VIER GNADENLOSE RÄCHER

Vier gnadenlose Rächer
Can Que | Hongkong | 1978
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Dao Chang (Feng Lu), dem Sohn der Gouverneurs Dao Tian-du (Kuan Tai Chen), werden als Kind die Arme abgehackt, was dafür sorgt, dass er im Erwachsenenalter sehr verbittert ist und im Auftrage seines Vaters andere Menschen verkrüppelt. Vier seiner Opfer, versehen mit verschiedenen Behinderungen, tun sich schließlich zusammen und lassen sich von Meister Li Jing-ying (Miao Ching) ausbilden um sich an ihren Peinigern zu rächen.

Als sich die 70er Jahre, und somit auch die Hochzeit der von den Shaw Brothers produzierten Martial-Arts-Filme, dem Ende entgegen neigten, mussten sich die etablierten Filmschaffenden des Genres immer neuen Kniffe einfallen lassen, um den Zuschauern noch etwas Überraschendes, etwas Innovatives zu bieten. Der Genre-Veteran Chang Cheh, der den modernen Martial-Arts-Film einst mit Streifen wie DAS GOLDENE SCHWERT DES KÖNIGSTIGERS (1967) oder DAS SCHWERT DES GELBEN TIGERS (1971) begründet hatte, nutzte diesen schöpferischen Druck, um die Idee des erstgenannten Frühwerkes auf die Spitze zu treiben. Zusammen mit seinem zu dieser Zeit bevorzugten Drehbuchschreiber Kuang Ni, der unter anderem das Drehbuch für Chia-Liang Lius DIE 36 KAMMERN DER SHAOLIN (1978) geschrieben hatte, fertigte Cheh dann ein Script an, dass – vor allem aus personeller Sicht – eine Weiterführung seines sehr erfolgreichen DIE UNBESIEGBAREN 5 (1978) darstellte; jedoch erweitert um den Aspekt des durch eine Behinderung entstandenen Handicaps, welche schon bei DAS GOLDENE SCHWERT DES KÖNIGSTIGERS Verwendung fand.

Wache: Was wollt ihr? Und wer seid ihr überhaupt?

Das endet dann in vier Personen, die allesamt unterschiedliche Behinderungen erleiden und sich für ebendiese zu rächen gedenken. Wirkt die Story zunächst noch etwas holzschnittartig, da sowohl die Verletzung Dao Changs, als auch dessen Gräueltaten durchweg antriebs- und motivationslos erscheinen, so bekommt das Script in der Folge die Kurve und präsentiert dem Betrachter eine gelungene und relativ durchdachte Rachegeschichte. Vor allem das langsame Voranschreiten des Racheplans weiß zu gefallen und hebt sich angenehm vom sonst üblichen Hau-Ruck-Verfahren im Genre ab. Die Behinderungen der vier Helden werden dabei sowohl inhaltlich als auch formal aufgegriffen, was sich zum Beispiel im fehlenden Ton während der Kämpfe des Tauben oder in Spielen mit Dunkelheit während der Kämpfe des Blinden darstellt. Auch das Zusammenwirken der verschiedenen Beeinträchtigungen ist immer wieder einfallsreich und gelungen inszeniert, was die ohnehin schon gut choreographierten Kämpfe zusätzlich auflockert.

Denn hier spielt Chang Cheh seine ganze Erfahrung aus und präsentiert äußerst ausgereifte Kung Fu- sowie Stab- und Schwertkampfsequenzen. Dabei wechseln sich schnelle und harte Kämpfe mit fast schon Ballett-artig anmutenden Übungssequenzen ab. Abgerundet wird diese Mixtur durch für die Cheh typische überzeichnete Gewaltdarstellung, die sich dieses Mal in zahlreichen abgetrennten Gliedmaßen oder herausquellenden Innereien äußert. Insgesamt also wieder einmal eine mehr als überzeugende Kampf- und Gewaltdarstellung, die maßgeblich zum kurzweiligen Filmerlebnis beiträgt. In Sachen Darstellerschaft setzt Chang Cheh dabei wieder auf die Five Venoms (beziehungsweise The Venom Mob). Diese hatten in DIE UNBESIEGBAREN 5 ihren Durchbruch als Kampfteam gefeiert und zeigen auch hier wieder, warum sie einen derart guten Ruf genießen. Während Sun Chien als Kämpfer mit eisernen Beinen zwar etwas blass bleibt, weil er außer ein paar blutigen Kills kaum etwas zum Geschehen beiträgt, kann vor allem das Zusammenspiel von Meng Lo und Kuo Chui überzeugen. Als Team aus Blinden und Taub-Stummen zeigen die Beiden immer wieder tolle Szenen, in denen sie sich gegenseitig helfen und ihre Handicaps so kompensieren.

Chen Shuen: Wirklich erstaunlich, einem Bastard wie dir hätte ich das gar nicht zugetraut. Solche Speichellecker wie du sind im Allgemeinen viel dümmer.

Sheng Chiang bleibt dann als geistig Behinderter sicherlich Geschmackssache, fällt seine Darstellung doch allzu oft etwas übertreiben und albern aus. Nichtsdestotrotz zeichnet er für ein paar der beeindrucktesten akrobatischen Darbietungen des Films verantwortlich (und je nach Geschmack sicherlich auch für ein paar Lacher). Feng Lu schließlich steht seinen Darstellerkollegen diesmal als Antagonist gegenüber, der allerdings außer ein paar Schandtaten kaum Relevanz genießt; obwohl seine Metallarme hier sicherlich noch mehr Optionen geboten hätten. Da die vier Rächer sich dann angenehm abwechslungsreich durch die Reihen der Bösewichte schnetzeln und Cheh die Spannung dank seiner gekonnten und variationsreichen Inszenierung bis zum – zugegebenermaßen etwas flachen – Finale hoch hält, gibt es an diesem Vertreter des späten Martial-Arts-Kinos wahrlich nicht viel zu meckern; die Rache der Crippled Avengers unterhält durch und durch …

Chang Cheh liefert hier einen ebenso abgedrehten wie gekonnten Martial-Arts-Reißer, der vor allem dank des einfallsreichen Zusammenspiels der verschiedenen Behinderungen der Charaktere für angenehme Abwechslung in einem zu jenem Zeitpunkt langsam erschöpften Genre sorgt.

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Eine Antwort zu “VIER GNADENLOSE RÄCHER

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