UM KOPF UND KRAGEN

Um Kopf und Kragen
Hooper | USA | 1978
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Sonny Hooper (Burt Reynolds) ist ein alternder Stuntman, dem mittlerweile selbst kleinere Kunststücke starke Schmerzen bereiten. Da kommt ihm der Emporkömmling Ski (Jan-Michael Vincent) ziemlich ungelegen, macht ihm dieser doch seine Rolle als Nr. 1 streitig. Obendrein hat Sonny dann noch Probleme am Set seines aktuellen Films, sowie mit seiner Frau Gwen (Sally Field).

Nachdem er die gesamten 60er und 70er Jahren mit Stuntdarbietungen für über 4.500 TV-Episoden und über 300 Spielfilme verbracht hatte, und sich dabei über 50 Knochen (und zweimal den Rücken) gebrochen hatte, war es für Hal Needham gen Ende der 70er Jahre langsam soweit, sich einen weniger gefährlichen Job in der Filmindustrie zu suchen. Also nahm er auf dem Regiestuhl Platz und ließ fortan andere Herrschaften vor der Kamera umherspringen. Das gelang dann bei seiner ersten Regiearbeit EIN AUSGEKOCHTES SCHLITZOHR (1977) derart gut, dass der Produzent Lawrence Gordon auf ihn aufmerksam wurde. Gordon war im selben Jahr mit den Walter Hill-Streifen DRIVER (1978) und DIE WARRIORS (1979) erfolgreich gewesen und erkannte, dass Needhams Erstling vor allem aufgrund des Mitwirkens des sich gerade neu erfindenden Burt Reynolds so gut funktioniert hatte, was diesem sogleich das nächste Engagement einbrachte.

Sonny: Was macht ihr denn hier?
Typ: Kongress!
Sonny: Was denn, Kongress der Arschlöcher?

Und wenn zwei ehemalige Stuntmen – denn auch Reynolds hatte vor seiner Schauspielerkarriere einige Zeit als solcher gearbeitet – zentrale Rollen in einer Produktion besetzten, dann ist die Handlung geradezu vorherbestimmt. So lieferte die vierköpfige Schreiberschaft dann ein Script über einen alternden Stuntman, der mit der Jugend und dem Alter, seiner der Frau und seinem Job zu kämpfen hat. Dabei kommen zwar immer wieder ernste Töne vor, allerdings überwiegt die Komödie stets und fängt allzu theatralische Momente schnell wieder ein. Trotzdem wird gerade das Thema Altern mehrfach aufgegriffen und gibt dem Film so einige selbstreflexive Momente, was Needhams und Reynolds Karrieren anbelangt.

Der Großteil der Story widmet sich aber spaßigen Szenen und Albereien im Kontext der Stuntarbeit. Fast alles, was passiert, spielt sich im Umfeld von fiktiven Dreharbeiten ab und lässt Reynolds in der Hauptrolle stets genug Platz, um seine Mixtur aus Albereien und Action darzubieten. Das mag stellenweise etwas naiv wirken, steht aber in dieser Form stellvertretend für eine riesige Anzahl an US-amerikanischen Filmen der späten 70er Jahre. Selbst das Ende, welches immerhin auch die Option des Ablebens für die beiden Helden bereithält, wird mit flapsigen Sprüchen beschlossen und konterkariert; da fällt der Umstand, dass die Geschehnisse von der Handlung mehr als unzureichend begründet werden schon gar nicht mehr ins Gewicht.
Und genau das ist die Essenz des Films: Es geht nicht um feinfühlige Charakterzeichnung oder ein großes Drama, sondern um eine Geschichte über Stuntmen und deren Probleme, die vornehmlich unterhalten soll. Flotte Musik und ständige Action, dumme Sprüche und inhaltliche Ungereimtheiten verbinden sich zu einem unbeschwerten (Sonntagnachmittag-)Spaß, der sich keine großen Gedanken macht; und über den man sich als Zuschauer auch keine machen sollte.

Reynolds spielt seine Rolle dann deckungsgleich zu seinen Darbietungen des Bandit aus EIN AUSGEKOCHTES SCHLITZOHR und liefert so sicherlich eine seiner gelungeneren Leistungen ab. An seiner Seite wurde Sally Field gleich beibehalten, die leider wieder einmal nur gut aussieht, inhaltlich aber sträflich unbeachtet bleibt. Außer der Funktion der meckernden oder lachenden Ehefrau gesteht ihr das Script leider keinen sinnvollen Beitrag zu, schade. Dafür darf Hollywood-Veteran Brian Keith als deren Vater und Sonnys Freund und Vorbild auftrumpfen und den Film mit seiner paternalistischen Präsenz deutlich bereichern. Jan-Michael Vincent bleibt als junger Stuntman hingegen leider blass. Eine mögliche Vater-Sohn-Konstellation mit Reynolds wird zwar mehrfach angedeutet, allerdings nicht konsequent genutzt. Das mag zwar dem vornehmlich komödiantischen Drehbuch entsprechen, verschenkt aber gleichzeitig eine gute Möglichkeit, dem Film Tiefe zu verleihen.

Wirt: Sonny, wenn du so voll bist, dass du sogar was mit Debbie anfängst, dann wird es Zeit, dass wir dir ein Taxi rufen …

Stattdessen gibt es dann Actiondarbietungen ohne Ende. Egal ob Fallschirmsprünge, Wagenrennen, Autoverfolgungen oder Motoradstunts, der Film ist eine Liebeserklärung an den klassischen Stuntman. Hier hauen sich noch echte Kerle (ein) rein, die wirkliche Bedrohungen auf sich nehmen um Zuschauer zu beeindrucken. Ständig schweben sie in der Gefahr, nie gibt es einen doppelten Boden. Das Finale überzeichnet all das dann zu einer schieren Höllenfahrt, die im finalen Sprung über eine zerstört Brücke gipfelt. Zu diesem Zeitpunkt hat der Film längst jeden Bodenkontakt verloren und überschüttet den Zuschauer nur noch mit Sequenzen nach dem Prinzip höher, schneller, weiter.
Das die beiden Recken dann, nachdem sie den mörderischen Stunt ohne Schutzkleidung oder Vorbereitung hinter sich gebracht haben, einfach aus ihrem Wagen steigen und dumme Sprüche kloppen (die deutsche Synchronisation leistet in diesem Punkt den ganzen Film über Höchstarbeit), fasst den Film de facto noch einmal zusammen: Reynolds und Kumpanen machen hier über die komplette Spielzeit hinweg Stunts und blödeln herum. Wer auf derartige Unterhaltung steht, der findet hier somit einen äußerst trefflichen Vertreter des Genres Action-Komödie.

Needham und Reynolds bauen ihren Karrieren als Stuntmen hier ein Denkmal. Dabei kommt zwar kein übermäßig guter oder gewiefter Film heraus, aber anspruchslose Unterhaltung par Excellence.

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