AMIGOS

Amigos
…e per tetto un cielo di stella | Italien | 1968
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der naive Larry (Mario Adorf) lässt sich mehrfach von dem gerissenen Billy (Giuliano Gemma) reinlegen und verliert so eine Menge Geld. Doch als Larry Billy endlich stellen kann, bekommt er seine Rache nicht, denn die beiden müssen vor einem mächtigeren Feind fliehen: Der finstere Samuel Pratt (Anthony Dawson) ist mit seiner Truppe hinter Billy her, weil dieser auch ihn betrogen hat. Notgedrungen arbeiten Billy und Larry fortan zusammen.

Während Giulio Petroni mit VON MANN ZU MANN (1968) und TEPEPA (1969) eher ernste und brachiale Beiträge zum florierenden Italowestern leistete, sollte er zwischen diesen beiden Streifen mit AMIGOS einen eher komödiantisch veranlagten Genrebeitrag abliefern. Dabei stellt der Film eine der sehr frühen Mixturen aus Italowestern und Komödie dar, sollte diese Mischform doch eigentlich erst Jahre später, nachdem sich der reine Italowestern inhaltlich erschöpft hatte, aufkommen.
Das Script ließ sich Petroni dann auch ganz stilecht von Mariano Laurenti schreiben, der vor allem durch Regiearbeiten zu Schmuddelkomödien wie FLOTTE TEANS – JETZT OHNE JEANS (1978) oder JETZT TREIBT SIE’S AUCH NOCH MIT DEM PAUKER (1979) zu einiger Bekanntheit gelangt war. Unter Mithilfe von Alberto Areal entstand dann ein Script, welches vor allem große Probleme mit einem zusammenhängenden Spannungsbogen aufweist. Zu episodenhaft, zu wenig zusammenhängend wirken die einzelnen Geschehnisse. Das sorgt dann wiederum dafür, dass es sehr schwer fällt, die entstehende Freundschaft (trotz einiger gelungener, da dramatischerer Szenen) zwischen Billy und Larry nachzuvollziehen und das Ende dementsprechend nur bedingt Emotionen zu wecken vermag.

Larry: Sogar die Meerjungfrau ist ein Schwindel!

Die Hauptrollen gingen dabei an Giuliano Gemma und Mario Adorf. Gemma – der seit ADIOS GRINGO (1965) einen festen Platz unter den Stars des Genres inne hatte, gibt dabei einen schlitzohrigen Draufgänger, dem es allerdings schwer fällt, die Sympathien der Zuschauer zu binden, da er zu unstet und undurchsichtig agiert. Mario Adorf – der dem Genre mit HAUT FÜR HAUT (1960) sogar den Weg geebnet hatte – erscheint hier hingegen als dümmlicher Gegenpart zu Gemma, der jedoch derart albern agiert, dass auch er nur wenig Identifikation zu schaffen vermag.

Immer wieder legt das Script Adorf blanke Dummheiten in den Mund oder lässt ihn nur allzu oft in Slapstick fallen. Das sorgt letztlich dafür, dass es dem Film trotz zweier ebenso bekannter wie fähiger Hauptdarsteller an einer gelungenen, den Zuschauer mitreißen Figur(-enkonstellation) fehlt. Anthony Dawson liefert als harter Bösewicht zwar problemlos ab, bekommt aber zu wenig Screentime, um wirklich im Gedächtnis zu bleiben.
Das episodenhafte Drehbuch schlägt sich dann auch in Petronis Regiearbeit wieder, die hier immer wieder abgehakt und im Ganzen einfach unrund wirkt. Ebenso tut sich Petroni mit den immer wieder aufblitzenden Albernheiten schwer und findet so letztendlich zu keinem gleichmäßigen Stil. Einzelne eindrucksvolle Totalen oder die durchweg gelungene Szenen, in der Larry gehängt werden soll, stellen da lediglich kleine Lichtblicke dar.

Billy: Hast du Angst, Amigo?
Larry: Nein, mir ist nur kalt!

Selbst der Beitrag von Ennio Morricone schließt sich dieses Mal den übrigen Elementen des Films an, und während seine Klänge es ansonsten oftmals schafften, auch einen durchschnittlichen Streifen noch deutlich aufzuwerten, so bleibt der Sound dieses Mal ebenfalls nur im Mittelfeld. Es mangelt an experimentellen Klängen, der Großteil beruht auf zwei Themen, die sich ständig abwechseln.
Gerade nach der äußerst gelungenen Eröffnung, die in ihrer Härte und Treffsicherheit einen ganz anderen Film in Erwartung stellt, muss man leider zu dem Schluss kommen, dass der alternative deutsche Titelanhang Die (B)Engel lassen grüßen den Betrachter tatsächlich gut auf das da Kommende vorbereitet. Leider.

Eine unausgegorene Mixtur aus Komödie und Italowestern, die das eigentliche Können ihrer Darstellerschaft sträflich missachtet und letztlich am kaum vorhandenen Spannungsbogen scheitert.

4 Antworten zu “AMIGOS

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