ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT II

Zurück in die Zukunft II
Back to the Future Part II | USA | 1989
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Kaum wieder in seiner Zeit angekommen wird Marty (Michael J. Fox) schon wieder von Doc Brown (Christopher Lloyd) aufgegriffen: Dieses Mal soll es in die Zukunft gehen, um Unglück von Martys und Jennifers (Elisabeth Shue) Kindern abzuwenden. Doch kaum im Jahre 2015 angekommen, schnappt sich der mittlerweile greise Biff (Thomas F. Wilson) den DeLorian und bringt das Raum-Zeit-Kontinuum wieder einmal aus den Fugen.

Das Risiko, das Robert Zemeckis und Bob Gale mit ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT (1985) eingingen, zahlte sich bekanntermaßen aus und warf schon kurz nach der Veröffentlichung – und nicht zuletzt dank des offenen Endes – Fragen nach einer Fortsetzung auf. Denn auch wenn das Finale des Erstlings nur als Gag gemeint war, so eröffnete es doch die Möglichkeit, dem Zeitreise-Abenteuer eine weitere Episode angedeihen zu lassen. Und als Universal Pictures und Amblin Entertainment mit diesem Wunsch an Zemeckis und Gale herantraten, waren die beiden durchaus gewillt, das Projekt anzugehen; vorausgesetzt Michael J. Fox und Christopher Lloyd wären ebenfalls mit von der Partie. Die beiden Mimen ließen sich eine derartige Möglichkeit natürlich nicht entgehen und so stand einer Fortsetzung nichts mehr im Wege.
Ganz anders verhielt sich das jedoch bei Claudia Wells, die die Jennifer des ersten Teils gab. Wells stand dem Dreh also nicht zur Verfügung, aber da man Jennifer – schon allein aufgrund des Endes des ersten Films – nicht aus dem Script streichen konnte, suchte man eine ähnliche Schauspielerin, die man schließlich in Elisabeth Shue fand. Mit Shue drehte man dann das Ende des Vorgängers respektive die Eröffnung des zweiten Teils neu.

Marty: Hey Doc, wir sollten noch ‘nen Stück zurücksetzen, auf der Straße schaffen wir sonst nie die 140!“ – Doc: „Straßen? Wo wir hinfahren brauchen wir keine Straßen!

Noch schwieriger verhielt es sich mit der Besetzung von Crispin Glover. Dieser hatte 1985 den George McFly verkörpert, stellte vier Jahre später aber derart hohe finanzielle Forderungen, dass die Produzenten nur abwinken konnten. Also strich man die Rolle des George kurzerhand fast vollständig aus den Entwürfen und nutzte für die Szenen, in denen sich der Film mit seinem Vorgänger überschneidet, Archivmaterial. Dass Glover wegen der unlauteren Verwendung dieses Materials und wegen der unerlaubten Nachahmung seiner Physiognomie Klage einreichte, gehört sicherlich zu den unschönen Randnotizen dieser Produktion.
In Anbetracht dessen ist es schon eine Wohltat, dass Mimen wie Thomas F. Wilsons, Lea Thompson und James Tolkan problemlos gebucht werden konnten. Vor allem Wilson bekommt dieses Mal deutlich mehr Screentime und kann den Charakter Biff/Griff in verschiedenen Zeiten und Bedingungen toll ausformen. Aber auch Thompson erhält die Möglichkeit, die Lorraine noch weiter auszudefinieren.

Denn das Drehbuch fällt dieses Mal deutlich komplexer und verschachtelter aus, als noch im Vorgänger. Anstatt nur mit Vergangenheit und Gegenwart zu spielen, fügt man für diesen Teil auch noch die Zukunft sowie zahlreiche Pendelreisen zwischen den einzelnen Zeiten hinzu. Das eröffnet riesige Möglichkeiten und schafft zahllose Verweise und Verbindungen, birgt aber auch die Gefahr des inhaltlichen Overloads. Denn ohne Kenntnis des Vorgängers dürften viele der Anspielungen und Zusammenhänge nur schwer zu verstehen sein, die meisten Gags zünden gar schlichthinweg nicht.

Marty: Was zum Geier war das?
Doc: Nur ein Taxi, Marty.
Marty: Was meinen sie damit, ein Taxi, wir fliegen doch!
Doc: Präzise.

Für Kenner des Erstlings allerdings enthält der zweite Teil aber derart viele interessante Momente, dass es eine wahre Freude ist. Das muntere Suchen und Finden von Verbindungen zwischen den Zeiten wird hier auf die Spitze getrieben. Die Veränderung der Zeitlinie sorgt darüber hinaus für eine wundervolle Endzeit-Sequenz, die eine weitere tolle Variation des klassischen Hill Valley darstellt. So hatte der Produktions-Designer Rick Carter die Möglichkeit, sich vor allem in der Zukunft völlig auszulassen. Das (retro-)futuristische Hill Valley ist in seinem naiven Charme heute legendär und strotzt nur so vor Links in die Gegenwart und die Vergangenheit.
Vor allem letzterer wurde dabei besondere Beachtung zu Teil, gibt es in dem Film doch zahlreiche Szenen, in denen sich Sequenzen des Vorgängers wiederholen. Diese konnten nur zum Teil wiederverwendet werden und mussten wegen der geänderten Kameraperspektiven zu großen Teilen neu gedreht werden. Mit großer Mühe und Detailverliebtheit glückte dieses Vorhaben und sorgt im fertigen Film immer wieder für amüsante Szenen.

Im Gegensatz zum Erstling, in dem keine der Figuren zweimal innerhalb einer Zeit vorkam, sind nun fast alle Rollen mehrfach vorhanden, sodass auch hier einiges an Tricks aufgeboten werden musste, um die Schauspieler (zum Teil mit grandiosem Alterungs-Make-Up versehen) gleich mehrfach innerhalb einer Einstellung zu haben. Auch dieser Umstand mag Neueinsteiger verwirren, Fans des Erstlings werden aber mit mannigfaltigen Insidern belohnt. Das Michael J. Fox neben Marty, Marty Senior und Marty Junior auch noch seine eigene Tochter spielt, treibt diesen Rollen-Wahnsinn auf die Spitze.

Marty: Ich kapier‘ das nicht, Doc. Ich meine, wie war das alles nur möglich? Das ist ja so, als ob wir in der Hölle gelandet wären.
Doc: Nein Junge, wir sind in Hill Valley, obwohl ich mir die Hölle nicht schlimmer vorstellen kann.

Übrigens war der ursprüngliche Drehbuchentwurf namens Paradox viel zu lang, enthielt er doch eine ausgiebige Reise in den Wilden Westen. Da sowohl die Spielzeit des Films als auch das Budget (es wäre mit 80 Millionen US-Dollar das höchste jener Zeit gewesen) viel zu immens ausgefallen wären, entschied man sich allerdings dazu, die Geschehnisse auf zwei Filme zu verteilen, die dann in unmittelbarer Abfolge gedreht wurden. Für den zweiten Teil bedeutet das einen der massivsten Cliffhanger der Filmgeschichte, der allerdings von einem angehängten Quasi-Trailer abgemildert wurde. Dieser zeigt bereits Szenen des sich in der Produktion befindlichen ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT III und sollte so die Wartezeit von circa einem halben Jahr bis zum Kinostart des dritten Teils verkürzen. Diese Lösung sorgte übrigens auch dafür, dass sich die Dreharbeiten von Teil Drei mit der Postproduktion von Teil Zwei überschnitten und alle Beteiligten an den Rand ihres Leistungsvermögens gerieten.
Doch das Alles hat sich schließlich gelohnt, denn auch wenn der Film nicht ganz an den bahnbrechenden Erfolg des Erstlings heranreichen konnte, so stellte er sich doch sowohl an den Kinokassen als auch bei den Kritikern als Erfolg heraus. Des Weiteren formt er das ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT-Universum sehr stark aus und schafft zahlreiche der Ikonen, die heute popkulturellen Status genießen. Und auch wenn der erste Teil alles in allem noch ein wenig runder ausfällt, so ist ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT II doch sicherlich eine der besten Fortsetzung der 80er Jahre.

Der zweite Teil bietet noch wesentlich wildere und facettenreichere Zeitreise-Abenteuer als der Vorgänger, gerät dabei aber ein wenig verschachtelter; und richtet sich somit an Kenner und Fans des Erstlings; die dann so richtig ihren Spaß mit dem Film haben können.

2 Antworten zu “ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT II

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