DIE 13 SKLAVINNEN DES DR. FU MAN CHU

Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu
The Brides of Fu Manchu | Deutschland/Großbritannien | 1966
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Dr. Fu Man Chu (Christopher Lee) lebt! Natürlich. Und selbstverständlich hat er schon wieder einen neuen Plan entwickelt, um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Dieses Mal müssen Nayland Smith (Douglas Wilmer) und Dr. Petrie (Howard Marion-Crawford) zusammen mit Franz Baumer (Heinz Drache) dafür sorgen, dass das teuflische Genie nicht von einer Waffe gebracht macht, die es ihm ermöglicht, mittels Energiewellen Explosionen an beliebigen Orten der Welt hervorzurufen.

Genau ein Jahr nach dem von Harry Alan Towers produzierten ICH, DR. FU MAN CHU (1965) sollte ein weiteres Abenteuer um den von Sax Rohmer zu Beginn des Jahrhunderts erdachten Bösewicht in die Kinos kommen. Das Budget stemmte Towers zusammen mit der Constantin Film problemlos, hatte der Vorgänger doch im Fahrwasser der EDGAR WALLACE– und JAMES BOND-Welle durchaus ordentliches Geld eingespielt. Demnach taten die damaligen Kinogänger auch gut daran, nicht allzu epochale Änderungen am Konzept zu erwarten.
Don Sharp blieb gleich auf dem Regiestuhl sitzen, ebenso wie Towers das Drehbuch wieder selbstständig anfertigte; und sich dafür dieses Mal den Roman The Bride of Fu Manchu zu Gemüte führte. Aber auch Gert Wilden – Freunden des deutschen Schmuddelfilms der 70er Jahre sicherlich ein Begriff – blieb als Komponist an Bord, ebenso wie Ernest Steward an der Kamera und John Trumper beim Schnitt.

Fu Man Chu: Ist sie soweit, wie ich sie haben wollte?
Lin Tang: Ihr Wille war leicht zu beugen.
Fu Man Chu: Zerbrich ihn!

So erstaunt es dann durchaus, dass Nigel Green, der den Nayland Smith im ersten Teil äußerst gefällig gespielt hat, nicht mehr mit von der Partie ist. Stattdessen gibt Douglas Wilmer – der seine langjährige TV-Karriere gerade über Engagements wie JASON UND DIE ARGONAUTEN (1963) zu beenden versuchte; was ihm jedoch, von einem weiteren Lichtblick in OCTOPUSSY (1983) abgesehen, nicht gelingen sollte – die Hauptrolle. Dabei bleibt er zwar ein wenig hinter seinem Vorgänger zurück, bietet aber trotzdem vollkommen ordentliche Arbeit.
Während Howard Marion-Crawford wieder den galanten Gehilfen Dr. Petrie gibt, ersetzt Heinz Drache seinen deutschen Kollegen Joachim Fuchsberger quasi bis ins Detail. Welcher von beiden einem nun besser gefällt, liegt sicherlich am Geschmacke eines jeden einzelnen, aber Fuchsberger wirkt die Rolle des charmanten Privatmannes doch – wie schon in vielen EDGAR WALLACE-Filmen – stets noch ein wenig mehr auf den Leib geschneiderte, als seinem Kollegen. Trotzdem macht Drache seine Sache sehr gefällig.

Marie Versini – bekannt aus diversen KARL MAY-Verfilmungen – bleibt als zentrale weibliche Rolle jedoch hinter Karin Dors Darbietungen aus ICH, DR. FU MAN CHU zurück; und verkörpert somit das verquere Frauenbild insbesondere dieses Serienteils. Denn die zahlreich vorhandenen Damen dienen hier noch viel mehr als in ähnlichen Filmen als bloße hübsche sowie dumme Staffage. Als Druckmittel entführt haben die meisten Damen keinerlei Sprechparts oder wichtig Aktionen im Repertoire. Und selbst, wenn man aus äußerst exploitativer Sicht an den Film herangeht, muss man erkennen, dass die Damen nicht einmal als Elemente der Ausbeutung genutzt werden. Anstatt dem Betrachter zumindest Gräueltaten und Exzesse aufzutischen, darf der Zuschauer den Damen bei der Zubereitung des Essens und der Säuberung ihrer Wäsche zusehen. Im diesem Bezug ist der Streifen also den meisten seiner ohnehin schon sehr wenig feministischen Kollegen noch über- bzw. unterlegen.
Dafür gibt es aber in Sachen Ausstattung einiges zu sehen. In London wurden die Kulissen für Fu Man Chus Tempel errichte, der dieses Mal deutlich pompöser ausfällt. Diverse Hallen, Fallen und Maschinenräume erfreuen das Auge und sorgen für wohlige Bösewicht-Atmosphäre. Innerhalb dieser bewegt sich der wieder einmal mit einen trickreichen Make-up versehene Christopher Lee gewohnt gekonnt.

Fu Man Chu: Erweisen wir der jungen Dame unseren Respekt, vermitteln wir ihr einen Blick in die Unendlichkeit!

Ebenfalls gewohnt, wenn auch wesentlich unerfreulicher, sind die Änderungen, die der deutsche Verleiher an dem Streifen vorzunehmen müssen meinte. Um den Zuschauer nicht zu verwirren, erhielt der neue Hauptdarsteller Wilmer einen anderen Rollennamen und so gibt es nun statt dem althergebrachten Nayland Smith einen Herren namens Terrence Spencer. Des Weiteren war dem Verleiher wieder einmal dran gelegen, die deutsche Beteiligung an internationalen Verbrechen zu verhehlen; so werden aus dem deutschen Professor Otto Lenz und seiner Tochter Marie mal eben Franzosen gemacht. Dass dazu noch knapp zehn Minuten an Handlung fehlen, macht aus der deutschen Fassung eine doch eher rudimentäre – und dazu inhaltlich teilweise stark abweichende – Version.
Aber auch diese Änderungen können den kurzweiligen Streifen nicht davon abhalten, seinen Zuschauer mittels eines weiteren FU MAN CHU-Abenteuers gekonnt zu unterhalten. Denn Scotland Yard, finstere Bösewichte und geheime Technologien verpackt in kunterbunten Popcorn-Spaß, das funktioniert halt trotz kleinerer Ecken und Kanten in der Regel sehr gut; so auch hier.

Die zweite Runde von Towers‘ Reihe um das chinesisch-diabolische Genie macht (nicht nur inhaltlich) da weiter, wo der Vorgänger aufgehört hat; und bietet demzufolge wieder ebenso flotte wie unkomplizierte Unterhaltung.

3 Antworten zu “DIE 13 SKLAVINNEN DES DR. FU MAN CHU

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