ZWIEBEL-JACK RÄUMT AUF

Zwiebel-Jack räumt auf
Cipolla Colt | Deutschland/Italien/Spanien | 1975
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der aufgrund seiner Ernährungsweise nur Zwiebel genannte Rumtreiber (Franco Nero) erwirbt ein Stück Land, um dort seine Lieblingsfrucht anzupflanzen. Doch unmittelbar nach dem Kauf wird der ehemalige Eigentümer ermordet, weil der Ölmagnat Petrus Lamb (Martin Balsam) deutliches Interesse an dem Grundstück zeigt. Zusammen mit dem Journalisten Pullitzer (Sterling Hayden) und dessen Tochter Mary Ann (Emma Cohen) muss sich Zwiebeln nun ebenfalls den mordenden Horden Lambs erwehren.

Enzo G. Castellari begann seine Regie-Karriere als Regieassistent bei León Klimovskys Italowestern DJANGO KENNT KEIN ERBARMEN (1966) und sollte sich in der folgenden Dekade in ebendiesem Genre seine ersten Sporen verdienen. Doch bevor er dem Italowestern mit seinem ebenso düsteren wie großartigen KEOMA – DAS LIED DES TODES (1976) einen der letzten ernsthaften Vertreter liefern sollte, war Castellari mit TEDEUM – JEDER HIEB EIN PRANKENSCHLAG (1972) und ZWIEBEL-JACK RÄUMT AUF auch an den komödiantischen Auswüchsen des Genres beteiligt. Erster fällt dabei qualitativ völlig ab, letzterer ist hingegen zumindest in Sachen Besetzung dazu in der Lage, sein Publikum zu finden.
Denn die Hauptrolle gibt Franco Nero, der dem Genre per Corbuccis Standardwerk DJANGO (1966) ordentlich Vortrieb geleistet hatte. Castellari kannte Nero bereits aus seinem grandiosen Poliziottesco TOTE ZEUGEN SINGEN NICHT (1973) und nutzt ihn hier als Pendant zu der von Terence Hill in Filmen wie DIE RECHTE UND DIE LINKE HAND DES TEUFELS (1970) oder MEIN NAME IST NOBODY (1973) etablierten Figur. In der deutschen Synchronisation wird dieser Eindruck dann noch von der Synchronisation Thomas Dannebergs, Hills üblicher deutscher Stimme, bestärkt.

Zwiebel: Ist ja merkwürdig; der Richter liegt unter’m Tisch und die anderen Menschen liegen unter der Erde.

Aber auch neben Nero kann sich die Besetzungsliste sehen lassen. Martin Baslam – der das italienische Kino seit seinem Auftritt in Damianis DER CLAN, DER SEINE FEINDE LEBEDIG EINMAUERT (1971) bereicherte – gibt den stereotypen Kapitalisten Lamb und Sterling Hayden – der unter anderem in DR. SELTSAM ODER: WIE ICH LERNTE, DIE BOMBE ZU LIEBEN (1964) oder DER PATE (1972) zu sehen war – gibt den schusseligen Zeitungsbesitzer Pullitzer.
Aber auch hinter der Kamera strotzt der Film nur so vor bekannten Namen. Denn das Skript schrieben Sergio Donati und Luciano Vincenzoni, die auf zahlreiche Arbeiten für die Italowestern-Koryphäen Sollima und Leone zurückblicken können. Allerdings fällt das Wirken der beiden in diesem Falle etwas weniger spektakulär aus. Das Drehbuch bietet hier lediglich den Rahmen für einen Wust an Slapstick und Blödeleien. Die dabei immer mal wieder auftauchenden Ansätze von gesellschaftlicher Kritik – wie Profitgier, Umweltverschmutzung oder Zensur – verkommen zur Nebensächlichkeit.

Viel mehr setzt der Film auf Blödeleien und Klamauk. Dabei entsteht eine irritierende Mischung aus Castellaris gewohnt präzisem Inszenierungsstil und allerlei vorgespulten Kloppereien. Das sorgt für eine Ambivalenz, die den Sehgewohnheiten des Genres zuwider läuft. Ob das gefällt oder nervt, ist dann sicherlich von jedem Zuschauer selbst zu beurteilen; man sollte allerdings stets darauf vorbereitet sein, dass auf eine tolle Einstellung ein Rausch an Albernheiten folgt. Krönung dieser sind dann meist diverse optische Tricks und Einfügungen, die stellenweise lustig sind, andernorts allerdings völliger Nonsens.

Typ: Geht weiter, Leute! Ihr wisst genau, der Sheriff mag keine Menschenaufläufe, nur Nudelaufläufe mag er.

Da der Streifen wie erwähnt den Terence Hill-Werken nachschlägt, sind natürlich auch die Gebrüder Maurizio und Guido de Angelis mit von der Partie und liefern hier einen Score, der den nie vorhandenen Ernst des Films akustisch wiederspiegelt. Vor allem zahlreiche das Geschehen begleitende Klänge und Effekte fallen dabei mehr oder minder angenehm auf. Den deutschen Zuhöreren wird des Weiteren noch eine von Rainer Brandt verantwortete Synchronisation aufgetischt, die den Meister persönlich als Stimme des Gauls präsentiert, sich insgesamt aber für brandt’sche Verhältnisse auf einem sehr gemäßigten Niveau bewegt.
So hampelt sich der Streifen seinem willfährigen Finale entgegen und ist auf diesem Wege jeder Überraschung bar. Und wenn sich nicht derart bekannte Namen in Stab und Besetzung finden würden, wäre es für diesen Film wohl noch schwieriger, seine Anhängerschaft zu finden; so reicht es immerhin zu einem kurios Versuch in Sachen Italowestern-Komödie.

Sehr alberner Streifen, der eigentlich nur wegen der zahlreich involvierten Persönlichkeiten interessant ist. In Sachen Humor oder Parodie allerdings eher überschaubar.

Eine Antwort zu “ZWIEBEL-JACK RÄUMT AUF

  1. Pingback: KEOMA – DAS LIED DES TODES | SPLATTERTRASH·

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