JAMES BOND 007 JAGT DR. NO

James Bond 007 jagt Dr. No
Dr. No | Großbritannien | 1962
IMDb, OFDb, Schnittberichte

James Bond (Sean Connery) wird nach Jamaika entsandt, um dort den Tod des MI-6-Agenten Strangways aufzuklären. Schnell stellt Bond fest, dass sich vor Ort eine Bedrohung zusammenbraut, die die gesamte Welt ins Unglück zu stürzen droht. Grund dafür ist der mysteriöse Dr. No (Joseph Wiseman), der auf einer geheimen Insel mit radioaktivem Material und Raketensteuerungen herumexperimentiert.

Der ehemalige Geheimagent Ian Flemming schrieb zwischen 1953 und seinem Tode im Jahre 1964 insgesamt zwölf Romane und zwei Kurzgeschichten, die sich um den von ihm erfundenen Geheimagenten James Bond drehten. Bereits 1954 wurde der erste Roman Casino Royale dann in Form des TV-Films CASINO ROYALE verfilmt und im Zuge der Serie CLIMAX! ausgestrahlt. Jedoch nahm kaum jemand Notiz von diesem Streifen und so sollte es bis zum Anfang der 60er Jahre dauern, bis der englische Geheimagent einen weiteren Filmauftritt – dieses Mal jedoch auf der großen Leinwand – unternehmen sollte.
Denn zu dieser Zeit fanden sich die beiden Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman zusammen. Letzterer hatte die Filmrechte an den Romanen auf eine gewisse Zeit begrenzt erworben und geriet so langsam in zeitliche Bedrängnis, als er mit Broccoli endlich einen finanzkräftigen Partner fand. Zusammen gründeten die Beiden dann die Produktionsgesellschaft Eon Productions, die in den nächsten Jahrzehnten für sämtliche Bond-Abenteuer verantwortlich zeichnen sollte. Man schloss sich dann mit United Artists zusammen, die den Film vermarkten sollten und kam so auf ein Budget von rund einer Millionen US-Dollar; ein für damalige Verhältnisse äußerst beeindruckender Wert.

M: Ihre Doppelnullnummer bedeutet, Sie dürfen notfalls einen Gegner erschießen – nicht er Sie!

Da der Stil des Films (und vor allem der der Titelfigur) aufgrund der bis dato erschienen acht Romane jedoch weitestgehend vorgegeben war, gestaltete sich die Suche nach der Besetzung und dem Stab nicht ganz einfach. So stellte der Regisseur Terence Young zwar nicht die erste Wahl dar, bekam den Job aber trotzdem, da Broccoli ihn bereits von verschiedenen Zusammenarbeiten kannte; aufgrund des von Young dann dargebotenen furios schnellen Inszenierungsstils eine sicherlich wegweisende Entscheidung.
Parallel dazu gestaltete sich allerdings auch die Umsetzung des Drehbuchs alles andere als einfach. Während der Frühphase verlor der Autor Wolf Mankowitz gar den Glauben an einen Erfolg des Films und ließ seinen Namen aus dem Script streichen. Trotzdem arbeiteten mit Richard Maibaum, Johanna Harwood und Berkely Mather, sowie Terence Young selbst, noch vier Personen an dem Buch, welches sich immer wieder der Anforderung gegenüber sah, den Roman für die Leinwand anzupassen oder aber optisch spektakuläre Momente hinzuzufügen.

Diese Unsicherheit ob des Erfolges (bis heute besteht das Gerücht, dass die Abkürzung im Namen der Produktionsfirma Eon für Everything or Nothing steht; was jedoch ebenso beständig dementiert wird) zog sich wie ein roter Faden durch die Vorproduktionen und spiegelt sich vor allem in der Suche nach der Hauptrolle wieder. Denn hier wurde unzählige Darsteller eingeladen und getestet. Doch während sich die Produzenten immer wieder mit dem Gebotenen zufrieden gaben, entschieden sich die meisten Schauspieler (darunter auch der später als Bond auftretende Roger Moore) gegen ein Engagement; zu groß erschien ihnen die Gefahr, durch die Teilnahme an dem von vorneherein als Serie geplanten Projekt zu sehr eingeengt und auf eine Rolle reduziert zu werden.
Doch schließlich wurde man auf den 31-jährigen Schotten Sean Connery aufmerksam, der die Produzenten mit seinem Charisma und seiner massiven Statur schnell für sich einnahm. In der Folge nach Terence Young Connery unter seine Fittiche und verlieh im das typische Auftreten eines James Bond. Denn Young war selbst ein Freund des teuren Lebensstils und kannte sich bestens mit Kleidungsmarken, Champagner und Zigarren aus. All dieses Gehabe (welches Young übrigens auch an seinen Sets an den Tag zu legen pflegte) gab er Connery mit auf den Weg, der es wiederum brillant auf die Leinwand übertrug und somit den Stil der Rolle James Bond schon bei dessen ersten Auftritt festlegte.

Bond: Sind Sie gar nicht zur Schule gegangen?
Honey: Das brauchte ich nicht. Wir hatten ein Konversationslexikon. Ich habe mit acht bei A angefangen und jetzt bin ich bei P. Ich wette, ich weiß eine ganze Menge mehr als Sie!

So finden sich im Film dann auch zahlreiche Momente, in denen Bonds Charakter ausformuliert wird. Seien es die zahlreichen Liebeleien, die Bond als gewohnt empfindet oder der ständige Alkoholkonsum. Stets kommentiert er die Situation gelassen und nie bringt ihn etwas aus der Ruhe. Die Figur wird so schnell überlebensgroß und wird lediglich durch ihre hintergründige Kühle wieder geerdet. Denn mehrfach blitzt hinter der lebemännischen Fassade der überlegte Agent auf, zum Beispiel, wenn Bond einen Eindringling am Boden liegend erschießt oder er mehrfach Tode flapsig bis emotionslos kommentiert. Das tut der Rolle gut und bewahrt sie davor, vollends in Richtung Karikatur abzudriften.
Die Schweizerin Ursula Andress stellt dann neben den Britinnen Zena Marshall und Eunice Gayson die zentrale weibliche Rolle dar und etabliert mit ihrer Darbietung sogleich das typische Bondgirl. Sie entsteigt dem Wasser und ist fortan nur dazu da, Bond einen menschlichen Grund für den Kampf gegen Dr. No zu liefern, denn ansonsten ist ihr inhaltlich leider keine Rolle zugedacht. Das sollte sich im Zuge des Franchise‘ glücklicherweise noch ändern, in diesem Film allerdings dient Andress nur als Love-Interest. Was ihre Leistung jedoch nicht schmälern soll, hat sie doch neben Bonds eigener Exposition den denkwürdigsten Auftritt im Film.

Da kann Joseph Wiseman als Widersacher Dr. No leider nicht ganz mithalten. Denn obwohl seine Darstellung des egomanischen Welteroberers durchweg gelungen ist und ebenfalls konstituierende Funktion für viele folgende Bond-Antagonisten hat, bekommt er schlicht zu wenig Screentime um wirklich in Erinnerung zu bleiben. De facto besteht sein Spiel nur auf seiner Unterhaltung bei Tische mit Bond sowie seinem Ableben. Das ist auf der einen Seite schlicht zu wenig um zur Ikone zu werden und stellt auf der anderen Seite eine Personifikation des Hauptproblems des Films dar.
Denn der Streifen verwendet die ersten 85 Minuten auf eine aufwändige Darstellung von Bonds ersten Nachforschungen und stürzt sich erst danach in das wilde, optisch opulente Abenteuer auf der Insel Crab Key. Das ist dramaturgisch unglücklich, denn sobald Bond das Inselparadies betritt gewinnt der Film massiv an Fahrt und haut seinem Zuschauer fortan zahlreiche tolle Kulissen um die Ohren. Und macht somit erst dann genau das, was der Zuschauer von einem exotischen Agenten-Abenteuer erwartet.

Dr. No: Bedauerlicherweise habe ich Sie falsch eingeschätzt, Bond. Sie sind nur ein dummer Polizist!

Neben den tollen Außenaufnahmen von Jamaika (eine für damalige Verhältnisse äußerst exotische Kulisse) beeindrucken vor allem die von Bühnenbildner Ken Adam geschaffenen Inneneinrichtungen. Diese sind ebenfalls stilbildend für die folgenden Filme und etablieren gekonnt den leicht futuristischen Stil, der das Franchise auszeichnen sollte. Anzahl und Detailfülle der Sets machen dabei schnell vergessen, dass das Budget „lediglich“ eine Millionen US-Dollar betrug und sorgen dafür, dass der Film einen optischen Leckerbissen für Freunde aufwendiger Ausstattung darstellt.
Und auch wenn zahlreiche Kritiker den Film nach der Premiere aufgrund der von Bond begangenen Gewalttaten abstraften, so nahm ihn das Kinopublikum doch mehr als wohlwollend auf und machte ihn zu einem massiven Erfolg; der allein in Großbritannien mit runden 16 Millionen US-Dollar sein Budget mit Leichtigkeit wieder einspielte. Broccoli und Saltzman sahen sich in ihrer Entscheidung, diese Filmreihe in Angriff zu nehmen, mehr als bestätigt und sollten mit ihrer Eon Productions in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch viele weitere Bond-Filme realisieren.
JAMES BOND 007 JAGT DR. NO stellt somit den etwas kantigen, aber nichtsdestotrotz gelungenen – und vor allem die zentralen Merkmale des Franchise‘ etablierenden – Auftakt der erfolgreichsten Filmereihe aller Zeiten dar und hat sich somit seinen Platz in den Analen mehr als verdient. Dass er noch nicht (zur Gänze) die Klasse manch späteren JAMES BOND-Films erreicht, muss man ihm dabei nicht vorwerfen …

Der Grundstein der Bond-Filme konstituiert bereits die Eckpfeiler der Reihe und kann darüber hinaus – von kleineren dramaturgischen Schwächen abgesehen – bestens unterhalten.

10 Antworten zu “JAMES BOND 007 JAGT DR. NO

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