DER TOLPATSCH MIT DEM SECHSTEN SINN

Der Tolpatsch mit dem sechsten Sinn
La Course à l’échalote | Deutschland/Frankreich | 1975
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Bankier Pierre Vidal (Pierre Richard) muss ungeahnt die Führung über die gesamte Zweigstelle übernehmen, in der er tätig ist. Das sorgt für allerlei Wirren, in deren Zuge auch ein wertvolles Köfferchen aus dem Tresor verschwindet. Die Jagd nach den Dieben führt Pierre durch halb Europa und lässt seine trennungswillige Freundin Janet (Jane Birkin) ihre Liebe für ihn neu entdecken.

1972 ebnete der Regisseur Yves Robert dem Komiker und Schauspieler Pierre Richard mit der Agenten-Parodie DER LANGE BLONDE MIT DEM SCHWARZEN SCHUH den Weg. Es folgten mit dem ebenfalls von Robert inszenierten DER LANGE BLONDE KEHRT ZURÜCK (1974) oder dem von Rémo Forlani stammenden – und wie viele andere Filme nur dem deutschen Titel nach anhänglichen – DER BLONDE MIT DEM BLAUEN AUGE (1974) weitere ähnlich gelagerte Werke.
Im selben Jahr wagte sich auch der Regisseur und Drehbuchautor Claude Zidi an eine Zusammenarbeit mit Richard und lieferte DER LANGE BLONDE MIT DEN ROTEN HAAREN ab, bevor er dann ein Jahr später DER TOLPATSCH MIT DEM SECHSTEN SINN inszenieren sollte. Zidi sollte in den nächsten Jahren vor allem durch seinen Louis de Funès-Klassiker BRUST ODER KEULE (1976) und den Jean-Paul Belmondo-Streifen EIN IRRER TYP (1977) zu einiger Bekanntheit gelangen.

Pierre: Ich weise Sie darauf hin, dass wir Sie für den Schaden haftbar machen werden.
Gangster: Ich mach‘ dich gleich für dein Gequatsche haftbar!

Zuvor aber tat er sich mit Michel Fabre – der ebenfalls zahlreiche Louis de Funès-Drehbücher schrieb – und Jean-Luc Voulfow zusammen und erdachte ein Skript, welches Richard von Paris nach Brighton und zurück hechten ließ. Dabei fällt die Storyline recht abwechslungsreich aus, versetzt sie den Zuschauer doch alle paar Minuten in eine andere Umgebung. Auch die Travestie-Show sorgt für Abwechslung und ist Dank der einigermaßen gangbaren Synchronisation weitestgehend frei von billigen Witzen und abgetakelten Klischees. Ein Umstand, den man dem Film – vor allem in Relation zu vielen ähnlich gelagerten Werken – durchaus anrechnen muss.
Letztlich bleibt aber die gesamte Handlung nur ein Rahmen für die Eskapaden von Pierre Richard, der diese Möglichkeiten auch vollends ausnutzt und sein ganzes Repertoire an Albernheiten abfeuert. Dabei tritt die immer wieder von Richard in seinen Filmen dargebotene Tollpatschigkeit trotz des deutschen Verleihtitels ein wenig in den Hintergrund und wird stattdessen von flapsigen Sprüchen und Slapstick ersetzt. Das schadet allerdings nicht, sondern lockert das Geschehen merklich auf.

Neben Richard tritt dann Jane Birkin als dessen von der Beziehung enttäuschte Freundin auf. Birkin war bereits 1966 als Nebenrolle in Antonionis BLOW UP zu sehen, besuchte aber mit einem Auftritt an der Seite von Curd Jürgens in CANNABIS – ENGEL DER GEWALT (1970) auch die abgründigen Bereiche des Kinofilms. Hier gibt Birkin eine flotte Begleitung, die allerdings viel zu oft hinter Richard zurückbleiben muss; der Erfolg ihres Schauspielerkollegen degradiert sie leider zur gutaussehenden und im rechten Augenblick zur Liebelei bereitstehenden Nebenrolle. Das ist vor allem schade, weil sie zu Beginn als taffe Frau, die Leben und Beziehung in die eigene Hand nimmt, auftritt; doch das verliert sich leider im Laufe der Geschichte. Gleiches gilt für Michel Aumont, der zunächst einen stereotypen Kommissar gibt, den beiden letztlich aber nur als tapsiger Ermittler hinterher reist. Dabei greift er jedoch zu keinem Zeitpunkt relevant in die Geschichte ein.
Aber wer erwartet schon eine feine Charakterzeichnung oder eine verwobene Geschichte, wenn einem Pierre Richard vom Kinoposter entgegen lächelt? Der Film bietet massig Blödeleien und dumme Sprüche und versucht seinen Zuschauer schlichthinweg kurzweilig zu unterhalten. Ob ihm das gelingt muss sicherlich jeder Betrachter für sich selber feststellen, wer aber auf derartige Kost steht, der dürfte kaum enttäuscht werden.

Pierre Richard blödelt sich von Paris nach Brighton und zurück und unterhält Freunde französischer Albernheiten so ohne Weiteres. Wer mit dem Genre allerdings nichts anfangen kann, dem genügt wohl Yves Roberts Richard-Klassiker aus dem Jahre 1972.

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Eine Antwort zu “DER TOLPATSCH MIT DEM SECHSTEN SINN

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