DIE BANDE DES SCHRECKENS

Die Bande des Schreckens
Die Bande des Schreckens | Deutschland | 1960
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Chefinspektor Long (Joachim Fuchsberger) legt dem Verbrecher Clay Shelton (Otto Collin) das Handwerk und dieser wird in der Folge hingerichtet. Doch kurz vor seinem Ableben verspricht der Unredliche noch, alle an seinem Tode Beteiligten ebenfalls umzubringen. Und tatsächlich, kurz nach der Hinrichtung kommt es zu unerklärlichen Todesfällen, die Long trotz seines eigentlich geplanten Rückzuges aus dem Polizeidienst noch einmal alles abverlangen.

Nach den Erfolgen von DER FROSCH MIT DER MASKE (1959) und DER ROTE KREIS (1960) stand es für die Produktionsfirma Rialto und den Verleih Constantin außer Frage, dass weitere EDGAR WALLACE-Streifen hergestellt werden müssten. Also wurde umgehend eine Crew zusammengestellt, die den unglaublichen Durst der Kinogänger nach neuen Kriminalgeschichten stillen sollte. Auf dem Regiestuhl durfte der aus dem Erstling bekannte Harald Reinl Platz nehmen, sodass eine solide Inszenierung mit Pepp und Schwung quasi sichergestellt war.
Mit der Erstellung des Drehbuchs wurde dann Wolfgang Schnitzler beauftragt, der hier neben dem Skript zu DER GRÜNE BOGENSCHÜTZE (1961) – sein Engagement sah von Beginn an zwei Drehbücher vor – seinen einzigen Serienbeitrag abliefern sollte. Grund dafür dürfte wohl sein, dass sich Schnitzler mit der Umsetzung der relativ umfangreichen Romanvorlage schwer tat. Denn die vielschichtigen Geschehnisse des Romans in eine 90-minütige Spielfilmform zu übertragen bedurfte einiger geschickter Kniffe. Diese wurden dann schließlich von Julius Joachim Bartsch vorgenommen, den die Produzenten nach kurzer Zeit hinzuholten, um Schnitzlers Entwurf zu überarbeiten. Bartsch hatte schon das Buch zu DER FROSCH MIT DER MASKE mitverantwortet und genoss somit großes Vertrauen. Und tatsächlich gelang es Bartsch, die facettenreiche Handlung so zurechtzustutzen, dass ein flottes und funktionales Skript herauskam.

Long: Ich wette, dass Ihre vorgesetzte Dienststelle auch kein Interesse daran hat, dass ein ordnungsgemäß hingerichteter Gangster hier plötzlich aus der Reihe tanzt und draußen herum spukt und die Leute erschreckt.

Der größte Kniff gegenüber dem Roman ist dann die unmittelbare Konfrontation zwischen Shelton und seinen zukünftigen Opfern. Diese Ankündigung der Tode macht die etwas unübersichtlichen Morde der Vorlage klarer und sorgt obendrein für eine spannende Filmeröffnung. Reinl hat so die Möglichkeit, einen Film zu inszenieren, in dem der Zuschauer stets vor Augen hat, was als nächstes passieren wird, allerdings trotzdem über die Hintergründe im Unklaren bleibt. Und das gelingt trotz der für seine Verhältnisse recht unspektakulären Inszenierung außerordentlich gut.

In Sachen Besetzung kann sich dieser Serienteil ebenfalls mehr als sehen lassen. Joachim Fuchsberger ist wieder mit von der Partie und darf diesmal als Kommissar wirken. Auch in dieser Rolle überzeugt er ausnahmslos und zieht den Zuschauer mit seinem Charme und dem unverwechselbaren Grinsen schnell auf seine Seite. Ernst Fritz Fürbringer als Sir Archibald gehört ja ohnehin zum festen Inventar und auch Fritz Rasp – diesmal großartig in der Rolle von Longs zwielichtigem Vater – ist ebenfalls nicht wegzudenken. Karl Georg Saebisch, der in DER ROTE KREIS noch auf Seiten der Ermittler stand, gibt hier eine gelungene Doppelrolle und Eddi Arent trägt wiederum als komödiantischer Part seinen Anteil bei.

Long: Was ist denn mit dem los?
Rouch: Das ist der Fotograf von der Mordkommission, dem wird immer schlecht dabei.

Auf Seiten der Damen geben gleich zwei zukünftige Konstanten der Filmreihe ihren Einstand. Karin Dor überzeugt als arglose – wenn auch stellenweise allzu naive – Nora Sanders, die letztendlich in Fuchsbergers Armen landet, und Elisabeth Flickenschildt als unwägbare Mrs. Revelstoke. Letzterer kommt dabei im Finale eine tolle Position zu, die dem stereotypen Rollenbild, welches die Dor verkörpern muss, angenehm gegenübersteht. Und Nebenrollen wie Dieter Eppler und Ulrich Beiger sorgen letztlich dafür, dass DIE BANDE DES SCHRECKENS nicht nur eine der klassischsten EDGAR WALLACE-Besetzungen aufweist, sondern auch eine der gelungensten.
Die Geschichte bleibt dann bis zum Finale abwechslungsreich und spannend und sorgt so dafür, dass dieser Serienteil seinen Platz weit oben im internen Ranking findet; und nebenbei Kurt Ulrichs Konkurrenzprodukt DER RÄCHER (1960) ganz klar in die Schranken weist. Ulrich hatte sich kurz zuvor die Lizenz für einen einzelnen Film sicher können und hatte mit einer unter Hochdruck ablaufenden Produktion dafür gesorgt, dass sein Werk ungefähr drei Wochen vor dem der Rialto in die Kinos kam. Doch trotz dieses Handicaps überflügelte DIE BANDE DES SCHRECKENS Ulrichs Werk sowohl in Sachen Zuschauerzahlen als auch Rezeption deutlich und bestätigte so noch einmal die Vormachtstellung der Rialto in Sachen einträglichem Kriminalfilm.

Mit einer geradezu klassischen Besetzung, Reinls routinierter Regie und einem flotten Skript schafft es dieser Serienteil, alle Tugenden der Reihe zu vereinen und sich so ein Plätzchen unter den Besten zu sichern.

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2 Antworten zu “DIE BANDE DES SCHRECKENS

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