DIE BARBAREN

Die Barbaren
The Barbarians | Italien/USA | 1987
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Kutchek (David Paul) und sein Bruder Gore (Peter Paul) werden als Kinder von der Reisenden Canary (Virginia Bryant) und ihrer Gauklertruppe aufgenommen. Doch kurze Zeit später wird der Tross überfallen und der finstere Kadar (Richard Lynch) verschleppt die beiden Jungs. In seinem Kerker reifen die beiden dann zu Muskelbergen heran und eines Tages brechen sie aus.

Auch wenn es allzu reduzierend wirken mag und darüber hinaus Filme wie EISKALTE TYPEN AUF HEIßEN ÖFEN (1976), MONDO CANNIBALE 2 – DER VOGELMENSCH (1977) oder ATLANTIS INFERNO (1983) ignoriert werden, so muss man doch konstatieren, dass das Meisterwerk des Kannibalenfilms NACKT UND ZERFLEISCHT (1980) den gewichtigsten Film im Schaffen von Ruggero Deodato darstellt. Den mit einem Budget von rund vier Millionen US-Dollar teuersten Film seiner Karriere sollte er jedoch erst 1987 in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Action-Schmiede Cannon Films drehen.
Dabei erstaunt es zunächst, dass es sich um einen in Barbaren-Milieu angelegten Fantasystreifen handelt, denn der von CONAN – DER BARBAR (1982) ausgelöste Boom und die zahlreichen italienischen Epigone hatten 1987 auch schon wieder eine halbe Dekade auf dem Buckel. Dafür bediente sich der Drehbuchautor James R. Silke – der zwei Jahre zuvor mit QUATERMAIN – AUF DER SUCHE NACH DEM SCHATZ DER KÖNIGE (1985) bereits Abenteuer-Erfahrung gesammelt hatte – dann ausgiebig bei anderen Fantasy-Streifen und zaubert so ein Skript zusammen, welches allerorten kunterbuntes Märchen-Feeling verbreitet.

Gore: Hey, wie war ich?
Kutchek: Hm, fast genauso gut wie ich!

Die Welt ist vollkommen überdreht, die Landschaften sind ständig in allen Farben des Regenbogens ausgeleuchtet und an allen Ecken warten skurrile und fantasievolle Monstren. Die Ausstattung ist dabei durchweg gelungen und wertig, vor allem in Relation zu den meisten anderen Produktionen der Barbarenfilm-Welle. Hier macht sich deutlich das vorhandene Kapital bemerkbar. Denn zahlreiche Kulissen und Sets sind mit einer Unmenge an schön kostümierten Statisten – die auch immer wieder mit Hilfe ansehnlicher Gewalt-Effekte ihr Leben lassen müssen – gefüllt und bieten so jederzeit etwas für des Zuschauers Auge. Einzig der Lindwurm gen Ende fällt in seiner trashigen Unzulänglichkeit ein wenig ab; aber wen stört das schon.

Denn sobald die beiden Hauptdarsteller das erste Mal in ausgewachsenem Zustand (in den geschätzten zwanzig Jahren, die das im Film dauert, bleiben die übrigen Charaktere allesamt in ihrer körperlichen Entwicklung stehen) die Leinwand betreten, ist ohnehin klar, wohin die Reise geht. Denn die Gebrüder Paul bieten eine derart absurde Nicht-Leistung, dass es eine wahre Freude ist. Und da wohl auch Deodato – er hat in nachfolgenden Interviews immer wieder betont, dass die Produktion des Film zu den lustigsten seiner Karriere zählt – von Anfang an klar war, dass hier schauspielerisch nichts zu machen ist, lässt er seine Darsteller auch nach Herzenslust herumalbern. Das mündet schließlich in den legendär gewordenen Grunz-Szenen, in denen diese Laute neben der Akquirierung von willigen Damen auch schon mal zum Sprengen von Gangenstricken genutzt werden. Vollkommen skurril, aber im Film, der seine Hauptrollen zu keiner Zeit ernst nimmt, tatsächlich stimmig.

Erzähler: Und sie wuchsen, bis sie Männer waren. Aber keine gewöhnlichen Männer, sondern Barbaren!

Den Antagonisten gibt Richard Lynch mehr als gelungen und Eva LaRue, heute vor allem im US-Fernsehen tätig, kann sich als kesse Kara ebenfalls sehen lassen. Aber auch die Nebenrollen sind passend und abwechslungsreich besetzt. Michael Berryman, seit HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN (1977) bekannt und seit ZURÜCK IN DIE GEGENWART – STAR TREK IV (1986) berühmt, gibt einen vollkommen abgedrehten Fiesling und die Italo-Größen George Eastman und Nello Pazzafini dürfen ebenfalls in Minirollen mitwirken.
Die meiste Screentime gehört aber ohne Frage den Paul-Brüdern, die dann immer wieder für die zahlreichen komödiantischen Momente des Films sorgen. In dieser Mischung aus Lachern, Skurrilitäten und wilden Kämpfen hampelt sich der Streifen dann dem Finale entgegen, welches jeden auch nur ansatzweise an derartigem Stoff interessierten Zuschauer zufrieden in den Abspann entlassen dürfte.
Sollte man zumindest meinen, doch die damaligen Kinozuschauer sahen das anscheinend anders. Sie straften das Werk mit Missachtung und sorgten so dafür, dass der Streifen in den USA gerade einmal lausige 800.000 US-Dollar einspielte. Das konnte Fans des Films jedoch auch nicht davon abhalten, den Film bis heute zu feiern und nach einer Sichtung des Streifens wird auch klar, warum er so viele Anhänger hat. Denn derart humorvolle und flotte Fantasy-Action bieten nur die allerwenigsten der italienischen Barbarenfilme – denen dieser Streifen nicht nur wegen seiner ausschließlich in Italien verorteten Drehorte durchaus zuzurechnen ist.

Flotte und unkomplizierte Barbaren-Action, mit zwei legendär-unfähigen Hauptdarstellern. Dazu eine gelungene Ausstattung und fertig ist der Fantasy-Reißer.

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Eine Antwort zu “DIE BARBAREN

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