MERCENARIO – DER GEFÜRCHTETE

Mercenario – Der Gefürchtete
Il Mercenario | Italien/Spanien | 1968
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Bei einem Auftrag in Mexiko gerät der Freischaffende Sergei „Pole“ Kowalski (Franco Nero) an den Revolutionär Paco Roman (Tony Musante). Nach einer kleinen Konfrontation rettet der Pole Paco dann das Leben und fortan bezahlt ihn dieser als seinen Berater. Doch während das zunächst gut funktioniert, gerät diese Beziehung irgendwann in Schieflage und der Pole beginnt, sich über Paco lustig zu machen.

Nachdem der Produzent Alberto Grimaldi mit den Leone-Western FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR (1965) und ZWEI GLORREICHE HALUNKEN (1966) sowie den Sollima-Werken DER GEHETZTE DER SIERRA MADRE (1966) und VON ANGESICHT ZU ANGESICHT (1967) bereits mit zweien der drei großen Sergios zusammengearbeitet hatte, sollte es 1968 auch zur Kooperation mit Sergio Corbucci kommen. Dieser hatte sich mittels seines Klassikers DJANGO (1966) einen Platz im Italowestern-Dreigestirn errungen und sollte im Jahre 1968 zwei weitere vielbeachtete Arbeiten innerhalb des Genres abliefern. Zum einen den ebenso finsteren, wie grandiosen LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG und zum anderen den von Grimaldi produzierten MERCENARIO – DER GEFÜRCHTETE.

Pole: Armer Paco, er war dabei, ein Idealist zu werden. Leider hatte ich vergessen ihm zu sagen, dass Idealismus der Dünger für Friedhöfe ist.

Am Skript waren dann neben Corbucci auch Adriano Bolzoni und Luciano Vincenzoni beteiligt, die beide bereits bei Leones DOLLAR-TRILOGIE Erfahrung gesammelt hatten. Zusammen schufen die Herren ein Drehbuch, welches starkes Augenmerk auf seine Charaktere legt und diese in vielen Situationen als Parabeln nutzt. Das von der Revolution geschüttelte Mexiko der Jahrhundertwende dient als Hintergrund einer Studie über Gesellschaft und Einzelpersonen, sowie deren wechselseitiges Zusammenspiel. Dabei ist der Ausbruch oder der Verlauf der Revolution eher unbedeutend – und wird dementsprechend auch nur rudimentär erwähnt. Viel wichtiger ist das Handeln der einzelnen Figuren innerhalb der Revolutionswirren.

Franco Nero – der Corbuccis bereits den DJANGO gab – als Versinnbildlichung des Kapitalismus, kommt aus gewinnträchtigen Gründen ins Land und schließt sich aus ebensolchen Pacos Truppe an. Trotz vordergründiger Freundschaft steht Kowalski für die Interessen und das Kapital aus dem Ausland, welches Revolutionen mit formt und ausschließlich eigene Interessen vertritt. Tony Musante – der spätestens zwei Jahre später in Argentos DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE seinen Durchbruch feierte – hingegen, gibt einen Profiteur der Ereignisse, dem zunächst kaum etwas an Inhalten gelegen ist. Er muss sich von Kowalski in einer legendären Kopf-Arsch-Allegorie erklären lassen, worum es beim Revolutionieren überhaupt geht und was zu tun ist.

Pole: Man nennt mich den Polen, aber für dich bin ich der Würger. Denn wenn die da mich nicht gehen lassen, drück‘ ich dir die Kehle zu!

Die Beziehung zwischen diesen beiden wundervollen Figuren kommt dann allerdings stellenweise etwas zu statisch daher. Zwar nimmt sie eine gewisse Entwicklung – am Gipfel derer sich Kowalski unter dem Trinkwasser der Revolutionäre abduscht – geht aber letztlich nicht den entscheidenden Schritt. Einzig in Kowalskis kurz aufkommender Beziehung zu der von Giovanna Ralli genial gemimten Columba bestünde die Möglichkeit, die Beziehung kippen zu lassen; allerdings bleibt diese Chance ungenutzt.
Dafür gibt es aber mit dem ukrainisch-amerikanischen Darsteller Jack Palance eine weitere tolle Figur, die wohl einen der am beeindruckendsten gespielten Tode der Italowestern-Geschichte geben darf. Aber auch vor seinem Ableben gibt Palace einen gekonnt kalten Antagonisten, der für die beiden Helden eine omnipräsente Gefahr darstellt. Und auch Eduardo Fajardo – ein aus Spanien stammendes Urgestein des italienischen Western – kann mit seiner massiven Präsenz als mexikanischer Militär einen weiteren Glanzpunkt setzen.

Um diese Charaktere herum inszeniert Corbucci dann ein äußerst abwechslungsreichen Film, der sich im Gegensatz zu LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG auch einige Male ungeniert des Humors als Mittel zur Unterhaltung bedient. So gibt es ab der Filmmitte einige fast schon alberne Szenen zu sehen, die die Geschehnisse spürbar auflockern. Denn was manchem Puristen sauer aufstoßen mag, sorgt bei genauerem Hinsehen dafür, dass die Geschehnisse eine Leichtigkeit erhalten, die die Konstruktion der Charaktere noch befördert. Dass Corbucci dann in einem kongenialen Finale (Paco ist mittlerweile nicht mehr Kowalskis Clown, sondern ein solcher bei einem Rodeo-Theater) noch eine Hommage an Leones Dreieckskonstellation aus ZWEI GLORREICHE HALUNKEN abliefert, setzt der durch die Bank perfekten Inszenierung die Krone auf. Granz große Klasse!

Pole: Wir sind nur zwei, General, aber wenn sich einer von ihren Leuten bewegt, dann lass‘ ich Sie als heldenhaftes Opfer soldatischer Pflichterfüllung in die Geschichte eingehen.

Und natürlich wird auch dieser Streifen durch die Musik Ennio Morricons veredelt, der sich für Corbuccis Film ein paar besonders schöne Stücke aufgehoben hat. Das Hauptthema besteht aus einer episch gepfiffenen Melodie, die mal pessimistisch, mal euphorisch das Geschehen begleitet. Und gefolgt wird dieses Stück von einem unfassbar epischen Thema, welches auch das erwähnte Finale begleitet. So gibt es auch in Sachen Ton nicht das Geringste zu beanstanden.
Mit wundervollen Drehorten im Umland von Madrid und im altbekannten Almeria liefert der Film dann auch noch die entsprechende Kulisse für seinen hochwertigen Inhalt und schafft es so ohne Probleme, sich unter die ganz großen Arbeiten von Corbucci im Speziellen und des Italowestern im Allgemeinen zu mischen. Kleinere Misstöne könne das großartige Gesamtwerk nicht ausbremsen und so gehört MERCENARIO – DER GEFÜRCHTETE sicherlich zum erweiterten Kreis der Genre-Standardwerke.

Corbuccis Revolutionswestern macht (fast) alles richtig und kann sich so zweifelsohne mit den ganz Großen des Genres messen.

4 Antworten zu “MERCENARIO – DER GEFÜRCHTETE

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