PLAY MOTEL

Play Motel
Play Motel | Italien | 1979
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Geschäftsmann Rinaldo Cortesi (Enzo Fisichella) trifft sich mit der hübschen Loredana (Marina Hedman) in einem römischen Hotel, um dort seine sexuellen Fantasien wahr werden zu lassen. Doch kurz darauf wird er erpresst und seine Frau beauftragt Inspektor De Sanctis (Anthony Steffen) mit den Ermittlungen. Doch kaum beginnt dieser mit den Untersuchungen, kommt es zu den ersten Morden.

Das ausgefallene Liebesspiel zwischen einem als Priester verkleideten Geschäftsmann und seiner splitternackten Gespielin wird durch einen doppelverglasten Spiegel von einer jungen, hübschen Frau bobachtet. Von hinten nähert sich ein mit schwarzen Handschuhen bewährter Unbekannter, der die Voyeurin per Strangulation dem Tode übergibt. Nahaufnahmen der Augenpartie des Opfers lassen den Betrachter die letzten Sekunden ihres Lebens hautnah begleiten.
Diese Sequenz gehört zu den wenigen, die dem Betrachter von Mario Gariazzo Spät-Giallo die Genrezugehörigkeit des Werkes deutlich machen. Daneben gibt es noch ein eigentlich nicht involviertes Pärchen, welches dem örtlichen Inspektor zur Hand geht und so ungewollt in die Schusslinie gerät, sowie eine Handvoll anderer – jedoch äußerst uninspiriert inszenierter – Morde. Der Rest ist ein Sleaze-Abenteuer, welches sich deutlich mehr an den expliziten Auswüchsen des italienischen Kinos der späten 70er orientiert, als an den feinen Kriminalgeschichten, die den Beginn jenes Jahrzehnts prägten.

Stop by the Play Motel and have a lot of fun! (Soundtrack)

So stellt sich die Geschichte dann schnell als sehr konstruierte Klamotte heraus, die mit schöner Regelmäßigkeit in die Betten des namensgebenden Hotels zurückkehrt, um dort eine ganze Reihe ausgefallener Sexszenen zu präsentieren. Die Ermittlungen zwischendurch wirken nicht nur unlogisch und albern, sondern verbreiten aufgrund dessen auch schnell Langeweile.
Dafür haut Gariazzo dann aber zahlreiche Schmuddelszenen raus, die nicht nur durch ihre bizarren Darbietungen unter Zuhilfenahme von Kostümen und Sektflaschen beeindrucken, sondern auch aufgrund ihrer äußerst expliziten, dem Hardcore zuzurechnenden Einschübe. Immer wieder gibt es Oralverkehr und andere eindeutige Aufnahmen zu sehen und auch wenn der Film nie im engeren Sinne Hardcore-pornographisch zu Werke geht, so gibt es doch mehr zu sehen als in anderen Sexploitation-Streifen. Zusammen mit dem großartigen Soundtrack von Ubaldo Continiello, der auch schon für Deodatos MONDO CANNIBALE 2 – DER VOGELMENSCH (1977) die Musik beisteuerte, entwickelt der Streifen so eine Sleaze-Potenzial, das sich wirklich sehen lassen kann.

Auf Seiten der Schauspieler gibt es dann erstaunlich viele bekannte Namen zu nennen. Allen voran muss hier Ray Lovelock genannt werden, der fünf Jahre zuvor in Jorge Graus Zombie-Knaller DAS LEICHENHAUS DER LEBENDEN TOTEN (1974) sein Können bewiesen hatte. Auf Seiten des Gesetzes steht Anthony Steffen, dessen Rolle hier allerdings an der erwähnten dümmlichen Ermittlungsarbeit krankt. Trotzdem verleiht der ehemalige Italowestern-Heroe, der 1972 mit INFERNO UNTER HEIßER SONNE bereits sleazige Giallo-Erfahrung gesammelt hat dem Film einiges an Größe. Anna Maria Rizzoli und Marina Hedman geben daneben noch die hübschen Mädels, die hier allerdings erwartungsgemäß auf ihre Physiognomie reduziert werden.

De Sanctis: By the way, next time if you feel like making love, find a motel without mirrors!

Da derartige Werke (Mario Landis GIALLO A VENEZIA (1979) ist da Übrigens ganz ähnlich gelagert) einen sehr begrenzten Interessentenstamm bedienen, hat es PLAY MOTEL nie zu einer über die Grenzen Italiens hinausgehenden Veröffentlichung gebracht. Den meisten Filmfreunden dürfte das auch gänzlich egal sein und selbst Anhänger des Giallo müssen diesem Werke keine Träne hinterher weinen. Wer sich aber für abgrundtief sleazige Machwerke interessiert, bei denen selbst eine unmittelbar auf den Filmgenuss folgende Dusche das Gefühl der Sauberkeit kaum wiederzubringen vermag, dem sei diese Werk wärmstens angeraten.

Gariazzos Spät-Giallo lässt zwar alles vermissen, was das Genre eigentlich bieten könnte, versorgt den Zuschauer dafür aber mit einem unglaublich sleazigen Schmuddel-Erlebnis; und Continiellos Soundtrack tut sein Übriges dazu. Sicherlich nichts für jedermann, aber Freunde derartiger Freuden dürften jubilieren.

2 Antworten zu “PLAY MOTEL

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