MISTER BODY

Mister Body
Pumping Iron | USA | 1977
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Film zeigt die Vorbereitungen von Arnold Schwarzenegger, Lou Ferrigno, Franco Columbo und anderen Bodybuildern für den Wettkampf um den Mr. Olympia-Titel 1975 in Pretoria, Südafrika. Dabei werden Fiktion und Realität vermischt.

Bereits 1976 hatte Arnold Schwarzenegger eine Nebenrolle in Bob Rafelsons Drama MR. UNIVERSUM, einem Film, der sich unter anderem auch dem Thema Bodybuilding widmete, abgeleistet, doch bereits lange vor diesen Dreharbeiten sollte ein Projekt geplant werden, dass sich ganz und gar dieser noch jungen Sportart verschrieb. Denn 1974 hatten sich die Autoren George Butler und Charles Gaines daran begeben, ein Buch namens Pumping Iron zu schreiben, welches sich intensiv mit dem Thema beschäftigte.
Schnell war klar, dass man mit dem langsam aufkommenden Interesse einer breiten Öffentlichkeit und dem Charisma eines Arnold Schwarzenegger einen gewinnträchtigen Film würde produzieren können. Doch Schwarzenegger hatte sich bereits vom aktiven Bodybuilding abgewandt und war folglich nicht gewillt, noch einmal um den Mr. Olympia-Titel anzutreten. Von 1970 bis 1974 hatte er den Titel fünf Mal in Folge gewonnen und schließlich seine Karriere zugunsten der Schauspielerei beendet. Auch der Schwarzenegger nach wie vor eng verbundene Freund und Förderer Joe Weider riet seinem Protegé von einer Rückkehr zum aktiven Sport ab, denn so würden seine noch jungen Schauspielamibitionen unmotiviert wirken.

Schwarzenegger: Hier unterscheidet sich der Champion vom Nicht-Champion. Nur wer diese Schmerzphase durchhält, hat das Zeug zum Champion.

Doch ein vollkommen fiktives Werk stand für Butler nicht zur Debatte, denn halbfiktive Dokumentationen wie THE ENDLESS SUMMER (1966) oder MARJOE (1972) waren Beispiele dafür, dass diese Mixtur die Zuschauer zuhauf in die Kinos zog. Also appellierte Butler an Schwarzeneggers Leidenschaft für das Bodybuilding und verkaufte ihm den Film als Möglichkeit, den Sport, dem er selber so viel zu verdanken hatte, endlich zu einer großen Bekanntheit zu verhelfen; und damit erwischte er Arnold genau an der richtigen Stelle. Nach einer kurzen Bedenkzeit, in der das Kraftpaket abwog, ob es möglich wäre, Geist, Ernährung und Training wieder auf Wettkampfniveau zu bringen, sagte er zu und der Film konnte im Sommer 1975, gute drei Monate vor den Wettkämpfen in Südafrika, in die Produktion gehen.

Wie erwähnt war dabei von Anfang an klar, dass der Streifen auch fiktive Elemente enthalten würde, um Spannung und Dramaturgie sicherzustellen. So wurde die Wettkampfsituation zwischen Schwarzenegger und Ferrigno deutlich dramatisiert und zugespitzt. Ferringo mimt einen schüchternen Zögling seines Vaters, der immer nur in den Kellerstudios von Brooklyn trainiert, während Schwarzenegger den überheblichen Strahlemann aus Kalifornien gibt. Das äußert sich auch in zahlreichen angeberischen Bemerkungen. So gibt Schwarzenegger beispielsweise zu Protokoll, er würde auf der Bühne dank seiner Muskelkraft ununterbrochen Orgasmen erleben und sein Verhalten Ferrigno gegenüber ist immer wieder äußerst unhöflich. Auch der Umstand, dass Schwarzenegger für die Vorbereitungen die Beerdigung seines Vaters versäumte, stimmt mitnichten, gestaltet das Bild vom unbeirrbaren Siegeswillen aber weiter aus.
Das Arnold während der Dreharbeiten auch noch für Adolf Hitlers Redeweise (nicht aber für den Inhalt der Reden) schwärmte, war aber wohl auch für Butler zu viel, so dass diese Szenen nie den Weg in den Film fanden. Schwarzenegger selber gibt in Interviews an, dass er sich in all diesem Gehabe in der Folge Muhammad Alis sah, der ebenfalls durch Skandale und Charakter zu außerordentlicher Berühmtheit gelangt sei.

Als der Film dann in die Nachproduktion ging, erschöpften sich leider die von Butler mehr oder minder selbst aufgebrachten Gelder, sodass die Nachproduktion gehörig ins Stocken geriet. Um weiteres Budget zu generieren, plante Butler eine Veranstaltung namens Articulate Muscle: The Male Body in Art, die dann im Februar 1976 im New Yorker Whitney Museum of American Art stattfinden sollte. Lebendige Bodybuilder standen hier Skulpturen gleich auf Podesten und wurden von Fachleuten kommentiert. Zusammen mit dem Umstand, dass Schwarzenegger gerade einen Golden Globe als Bester Nachwuchsdarsteller für seine Leistungen in MR. UNIVERSUM erhalten hatte, sorgte das für genügend Zulauf, um die Veranstaltung zu einem vollen Erfolg zu machen und genügend Geld für die Fertigstellung von MISTER BODY heranzuschaffen.

Schwarzenegger: Ich hab‘ keine Angst im Studio ohnmächtig zu werden, weil ich weiß: sowas kommt vor!

In Spielfilmform präsentiert der Streifen dann eine unterhaltsame Mischung aus Interviews und Trainings-, sowie den originalen Wettkampfaufnahmen. Unterlegt wird das alles von schmissiger Musik, wobei hier vor allem das kongeniale Titelstück heraussticht. Der Komponist Michael Small – der 1976 auch den Score zu John Schlesingers DER MARATHON MANN geschrieben hatte – schuf mit Everybody wants to live forever einen Song, der sofort zum Klassiker mutierte. Aber auch die übrige Musik unterstützt den Film gekonnt und bestärkt noch mal dessen fiktive Elemente.
Bei seiner US-amerikanischen Veröffentlichung Januar 1977 (in Deutschland gab es leider nur eine Jahre später folgende VHS-Veröffentlichung) war der Streifen dann ein voller Erfolg bei Kritikern und Kinobesuchern und strafte alle vorherigen Unkenrufe Lügen. Für die Hauptdarsteller Schwarzenegger und Ferrigno sollte der Film den Weg ins Schauspielbusiness ebnen und für den Bodybuilding-Sport stellte er ohnehin den internationalen Durchbruch dar. So gilt der Streifen in derlei Kreisen bis heute als unangefochtenes Meisterwerk und auch unter Schwarzenegger-Fans steht dieses Frühwerk – vor allem auch aufgrund der vielen realen Aufnahmen – nach wie vor hoch im Kurs.

Gelungene Mixtur als Realität und Fiktion, die Bodybuilding- ebenso wie Schwarzenegger-Fans auch heute noch bestens unterhält.

3 Antworten zu “MISTER BODY

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