HERKULES IN NEW YORK

Herkules in New York
Hercules in New York | USA | 1970
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Herkules (Arnold Schwarzenegger) langweilt sich auf dem Olymp ganz schrecklich und wird von seinem Vater Zeus (Ernest Graves) aus Trotz auf die Erde geschickt. Schnell verschlägt es den Halbgott nach New York, wo er auf den hilfsbereiten Pretzie (Arnold Stang) trifft. Dieser führt Herkules in das Großstadtleben ein und es dauert nicht lange, bis sich der Hüne sich in die hübsche Helen (Deborah Loomis) verliebt.

Nachdem der Bodybuilding-Pionier Joe Weider dem jungen Arnold Schwarzenegger zu internationalem Ruhm und vier Mr. Universum-Titeln verholfen hatte, ging er daran, das österreichische Kraftpaket auch beim Film unterzubringen. Dafür genügte ein Anruf bei den Produzenten der Studios Filmpartners und RAF Industries. Diese planten zu jener Zeit einen Mix aus Mythos und Komödie mit Dennis Tinerino in der Hauptrolle. Auch Tinerino war ein erfolgreicher Bodybuilder, doch da er nicht mit Weider zusammenarbeitete, wurde er von diesem kurzerhand aus der Produktion herausdiskutiert. Stattdessen behauptete Weider, Schwarzenegger habe in Österreich als Shakespeare-Darsteller gearbeitet; eine Lüge, die Arnold schließlich zu seiner ersten Spielfilm-Hauptrolle verhelfen sollte.
Für 1.000 US-Dollar in der Woche lungerte der 22-Jährige dann am Set herum und war de facto kaum in der Lage, sich dort schauspielerisch zu betätigen. Er verstand kaum genug Englisch, um dem Drehbuch folgen zu können, ganz zu schweigen von seiner nur äußerst rudimentären Fähigkeit, die Sprache selbst zu sprechen. Das sorgte unter anderem auch dafür, dass Arnolds Sätze nachsynchronisiert werden mussten; erst Jahre später wurde der O-Ton wieder veröffentlicht.

Kapitän: Wo bist du gemeldet?
Herkules: Ich bin der Sohn des Zeus!
Kapitän: Deine Familienverhältnisse interessieren mich nicht!

Weitere Probleme gab es am Set, weil Schwarzenegger (der auf den Werbematerialienen übrigens als dem angloamerikanischen Leser leichter verständlicher Arnold Strong angekündigt wurde) mit der Schauspielerei derart unvertraut war, dass er sofort zu Lachen begann, als Ernest Graves sich daran begab, mit schmetternder Stimme den Zeus zu mimen. Es dauerte wohl bis zu vor Drehende, bis Schwarzenegger sich langsam an die Aufgaben eines Mimen gewöhnte und selber leidlich mitspielen konnte. Vor allem für den Komiker Arnold Stang, der in dem Streifen die zweite Hauptrolle gibt, muss diese darstellerische Inkompetenz äußerst anstrengend gewesen sein.

Doch immerhin handelt es sich bei dem Film um einen billigen Trasher, sodass diverse Unzulänglichkeiten kaum ins Gewicht fallen. Eine Story gibt es de facto nicht, es werden einfach einzelne Episoden aneinander gereiht, um möglichst viele Gags aus der Konfrontation von griechischer Mythologie und US-amerikanischer Moderne ziehen zu können. Wenn Arnold dann aber mit einem entlaufenen Bär ringen muss, offenbart das Skript vollkommen unverhohlen, dass es allzu oft nur darum geht, die Muskeln des Hauptdarstellers in Szene zu setzen.

Typ: Er hat die Arbeit verweigert, Sir. Ich wollte ihm klarmachen, dass er …
Maat: Dieser Mann ist doch fremd hier, absolut möglich, dass er dich nicht verstanden hat.
Herkules: Nein, verstanden hab ich ihn, aber er wurde unverschämt und das lass ich mir nicht bieten!

So nimmt der Halbgott natürlich auch an einem Gewichthebewettbewerb teil oder gurkt im Zweispänner über den Times Square. Regisseur Arthur Allan Seidelman – der bis heute eine feste Größe im amerikanischen TV-Betrieb darstellt – wurschtelt dabei einfach eine Szenen an die nächste, ein paar alberne Blenden sind dabei schon das höchste der inszenatorischen Gefühle; und die von John Balamos hinzugefügte, vollkommen abstruse Musikuntermalung kapituliert ohnehin ab der ersten Minute vor der ihr gestellten Aufgabe.
Es wäre abschließend also definitiv falsch, diesen Streifen als Startschuss von Arnold Schwarzeneggers Filmkarriere zu betrachten, denn trotz einiger kleinerer Engagements in der Folgezeit – sowie dem gelungenen Doku-Drama MISTER BODY (1977) – sollte diese erst im Jahre 1982 mit CONAN – DER BARBAR wirklich starten. Vielmehr muss man diesen Streifen als kleines – filmtechnisch desolates – Kuriosum betrachten, bei dem Schwarzenegger – wohl auch maßgeblich von Joe Wieder befördert – viel zu früh versucht hat, einen Fuß in die Türe Hollywoods zu setzen.

Ein kleines Kuriosum, welches sich Schwarzenegger-Fans sicherlich mal ansehen können, um die ersten Schritte des österreichischen Kraftpakets zu verfolgen. Abseits von Arnolds Auftritten bleibt der Streifen aber vollkommen belangloser C-Trash.

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