ALIEN³

Alien³
Alien³ | USA | 1992
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Ripley (Sigourney Weaver) landet nach einer weiteren Odyssee schließlich auf dem Gefängnisplaneten Fiorina. In dessen Station „Fury 161“ lebt eine Gruppe gläubiger Gefangener unter der Führung von Dillon (Charles S. Dutton). Ripleys einziger Freund ist der Gefängnisarzt Clemens (Charles Dance), der sie jedoch nur vor den lüsternen Gefangenen schützen kann; doch vor dem eingeschleppten Alien kann Ripley niemand retten …

Entgegen der Erwartungen von Brandywine Productions und 20th Century Fox entwickelte sich ALIENS – DIE RÜCKKEHR (1986) zu einem ähnlich großen Erfolg wie ALIEN – DAS UNHEIMLICHE WESEN AUS EINER FREMDEN WELT (1979), sodass man den beiden Produzenten David Giler und Walter Hill die Mittel für zwei weitere Sequels zusagte. Also begaben sich die Beiden bereits 1987 daran, einen Drehbuchautor zu finden, der die Geschichte (anfangs noch ohne Sigourney Weaver als Ripley) weiterführen sollte.
Doch die Arbeit am Script sollte sich zu einem nicht enden wollenden Desaster entwickeln, welches sowohl zahlreiche Autoren als auch riesige Finanzmittel in Anspruch nahm. Der Sci-Fi-Autor William Gibson durfte sich als erster versuchen, wurde jedoch schnell von Eric Red abgelöst. Doch auch dessen Script stieß bei den Produzenten aus verschiedenen Gründen nicht auf viel Gegenliebe und so engagierte man David Twohy, der kurz zuvor die Drehbücher zu CRITTERS 2 – SIE KEHREN ZURÜCK (1988) und WARLOCK – SATANS SOHN (1989) geschrieben hatte. Twohy entwickelte dann die Idee des Gefängnisplaneten, die auch Eingang in das finale Script finden sollte.

Morse: Behandle eine Hure wie eine Königin und eine Königin wie eine Hure, dann kann nichts schief gehen …

Dummerweise hatte man gerade als Twohys Script in die finale Phase ging den Regisseur Vincent Ward verpflichtet, der sich mit dieser Fassung gar nicht einverstanden zeigte und sogleich daranging, ein eigenes Buch zu schreiben. In Wards Draft steht ein hölzerner Mönchsplanet, auf dem verschiedene Glaubensrichtungen miteinander ringen, im Mittelpunkt. Bekanntermaßen sollte allerdings auch Ward die Produktion bald wieder verlassen und letztlich war es an David Giler und Walter Hill, das Script fertigzustellen. Dafür nutzten sie Ideen von Twohy und Ward und holten auch Sigourney Weaver wieder an Bord. Im Zuge dieser vier Jahre andauernden Drehbuchquerelen, verbrauchte man übrigens sieben Millionen des insgesamt 63 Millionen US-Dollar umfassenden Budgets, weil man immer wieder neue Kulissen und Requisiten anfertigte, die dann letztlich doch nie genutzt wurden.

Letztendlich stand das Script dann aber doch und mit David Fincher hatte man einen fähigen Regisseur an Bord holen können, der sich bis dato allerdings nur mit Musikvideos über Wasser gehalten hatte. Trotz zeigt Fincher – der ein paar Jahre später mit SIEBEN (1995) respektive FIGHT CLUB (1999) zu großem Ruhm gelangen sollte – eine ansprechende Leistung. Er inszeniert gekonnt und orientiert sich eher an Ridley Scotts als an James Camerons Stil. Ruhig und unaufgeregt fängt er das Geschehen ein und transportiert so geschickt das abstruse Leben im interstellaren Gefängnis. Das das Script sich am Ende arg redundant zeigt und das Finale schlicht zu lang ausfällt ist dabei sicherlich nicht Finchers Schuld, macht es ihm aber unmöglich, den Film frei von Längen zu halten.

Andrews: Wer war der Mann?
Golic: Murphy.
Andrews: Woher wissen Sie das?
Golic: Da liegt sein Stiefel!

Das liegt zu großen Teilen an der schlechten Charakterzeichnung des Films. Denn während sich ALIEN – DAS UNHEIMLICHE WESEN AUS EINER FREMDEN WELT sich auf eine kleine Mannschaft konzentrierte und ALIENS – DIE RÜCKKEHR de facto nur Ripley (diese dafür aber sehr gewissenhaft) ausformte, versucht sich dieser Film an einer derart großen Gruppe, dass die einzelnen Protagonisten zwangsläufig blass bleiben. So bekommt jeder Charakter maximal einen Wesenszug, was schnell Langeweile und das Gefühl der Austauschbarkeit aufkommen lässt. Eine Ausnahme stellt der aus dem TV-Metier stammende Charles Dance dar, der als undurchsichtiger und facettenreicher Arzt Clemens vollkommen zu überzeugen vermag.

Optisch merkt man dem Film die deutliche Budgetsteigerung gegenüber Teil Zwei (Cameron musste seinen Streifen noch mit weniger als 20 Millionen US-Dollar umsetzen) dann kaum an, was allerdings nicht ausschließlich mit den nicht genutzten Kulissen zu erklären ist. Die Sets sind zwar durchweg wertig und detailliert, lassen es aber an Abwechslung und Totalen vermissen. Auch der Mangel an Fahrzeugen und Waffen fällt schnell auf und erschwert die Beantwortung der Frage, wo das riesige Budget hingeflossen ist. Positiv bleiben hingegen die teilweise sehr blutigen Kills in Erinnerung, mit denen sich der Film wenigstens auf diesem Gebiet eine Topposition innerhalb des Franchise‘ sichert. Die CGI-Effekte, mit denen das Alien teilweise dargestellt wurde, sind wiederum ein Ärgernis und auch das neue – wieder vom Ur-Alien-Designer H.R. Giger stammende – Kreaturen-Design vermag kaum zu überzeugen.

Ripley: Hey Bishop. Wie geht‘s Ihnen?
Bishop: Mir tun die Beine weh.
Ripley: Es tut mir leid.
Bishop: Ist schon gut, ich bin nur noch ‘nen besserer Toaster.

So bleibt David Finchers Beitrag zur Reihe am Ende einer mit einem sehr faden Beigeschmack. Es ist zwar letztlich nicht sicher zu beantworten, aber es entsteht doch der Eindruck, dass Twohys beziehungsweise Wards Drehbuch einzeln besser funktioniert hätte, als der von Giler und Hill angefertigte Hybrid. Das der Streifen trotz einiger Längen unterhält, ist hingegen sicherlich Finchers Können und Weavers Präsenz zuzuschreiben. So bleibt ALIEN³ letztlich ein ordentlicher Sci-Fi-Horror-Thriller, der allerdings einige Nummer zu klein für die großen Fußstapfen seiner Vorgänger ausfällt.

Obwohl Fincher gute Arbeit leistet, Weaver solide mimt und die verschiedenen Drehbuchstadien durchaus vielversprechend schienen, kann das Ergebnis letztlich nur bedingt unterhalten. Folglich muss sich der Film klar hinter den beiden Vorgängern einordnen.

2 Antworten zu “ALIEN³

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