GOTT VERGIBT – DJANGO NIE!

Gott vergibt – Django nie!
Dio perdona … Io no! | Italien/Spanien | 1967
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Cat Stevens (Terence Hill) und Hutch Bessy (Bud Spencer) sind sich zwar nicht allzu ähnlich, aber für die Auflösung eines bestialischen Zugraubes tun sich die beiden dann doch zusammen. Denn bei der Entwendung von 300.000 US-Dollar in Gold, hat der Übeltäter auch gleich alle Insassen gemeuchelt. Allerdings macht der Umstand, dass der von Stevens vor Jahren erschossene Bill San Antonio (Frank Wolff) der Hauptverdächtige ist, die Aufklärung des Falls nicht einfacher.

Nachdem sich der Italiener Giuseppe Colizzi bereits seit Anfang der 50er Jahre in verschiedenen Positionen durch die Welt des italienischen Kinos gekämpft hatte, sollte er im Jahre 1967 auch endlich auf den Regiestuhl steigen und seinen ersten eigen Film inszenieren. Da die Herren Leone und Corbucci ein paar Jahre zuvor mit ihren jeweiligen Meilensteinen den Film-Trend für die nächsten Jahre vorgegeben hatten, war es auch kein langer gedanklicher Weg bis zu dem Schluss, dass Colizzis Debut ebenfalls ein Italowestern werden würde.

Cat Stevens: Revolverschüsse würde man meilenweit hören, du siehst doch ein, dass wir uns das im Moment nicht erlauben können, Dicker. Hab‘ ich nicht Recht?
Hutch Bessy: Keine Sorge, es gibt noch andere Mittel, dich zur Vernunft zu bringen!

Vermutlich ebenfalls im Zuge einer durch Leone beförderten Inspiration entschied sich Colizzi – der übrigens zusammen mit Gumersindo Mollo auch das Drehbuch schrieb – dafür, auf eine Zwei-Figuren-Konstellation zu setzen. Um einen möglichst großen Kontrast zu erzielen, entschied er sich für Carlo Pedersoli und Pietro Martellanza. Letzter konnte durch sein Mitwirken in ARIZONA COLT (1966), JONNY MADOC (1966) und GLUT DER SONNE (1967) bereits einiges an Italowestern-Erfahrung vorweisen, brach sich aber einen Tag vor Drehbeginn den Fuß und musste die Dreharbeiten dementsprechend absagen. Als Ersatz stand fix Mario Girotti parat und um den Film besser vermarktbar zu machen, legten sich die beiden Darsteller die Pseudonyme Bud Spencer und Terence Hill zu. Dabei kreuzten sich die Wege der beiden nicht zum ersten Mal: Bereits in jungen Jahren waren beide im gleichen Schwimmverein angemeldet und in HANNIBAL (1959) standen sie bereits zusammen vor der Kamera; wenn auch als Nebendarsteller in unzusammenhängenden Rollen.

Nun aber hatte Colizzi ein Drehbuch verfasst, welches die beiden in eine engere Konstellation führen sollte. Denn schon hier findet sich das neckische Verhalten der zwei, welches sie Jahre später berühmt werden lassen sollte. Die Rollen Stevens und Bessy sind sich dabei gar nicht hold, wissen aber, dass sie zusammenarbeiten müssen, um Erfolg zu haben. Einige Sticheleien und flapsige Bemerkungen sind hier klar als Gründungsmoment des späteren Komiker-Duos zu erkennen.
Dabei ist das Skript ansonsten sehr düster und kompromisslos. Colizzi und Mollo schufen ein schlichtes, aber funktionales Rache-Western-Buch, welches in seiner vollständigen Fassung allerdings einige Hänger aufweist. Zwar fängt sich der Streifen immer wieder rechtzeitig und ist bis zum Finale zurück in einer ordentlichen Spur, leichte Abzüge müssen an dieser Stelle aber gestattet sein.

Dabei inszeniert Colizzi durchaus gefällig und nutzt dabei bekannte Stilmittel wie extreme Nahaufnahmen und Landschafts-Totalen geschickt. Für dieses Genre eher ungewöhnlich hapert es dann aber am Klang des Films. Carlo Rustichelli, der mit SCHEIDUNG AUF ITALIENISCH (1961), VERFÜHRUNG AUF ITALIENISCH (1964) und DIE UNGLAUBLICHEN ABENTEUER DES HOCHWOHLLÖBLICHEN RITTERS BRANCA LEONE (1966) bereits sein Können unter Beweis gestellt hatte, schafft es über weite Strecken einfach nicht, die kalte und raue Atmosphäre des Streifens auf dessen Ton zu übertragen. Viel mehr sorgen die irritierend fröhlichen Orgelstücke für eine merkwürdige Asynchronie zwischen Bild und Ton.

Bill: Du vergisst, dass sie eine Dame ist.
Cat Stevens: Damen interessieren mich nur auf Spielkarten!

Alles in allem liefert Colizziz also einen ordentlichen, wenn auch unspektakulären Rache-Western ab, der allerdings in Deutschland noch verschiedene Fassungs-Stadien durchlaufen sollte. So wurde der Film 1973 unter dem Titel GOTT VERGIBT – WIR BEIDE NIE! wiederaufgeführt, um dem mittlerweile entbrannten Spencer-Hill-Boom gerecht zu werden. Da der Erfolg jedoch noch lange anhalten sollte – und sich später auch maßgeblich auf die Kalauer-Synchronisationen stützte – ging man im Hause Warner-Columbia 1982 erneut daran, den Film ins Kino zu schaffen. Dieses Mal unter dem Titel ZWEI VOM AFFEN GEBISSEN und versehen mit einer vollkommen neuen, deutlich alberneren Synchronisation. Des Weiteren entfernte man in dieser Fassung alle Brutalitäten oder Gemeinheiten und schuf so einen albernen Torso des eigentlichen Films. Das sorgt dann dafür, dass die allgemein als Comedy-Fassung bezeichnete Version nicht nur unzählige Logiklöcher mit sich herumschleppt, sondern auch zu einem kaum funktionierenden Mix aus Ernst und Alberei gerät.
Filmhistorisch ist das aber in Anbetracht der Bedeutung des Films für das Duo Hill/Spencer zu vernachlässigen. Denn hier wird der Grundstein für die bilderbuchartige Karriere der beiden gelegt, wenn auch zu Anfang noch im Metier des harten Italowestern.

Der erste gemeinsame Auftritt von Bud Spencer und Terence Hill findet in einem ordentlichen, wenn auch unspektakulären Rache-Western statt; die spätere Comedy-Version ist hingegen getrost zu vernachlässigen.

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4 Antworten zu “GOTT VERGIBT – DJANGO NIE!

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