STAR CRYSTAL

Star Crystal
Star Crystal | USA | 1986
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Nachdem zwei Astronauten aus dem Mars einen merkwürdigen Stein geborgen und diesen an Bord eines Raumschiffes gebracht haben, kommt es dort schnell zu mysteriösen Todesfällen. Eine Raumstation explodiert und eine kleine Truppe unter dem Kommando von Computerfachmann Roger Campbell (C. Juston Campbell) versucht in der Folge, die Erde heil zu erreichen. Doch der Grund für die Todesfälle ist mit an Bord …

Ridley Scotts ALIEN – DAS UNHEIMLICHE WESEN AUS EINER FREMDEN WELT (1979) hat nicht nur den modernen Horror-Sci-Fi-Film begründet, sondern auch ein riesige Zahl an Epigonen nach sich gezogen. Diese nahmen sich mal mehr, mal weniger offensichtlich verschiedene Versatzstücke von Scotts Meisterwerk und versuchten mit Hilfe derer, ein Stückchen vom großen Kuchen zu erhaschen. Im Zuge dieser Entwicklung tat sich 1986 eine Gruppe vollkommen unerfahrener Leutchen zusammen, schmiss ein wenig Kohle in einen Topf und nannte sich fortan Filmproduzenten.
Die Truppe engagierte dann Lance Lindsay, der allerdings abgesehen von einem Auftritt 1976 in einer Folge der Serie EIN SHERIFF IN NEW YORK auch keinerlei Erfahrung in Sachen Spielfilm mitbrachte. Trotzdem fertigte Lindsay zusammen mit dem zentralen Produzenten Eric Woster das Drehbuch an und bediente sich dabei freizügig bei dem oben erwähnten Klassiker. Allerdings rappelt das Skript die einleitenden Geschehnisse in knapp fünf Minuten runter und lässt dabei jede Spannung vermissen. Stattdessen hampeln die Darsteller dann ewig lang durch das Raumschiff, welches skurriler Weise nur aus kleinen engen Tunneln zu bestehen scheint.

Campbell: Die Ärmste ist ja völlig am Boden zerstört.
Cal: Ja, so etwas hab‘ ich schon oft genug erlebt. Man darf nicht zu lange hier oben bleiben, das schlägt voll durch auf’s Gemüt, Mann! Vermutlich stand sie deshalb auch auf der Urlaubsliste.
Campbell: Ja, ich merk’s an mir selbst, ich habe auch Depressionen.

Richtig abgedreht wird es dann aber, wenn sich die beiden Autoren mitten im Film dazu entscheiden, dass es doch einträglicher wäre, sich an Spielbergs E.T. – DER AUßERIRDISCHE (1982) zu orientieren. Also wird aus dem einstigen Monster ein netter Klumpen, der sich bei den Überlebenden für die Morde entschuldigt. Danach quatschen die drei noch ein bisschen, man schenkt dem ebenso leuchtenden wie melancholischen Extraterrestrischen das Raumschiff und winkt sich zum Schluss am Fenster zu. Jeder, der sich durch den stereotypen Unsinn zuvor gequält hat, wird hier jedenfalls reich belohnt.

Bis dahin gibt es aber immerhin massig lachhafte Kulissen zu sehen. Als Bodenplatten dient ein angemalter – und sich dementsprechend bewegender – Teppich und ein paar Verstärker und Backöfen ergeben versehen mit zahlreichen blinkenden Lichtern bekanntlich in Sekundenschnelle ein verflixt realistisches Raumschiff-Interieur. Immerhin gibt es ein paar ordentliche Gewalteffekte, wenn sich der Klumpen über die Besatzung hermacht und auch der Übeltäter selbst ist in seiner Schleimigkeit durchaus sehenswert.

Campbell: Hallo, hier ist dein Prinz.
Dr. Kimberly: Lassen Sie den Quatsch, dafür ist jetzt keine Zeit. Hören Sie zu und zwar genau. Sherrie kam gerade völlig aufgelöst aus dem Reaktorraum zurück. Soweit ich das beurteilen kann, ist Lt. Lynn etwas zugestoßen und das hat irgendwas zu tun mit einer schleimigen Substanz aus Sherries Overall.

Ganz anders verhält es sich mit den Mimen, die die Sci-Fi-Stereotypen par Excellence darstellen. Die ganze Laientruppe agiert dann vollkommen unmöglich und zeichnet sich durch brachiales Overacting aus. Aber wer will den Darstellern schon etwas vorwerfen, wenn das Skript vorsieht, dass sich der Kapitän und Konsorten unmittelbar nach der Erkenntnis, dass ein mordendes Alien an Bord ist, erst einmal innerhalb weniger Minuten gänzlich betrinken. Dass die blonde Sherrie einzig und allein dazu dient, zu Weinen und mit Essen umherzurennen, wundert dann sowieso keinen mehr.
Letztlich bleibt der Streifen also ganz maues Sci-Fi-C-Kino, welches weder in Sachen Ausstattung noch mittels der Geschichte überzeugen kann. Es gibt aber massig dumme Sprüche und eine Wendung, die wir erwähnt zum beklopptesten zählt, was man in diesem Bereich je gesehen hat. Zusammen mit den leidlich gelungenen Effekten kann man den Streifen Fans von billigem Weltall-Unfug durchaus ans Herz legen.

Der vollkommene Dilettantismus auf allen Ebenen ist schnell vergessen, wenn man den wohl beklopptesten Twist der Sci-Fi-Geschichte vorgesetzt bekommt. Für Trash-afine Weltraumfans ist der Streifen insofern sicherlich eine Sichtung wert.

Eine Antwort zu “STAR CRYSTAL

  1. Hab den Film gestern entdeckt und kann Dir nur zustimmen!
    Ich fand, dass Ende mit seiner minimalen Botschaft hatte dann schon was, da man es hier DEFINITIV nicht erwartete *hahaaha* ne, echt nicht!
    Wirklich super Review!!!

    Gefällt mir

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