WARGAMES – KRIEGSSPIELE

WarGames – Kriegsspiele
WarGames | USA | 1983
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der junge David (Matthew Broderick) ist zwar ein Außenseiter und bringt regelmäßig schlechte Noten nach Hause, dafür ist er als Hacker aber ungeschlagen. Eines Tages gerät er bei dem Versuch ein noch nicht veröffentlichtes Spiel zu spielen in den Verteidigungscomputer und startet dort versehentlich einen russischen Raketenangriff. Schnell steht die Welt am Abgrund und David muss mit Hilfe seiner Freundin Jennifer (Ally Sheedy) und dem emeritierten Professor Falken (John Wood) die Welt retten.

Seit jeher hat der Kalte Krieg dem US-amerikanischen Filmwesen die Möglichkeit geboten, die Ängste der Bevölkerung (mal mehr, mal weniger) deutlich für die Generierung von Einnahmen zu nutzen. Egal ob Alien-Invasionen in den 50er Jahren, Agenten-Sausen in den 60er Jahren oder natürlich die unzähligen Action- und Söldner-Streifen der 80er, stets waren die Fronten und der Tenor klar. Da ist es geradezu wohltuend, dass die Produzenten Leonard Goldberg – der unter anderem DREI ENGEL FÜR CHARLIE (1976) produziert hatte – und Harold Schneider im Namen der United Artists ein Budget von zwölf Millionen US-Dollar auftrieben, um einen etwas anders gelagerten Film auf den Weg zu schicken.
Als Regisseur gewann man dafür zunächst Martin Brest. Nach einigen Drehtagen stellten die Produzenten aber fest, dass Brests Umsetzung des von Lawrence Lasker, Walter F. Parkes und Walon Green geschaffenen Drehbuchs deutlich zu düster ausfallen würde. Also zog man Brest nach zwölf Tagen vom Dreh ab, was dessen Karriere allerdings nicht nachhaltig schädigen konnte, sollte er doch 1984 mit BEVERLY HILLS COP – ICH LÖS‘ DEN FALL AUF JEDEN FALL oder DER DUFT DER FRAUEN (1992) noch zu beachtlichem Erfolg kommen.

Falken: General, Sie hören auf eine Maschine. Tun sie der Welt einen Gefallen und handeln sie nicht wie eine!

Für Brest übernahm dann John Badham, der mit NUR SAMSTAG NACHT (1977) und DRACULA ‘79 (1979) bereits einiges an Erfolgen vorweisen konnte, den Posten und führte die Produktion in deutlich positivere, hellere Gefilde. Denn das Drehbuch gibt mit seiner Mischung aus Teenie-Abenteuer und Kriegs-Thriller genau diese Richtung vor. So mutet vor allem die Exposition, die sich auf die schulischen Problemchen amerikanischer Jugendlicher konzentriert sehr unverfänglich an, bevor der Film sich dann mehr und mehr wandelt. Dabei behält Badham jedoch jederzeit das Augenmaß bei und lässt den Film (trotz seiner Botschaft) nicht allzu ernst werden.
Gerade in der finalen Botschaft hebt sich der Streifen dann vollends von thematisch ähnlich gelagerten Filmen jener Zeit ab. Das der lernende Computer letztlich zu dem Schluss kommt, dass der Krieg in Spiel sein, bei dem man nur gewinnen könne, indem man nicht teilnimmt, steht im deutlichen Gegensatz zu den übliche Ergüssen dieser Epoche. Und auch wenn das Ende aus heutiger Sicht etwas zu schnulzig oder versöhnlich erscheinen mag, so muss man es doch immer im zeitlichen Kontext sehen; und dann ist es für einen US-amerikanischen Film des Jahres 1983 ein beachtliches und weitblickendes Statement.

Matthew Broderick gab dann als 21-jähriger seine erste Hauptrolle und füllte die Figur nahezu perfekt aus. Er trifft mit seiner unschuldigen Mimik genau die Mischung von Teenie-Film und Thriller, die das Script vorgibt. Ally Sheedy fällt als seine Begleiterin Jennifer leider blasser aus. Ihr sind kaum relevante Handlungen zugedacht, stattdessen gibt sie diese stereotype Freundin. Hier wäre es wünschenswert gewesen, dass der Film seinen an derer Stelle gezeigten Mut auch in Sachen Frauenrollen einsetzt.
Ansonsten sind auch die kleineren Charaktere trefflich besetzt. John Wood gibt einen tollen Professor Falken (für dessen Besetzung sich die Produzenten in der frühen Vorproduktion noch John Lennon gewünscht hatten), der ständig zwischen Idealismus und Resignation schwankt und Barry Corbin gefällt als prototypischer, kriegslüsterner General. Ohnehin sind viele Rollen an der Grenze zum Klischee angelegt, ohne jedoch vollends umzukippen. Die Hacker sind eigenbrötlerische Stubenhocker, die Programmierer sind verwirrte Geister und die Militärs sind übermäßig martialisch. Auch hier zeigt Badham die nötige Fähigkeit zur Balance.

General Beringer: Gentlemen, ich muss sagen, diesen Mikrochips traue ich nicht viel weiter als ich sie werfen könnte.

Insbesondere aus heutiger Sicht charmant sind die Darstellungen des Hackens und der Computertechnik jener Jahre. Was vor 30 Jahren hochbrisante High-End-Technologie darstellte, mutet heute überaus antiquiert an und schafft so eine skurrile Brücke. Hier ist der computerbegabte, netzwerkinteressierte Jugendliche noch der Außenseiter, der bei seinen Mitmenschen auf Unwissen und –verständnis stößt. Neben der Kalten Kriegs-Thematik sicherlich ein weiterer Aspekt, der den Film wie nur wenig andere zu einem Zeugnis seiner Zeit macht.
Letztlich setzt der Film mit seiner positiven Botschaft und seiner lockeren Mixtur aus Teenager-Abenteuer und Kaltem Kriegs-Thriller einen tollen und wichtigen Kontrapunkt zur vorherrschenden (und durch Hollywood oftmals reproduzierten) Meinung jener Zeit. Und dass er darüber hinaus noch gut inszeniert und weitgehend gelungenen besetzt ist, macht ihn zu einem echten Genuss.

Teenie-Abenteuer trifft Kriegs-Thriller. Gut besetzt, zügig inszeniert und mit einer für damalige Verhältnisse unerwartet positiven und weitblickenden Botschaft versehen, kann der Streifen so vollends überzeugen. Und die aus heutiger Sicht charmant naive Umsetzung der Hacker-Thematik gibt es als Bonus dazu!

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