VON MANN ZU MANN

Von Mann zu Mann
Da uomo a uomo | Italien | 1967
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Bill (John Phillip Law) muss als kleiner Junge mit ansehen, wie seine Eltern und seine Schwester von einer mord- und raubbegierigen Bande ermordet werden. Er schwört Rache und geht als junger Mann an deren Umsetzung; doch dem steht Ryan (Lee Van Cleef) im Wege, der von ebenjener Bande lieber Geld möchte, weil er von ihr verraten wurde und 15 Jahre im Knast saß. Fortan stehen Bill und Ryan im Wettstreit darum, wer von Beiden seine Rache vollführen kann.

Sergio Leone hatte dem Italowestern mit seiner DOLLAR-TRILOGIE einen derart überlebensgroßen Startschuss verpasst, dass viele der in den folgenden Jahren zahlreich produzierten Genrekollegen sich auf die eine oder andere Weise an diesen Werken orientierten. Manche wählten die gleiche Storyline, andere setzten auf ähnliche Schauspieler oder die gleiche Musik. Der Regisseur Giulio Petroni entschied sich gleich für mehrere dieser Elemente und muss seinen einzigen Italowestern folglich an sehr hohen Maßstäben messen lassen.
So stammt das Script von Luciano Vincenzoni, der schon an den Drehbüchern zu FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR (1965) und ZWEI GLORREICHE HALUNKEN (1966) beteiligt war. Im Kern handelt es sich dabei um eine gradlinige Rachegeschichte, die wenig Wendungen und Überraschungen bereithält. Trotzdem wird ständig etwas geboten und die zahlreichen Ortswechsel gestalten das Dargebotene angenehm abwechslungsreich. Leider fällt das Ende etwas zu zahm aus, hier wäre etwas mehr Konsequenz wünschenswert gewesen. Letztlich kann die Story aber trotz ihres stereotypen Verlaufs gut unterhalten.

Ryan: Ich habe die Angewohnheit mich zu verteidigen, wenn ich überfallen werde.
Sheriff: Und Sie verteidigen sich besser, als Sie überfallen werden …

Hautverantwortlich dafür ist die Besetzung von Lee Van Cleef; und somit eine weitere Parallele zu Leones Arbeiten. Van Cleef hatte neben der DOLLAR-TRILOGIE auch in Sergio Solimas DER GEHETZTE DER SIERRA MADRE (1966) brilliert und gehörte somit bereits zu den absoluten Aushängeschildern des Genres. Folgerichtig liefert er auch hier eine tolle Leistung ab, die dem Film den nötigen Charme verleiht. Immer zwischen Überheblichkeit und Demut schwankend nimmt Van Cleef den Zuschauer ganz für sich ein und steckt John Phillip Law so spielend in die Tasche.
Denn Law – der in der Folge als Nebenrolle in BARBARELLA (1968) mitwirkte und als Hauptrolle in GEFAHR: DIABOLIK (1968) auftrumpfte – stellt hier eine eher unglückliche Wahl dar. Seine Rolle orientiert sich (auch in Sachen Kleidung und Auftreten) klar an Clint Eastwoods Darbietungen, erreicht deren Brillanz aber zu keinem Zeitpunkt. So erweckt der Film mehrfach den Eindruck, die Konstellation aus FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR (1965) nachahmen zu wollen, scheitert daran jedoch immer wieder; zu blass, zu konturlos bleibt Laws Spiel. Das wäre für sich genommen nicht allzu schlimm, da einem der Vergleich zu Leones Film aber geradezu aufgezwungen wird, fällt es umso mehr ins Gewicht.

Mit Luigi Pistilli und Mario Brega gibt es dann weitere Leone-Veteranen zu sehen, die hier als Antagonisten gewohnt gute Arbeit abliefern. Vor allem Pistilli scheint die Rolle des niederträchtigen Walcott wie auf den Leib geschneidert zu sein, sodass dieser in seinen Szenen wahrlich zu glänzen vermag. In Anbetracht der Wichtigkeit eines gelungenen Widersachers ein erwähnenswerter Umstand.
Die Musik liefert (natürlich) Ennio Morricone, was allerdings kaum als Parallele zu Leones Filmen zu sehen ist, da Morricone an der absoluten Mehrzahl der Italowestern beteiligt war. Trotzdem vermag dessen Arbeit auch diesmal wieder vorbehaltlos zu überzeugen und bietet wieder einmal die gewohnte Mixtur als brachialen Chorälen und experimentellen Klängen und Geräuschen.

Mädel: Schnell, Sie müssen fliehen!
Ryan: Wieso?
Mädel: Die werden Sie erschießen!
Ryan: Bevor mich einer erschießt, muss er sich erst erkundigen, ob mir das recht ist!

Petroni inszeniert all diese Zutaten dann erstaunlich routiniert und mischt geschickt Totalen mit Nahaufnahmen und Kamerafahrten. Er setzt seine beiden Hauptrollen immer wieder gekonnt in Szenen und liefert eine (trotz der erwähnten inhaltlichen Inkonsequenz) formal äußerst gelungen Finalsequenz. Eine Serie von (farblich und formal stringenten) Rückblenden gibt dem Film weiterhin Kontur und unterstützt das Rachemotiv simpel aber effektiv.
So kann man dem Film letztlich nichts vorwerfen: Eine einfache Geschichte wird geschickt und mit tollen Schauspielern (von denen nur John Phillip Law etwas abfällt) dargeboten. Eine gelungene Inszenierung, tolle Musik und die genreüblichen Ikonen (hier: das Eingraben von Opfern bis zum Halse) geben dem Film weiteren Konturen und machen ihn zu einem wirklich guten Italowestern; der sich aber aufgrund der übermächtigen Vorbilder nur in der zweiten Riege des Genres wiederfindet. Denn für einen Platz ganz vorne reicht es leider nicht, was dem Filmgenuss jedoch keinen Abbruch tun sollte …

Gelungener Italowestern, der sein Rache-Sujet vor allen Dank Lee Van Cleefs Darbietungen und Petronis gekonnter Inszenierung gelungen darzubieten vermag. Kein Meilenstein, aber feine Genre-Unterhaltung.

4 Antworten zu “VON MANN ZU MANN

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