzept der präsenten, starken Frau. Die Schwedin Noomi Rapace – die vor allem durch die Stieg Larsson-Verfilmungen VERBLENDUNG (2009), VERDAMMNIS (2009) und VERGEBUNG (2009) Bekanntheit erlangte – wandelt also im Film auf den Spuren von Sigourney Weaver, die diesen heldenhaften Frauentypus einst etablierte. Leider fällt Rapace im Vergleich deutlich simpler aus und erst die letzte Viertelstunde macht sich zu der Heroine, die man sich an dieser Stelle wünscht.

Während ihr Partner Logan Marshall-Green gänzlich blass bleibt (und sein Tod aufgrund dessen dramaturgisch auch kaum ins Gewicht fällt), kann der Deutsche Michael Fassbender vorbehaltlos überzeugen. Sein kaltes, gleichgültigen Spiel, dass jedoch zu keiner Zeit einen Zweifel daran lässt, dass mehr hinter dieser Fassade steckt, als man zunächst ahnt, weiß über die gesamte Spielzeit hinweg zu gefallen. Fassbenders Leistung stellt so ohne Frage das große schauspielerische Moment des Films dar. Da ist es sicherlich kein Zufall, dass vor allem die Figur David einen zentralen Platz im vor der Premiere massiv betrieben viralen Marketing des Streifens einnahm.
Aber auch die Nebenrollen sind durchaus trefflich besetzt. Charlize Theron gibt eine angenehm undurchsichtige Kommandantin und Guy Pearce überzeugt als von Allmachtsfantasien getriebener und mit gelungenem Age-Make-up versehener Peter Weyland. Idris Elba schließlich setzt die Reihe der betont coolen und kaltschnäuzigen Weltraumhelden fort, die das Franchise seit jeher auszeichnet.

Elizabeth Shaw: Ich weiß es nicht, aber ich habe mich entschieden, es zu glauben.

War ALIEN – DAS UNHEIMLICHE WESEN AUS EINER FREMDEN WELT (1979) befördert durch das vom Schweizer H.R. Giger stammende Design seinerzeit ein Meilenstein der Science-Fiction, so möchte auch PROMETHEUS dem nicht nachstehen. Und nicht nur weil Giger auch 33 Jahre später wieder an den Designstudien beteiligt war, sondern auch aufgrund von Scotts Entscheidung, so weit wie möglich auf CGI-Effekte zu verzichten, schafft es der Streifen durchaus, einen eigenständigen und gelungen Look zu kreieren. Vor allem das Schiffsinnerne der Konstrukteure weiß zu gefallen und sieht in Verbindung mit den CGI-Effekten wahrlich prächtig aus. Aber auch die Konstrukteure selber, ebenso wie die diversen Alien-Kreaturen können überzeugen und so findet der Film letztlich einen stimmigen optischen Gesamtstil.
Mit einem Einspielergebnis von weltweit mehr als 400 Millionen US-Dollar konnte der Streifen sein Budget (zu dem man sicherlich noch einen nicht unerheblichen Werbeetat hinzuzählen muss) locker wieder einspielen. Die Kritiken nahmen den Film ebenfalls überwiegend wohlwollend auf und das einzelne Fans und Puristen sich vor den Kopf gestoßen fühlen, liegt ohnehin in der Natur der Sache. Objektiv betrachtet hat Scott aber ein wirklich gelungenes Prequel abgeliefert, welches eigenständig genug ist, um zu unterhalten, und genug Anknüpfungspunkte bietet, um zu diskutieren. Und wenn alle modernen Pre-/Sequels, die man alten Filmreihen heutzutage angedeihen lässt, eine derartige Qualität besäßen, dann wäre die Welt doch um einiges besser.

Ridley Scotts Prequel ist ein stimmiger und in sich gelungener Science-Fiction-Horror-Reißer, verpackt in eine spannende Inszenierung. Die grandiose Optik und die überwiegend gelungene Besetzung tragen ein Übrigens dazu bei und machen den Streifen sicherlich zu einem der gelungensten Reboots seit langem.

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Eine Antwort zu “PROMETHEUS – DUNKLE ZEICHEN

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