ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT

Zurück in die Zukunft
Back to the Future | USA | 1985
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Als Marty McFly (Michael J. Fox) sich mit der Zeitmaschine von Dr. Brown (Christopher Lloyd) zufällig ins Jahr 1955 zurückversetzt, ist es für ihn zunächst das wichtigste Anliegen, wieder zurück nach 1985 zu gelangen. Doch als wäre das in der technisch weniger beschlagenen Vergangenheit nicht schon schwer genug, verliebt sich auch noch Martys nun jugendliche Mutter Lorraine (Lea Thompson) in ihn statt in seinen Vater George (Crispin Glover); und bedroht damit Martys gesamte Existenz.

Bereits in den frühen 80er Jahren hatten Robert Zemeckis und Bob Gale die Arbeit an einem Drehbuch aufgenommen, welches sich mit der Zeitreise einen Jungen beschäftigen sollte, der dann auf seine eigenen Eltern trifft. Doch in einer Zeit, in der das US-Kino massenhaft sich gegenseitig an Härte übertreffende Actionfilme hervorbrachte, war das Interesse an der vergleichsweise zahmen Geschichte sehr überschaubar; und das weder Zemeckis noch Gale zu jenem Zeitpunkt die ganz großen Erfolg vorzuweisen hatten, vereinfachte die Suche nach einem Geldgeber auch nicht.
Also legte man das Drehbuch vorerst auf Eis und Robert Zemeckis übernahm den Regieposten bei AUF DER JAGD NACH DEM GRÜNEN DIAMANTEN (1984). Der Film entwickelt sich dann bekanntermaßen zu einem großen Erfolg und eröffnete die Möglichkeit, mit dem ungenutzten Script nochmal hausieren zu gehen. Und siehe da, sowohl Steven Spielberg (der von Anfang an Interesse an dem Projekt zeigte) mit seiner Amblin Entertainment, als auch Universal Pictures bekundeten nun ausreichendes Interesse, um das Projekt zu wirklichen. Zusammen stemmten die beiden Studios das Budget von runden 19 Millionen US-Dollar und machten so den Weg frei für die Umsetzung von Zemeckis und Gales lang gehegtem Traum.

Strickland: Kein McFly hat es bisher in der Geschichte von Hill Valley zu etwas gebracht!
Marty: Ja, aber dann wird sich die Geschichte ändern!

Dazu musste das Drehbuch jedoch teilweise massiv überarbeitet werden. So war die Zeitmaschine in den frühen Drehbuchentwürfen noch eine Kammer respektive ein Kühlschrank. Jedoch schraken die neuen Produzenten sowohl vor der Immobilität eines schlichten Raumes respektive vor der nachahmende Kinder verschluckenden Gefahr eines Kühlschranks zurück, sodass eine neue Idee hermusste. Die Entscheidung fiel auf den bekannten DeLorean DMC-12 und sorgte somit gleich für eine der großen Ikonen des Films.
Aber auch das Ende sah zunächst ganz anders aus, als das, was der Betrachter heute zu sehen bekommt. Denn ursprünglich sollte Marty mithilfe einer Atomexplosion die nötige Energie für die Rückreise auftreiben. Hier waren zwar weniger inhaltliche, als vielmehr monetäre Gründe ausschlaggebend für die Abkehr von dieser Idee, doch bei genauerer Betrachtung wird schnell deutlich, dass die umgesetzte Form deutlich besser in die Gesamthandlung einzubinden ist; und durch die Turmuhr-Zeitreise-Parabel ganz neue Möglichkeiten schuf.

Nachdem die Drehbucharbeit dann abgeschlossen war, ging es an das Casting, welches aufgrund seiner Turbulenz bis heute Berühmtheit genießt. Denn sowohl Zemeckis als auch Gale wollten von Anfang an Michael J. Fox für die Hauptrolle. Der war jedoch aufgrund der TV-Serie FAMILIENBANDE nicht zu bekommen, sodass man sich nach langen Castings schweren Herzens auf Eric Stoltz einigte. Doch nach fünf Wochen Dreharbeit äußerte sich schließlich das, was allen Beteiligten eigentlich von Vorneherein klar gewesen ist: Stoltz kann die Rolle vor allem in Sachen Komödie nicht so umsetzen, wie Zemeckis sich das erwartete.
Kurz davor die Produktion abzubrechen, schrieb man nochmals dem Management von Fox und dieser willigte schließlich doch noch ein, die Rolle zu übernehmen. Da er jedoch bei FAMILIENBANDE fest gebucht war, konnte er nur in der Nacht das Set von ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT besuchen, während Szenen die tagsüber und draußen spielen nur am Wochenende gedreht werden konnten. Bis heute gibt es übrigens einiges an Bild- und Videomaterial von den mit Stoltz‘ gedrehten Szenen zu sehen und ebenso wird bis heute spekuliert, ob nicht manch eine dieser Szenen den Weg in den fertigen Film gefunden hat.

Doc: Marty! Du musst mit mir zurückkommen!
Marty: Wohin?
Doc: Zurück in die Zukunft!

Im Gegensatz zu dieser Odyssee gestaltete sich die Anwerbung von Crispin Glover als George und Lea Thompson als Lorraine geradezu simpel. Auffälliger ist da schon, dass beide von Beginn an sowohl für die Darstellung der jugendlichen wie auch gealterten Charaktere eingeplant waren; in einer Zeit ohne CGI-Technik ein große Herausforderung für Schauspieler und Maske. Mit Christopher Lloyd und Thomas F. Wilson war der innere Cast dann schließlich gefunden und die Dreharbeiten konnten ihren Lauf nehmen.

Der fertige Film profitiert dann vor allem vom unglaublich ausgereiften Drehbuch. Die lange Fertigungszeit hat mitnichten dafür gesorgt, dass das Script sich in Details verrennt oder an Stringenz verliert – ein Schicksal, welches bereits viele sich lange in der Produktion befindliche Drehbücher eilt hat – sondern vielmehr dafür, dass jedes Detail eine Entsprechung im Verlauf des Films findet. Nichts was passiert, geschieht ohne Grund, alles wird im Verlaufe der Handlung noch einmal relevant. So gibt es selbst bei der x-ten Wiedersicht noch etwas zu entdecken und zu bemerken. Die in sich geschlossene Geschichte (das offene Ende war zunächst nur als Gag gedacht) funktioniert somit so gut, wie nur wenige andere aus ihrer Zeit.

Doc: Was trag ich denn da für einen komischen Anzug?
Marty: Tja, das ist ein Strahlenschutzanzug!
Doc: Strahlenschutzanzug? Ja, wegen des radioaktiven Niederschslags nach dem Atomkrieg!

Das ist auch den Charakteren zu verdanken, die gleich zuhauf ikonische Qualität erreichen. Michael J. Fox spielte mit Marty McFly die Rolle seines Lebens und verkörperte in seiner unbekümmerten Naivität die Sorglosigkeit einer ganzen Generation. Skateboards, Rock ‘n‘ Roll, Autos und Mädels sind das einzige was ihn zunächst interessiert, lockere Sprüche begleiten selbst die brisanteste Situation. Dabei ist die Figur irgendwo zwischen Außenseiter, Draufgänger, Mädchenschwarm und schüchternem Jungen angelegt, sodass sie nie allzu stark in eine Richtung abdriftet oder der Einseitigkeit verfällt.
Ganz anders verhält es sich mit Christopher Lloyd, der als Dr. Emmett Brown eine derart überzeichnete Rolle schafft, dass man vielfach den Eindruck hat, das berühmt Einstein-Poster wäre zum Leben erwacht. Hier wird der klassische Mad Scientist konterkariert und so dem Genrefilm enthoben und letztlich massentauglich. So wird fast jede Einstellung mit Lloyd wird zur Komödie, was maßgeblich zur guten Balance des Films beiträgt.

Diese Ausgewogenheit verdankt der Streifen des Weiteren der Regie von Zemeckis, der immer wieder geschickt zwischen Komödie, Drama und Coming-of-Ages-Story wechselt. Dabei verliert der Film nie an Schwung, sondern behält die ganze Zeit über eine unglaubliche hohe Schlagzahl an Geschehnissen und Gags bei. Diese hohe Frequenz wird dann immer wieder von einzelnen Einstellungen unterbrochen, die ganz bewusst Action und Optik in den Vordergrund stellen.
Das auch diese nicht an Drive verlieren, verdankt der Film wiederum seinem epischen Soundtrack. Der damals noch am Anfang seiner Karriere stehende – heute allerdings zu den festen Größen Hollywoods zählende – Alan Silvestri schuf einen Klang, der mittlerweile seinen festen Platz in der Popkultur gefunden hat. Neben dem unzählig oft zitiert Hauptthema sind es aber gerade die kleinen Details, die zum Funktionieren des Films betragen. Zahlreiche Geräusche und Klänge kommen immer wieder vor und markieren bestimmt Geschehnisse; und geben den Film so eine stets wiedererkennbare Geräuschkulisse.
Neben den eigens geschriebenen Stücken lebt der Film aber auch von seiner ansonsten großartigen Musikauswahl, zu der natürlich in allererster Linie die Singles The Power of Love und Back in Time von Huey Lewis (der auch einen Cameo-Auftritt als megaphonschwingender Band-Contest-Juror absolviert) and the News zählen. Aber auch die Songauswahl der 50er Jahre weiß durchweg zu überzeugen und das es am Ende in Form des Chuck Berry-Gags noch zu einer Verbindung der Komponenten Musik und Zeitreise kommt, beweist die Klasse der Drehbuchs ein weiteres Mal.

Marty: Warum nennst du mich andauernd Calvin?
Lorraine: Aber so heißt du doch, oder? Calvin Klein. Das steht jedenfalls da auf deiner Unterhose.

Für die optischen Effekte zeichnete – wohl auch Dank Spielbergs Mitwirken – Industrial Light & Magic verantwortlich. Diese schufen ein tolles Aussehen, welches jedoch nicht übermäßig mit Effekten protzt. So fällt die eigentliche Zeitreise auffallend unspektakulär auf, denn außer brennenden Reifenspuren und einigen Blitzen gibt es fast nichts zu sehen; keine Tunnel, keine umherfliegenden Uhren oder dergleichen. Viel mehr steckte man seine Energie in die Umsetzung der Sets und Kulissen, die das Thema Zeitreise ebenfalls mittragen sollten. So finden sich auch in diesen Bauten immer wieder Anspielungen auf die jeweilige Zeit oder Verbindungen mit der Zukunft/Vergangenheit. Teilweise umspannen diese sogar den gesamten Film, wie zum Beispiel der Wechsel von Two Pines Mall zur Lone Pine Mall.
Das Alles machte den Streifen dann mit einem Einspielergebnis von weltweit 380 Millionen US-Dollar zum erfolgreichsten Film des Kinojahres 1985 und zu einer Ikone seiner Zeit. Wie nur wenige andere Filme prägte sich ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT – zusammen mit den Fortsetzungen ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT II und ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT III – in die Popkultur ein und stellt bis heute einen der Filme der 80er Jahre schlechthin dar. Und das vollkommen zu Recht!

Marty McFlys Zeitreise ist ohne Zweifel einer der ganz großen Filme der 80er Jahre. Seien es nun die Musik, das unglaublich runde Drehbuch oder die perfekte Besetzung, alles an diesem Film funktioniert und verschafft dem Streifen somit vollkommen zu Recht einen festen Platz in der filmischen Popkultur.

6 Antworten zu “ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT

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