PAPAYA – DIE LIEBESGÖTTIN DER CANNIBALEN

Papaya – Die Liebesgöttin der Cannibalen
Papaya dei Caribi | Italien | 1978
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Vincent (Maurice Poli) ist auf einer karibischen Insel für den Bau eines Atomkraftwerks verantwortlich. Das passt den Einheimischen jedoch nicht, sodass sich Widerstand in Form einer Untergrundgruppe regt. Dieser gehört auch die hübsche Papaya (Melissa Chimenti) an, die ihre Opfer im Zuge sexueller Spiele ermordet. Nachdem bereits einige Atomkraftwerk-Ingenieure gestorben sind, steht nun Vincent auf der Abschussliste.

Gen Ende der 70er Jahre verbrachte der italienische (S)Exploitation-Fachmann Joe D’Amato einige Zeit in der Dominikanischen Republik und nutzte die dortigen preisgünstigen Drehmöglichkeiten, um Material für mehrere ähnlich gelagerte Spielfilme zu drehen. Weder die Besetzungen, noch der Stab oder die Schauplätze unterlagen dabei allzu großen Fluktuationen, sodass in dieser Zeit eine Melange aus verschiedenen Filmen entstand, die allesamt auf den Thematiken Karibik, Sex und Gewalt aufbauen. Zu den bekannteren Werken dieser Schaffenszeit gehören sicherlich IN DER GEWALT DER ZOMBIES (1980) und ORGASMO NERO III – SCHWARZE HAUT AUF WEIßEM SAND (1980), aber auch PAPAYA – DIE LIEBESGÖTTIN DER CANNIBALEN bringt die typischen Elemente dieser Werkreihe auf die Leinwand.

Sara: Warum denn immer gleich ins Bett, kannst du dir nicht mal was Neues einfallen lassen?
Vincent: Vielleicht. In der Waagerechten kommen mir immer die besten Ideen.

Die äußerst holzschnittartige Geschichte versucht sich dabei (und das ist für diese Filme ebenfalls nicht untypisch) an einem gesellschaftskritischen Thema. Der umweltgefährdende Aspekt einer solchen Atomanlage steht dabei jedoch eher im Hintergrund, mehr Beachtung schenkt die Geschichte dem Eindringen der vermeintlichen Zivilisation in ein unberührtes Inselparadies. Warum D’Amato und Roberto Gandus in ihrem Script dann überhaupt auf die Idee kommen, dass eine internationale Firma ihr neues Atomkraftwerk auf einer einsamen Insel baut, ist zwar für sich genommen schon sehr fraglich, wird jedoch vor dem Hintergrund der mehr als platten Umsetzung der Gesellschaftskritik sowieso obsolet. Die Masche dient halt nur als Aufhänger für die folgenden Softsex-Szenen.

Diese haut D’Amato seinem Zuschauer dann auch im Minutentakt um die Ohren, ohne dabei bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Zu typisch, zu klischeebeladenen rutschen die Protagonisten aufeinander herum, zu unspektakulär wird das Ganze eingefangen. Einige explizitere Momente lassen zwar erahnen, dass D’Amato auch auf dem härten Pornographie-Parkett Erfahrungen gesammelt hat, diese Kenntnisse kommen hier allerdings nicht zum tragen.
Dass der deutsche Titel dem Zuschauer vorgaukelt, es handele sich bei dem Streifen um einen Angehörigen der zu jener Zeit populären Kannibalenfilm-Welle, begründet sich ebenfalls darin, dass die übrigen D’Amato-Filmchen jener Zeit mehr in diese Richtung gingen. In diesem Beitrag gibt es jedoch keinerlei Menschenfresser zu sehen, was dafür sorgt, dass der Gewaltgrad des Films relativ niedrig ausfällt. Der Vorteil an der Sache ist allerdings, dass der Streifen deshalb auch kaum in die Versuchung gerät, sich den unsäglichen Tier-Snuff-Darbietungen jener Zeit anzuschließen. Lediglich die Ausweidung eines bereits toten Schweines, sowie ein realen Hahnenkampf muss der Betrachter über sich ergehen lassen.

Revoluzzer: Wir sind eine kleine Organisation und wenn es geht, müssen wir versuchen uns ohne Gewalt zu wehren. Wenn ich ohne Gewalt sage, meine ich ohne Waffen … notfalls auch mit Waffen!

Zum Ende hin gerät dann alles aus den Fugen und während sich die Handlung vollends in Luft auflöst reiht der Streifen nur noch zusammenhanglose Bumserei aneinander. Der unbedarfte Zuschauer dürfte hier allerdings ohnehin schon lange abgeschaltet haben, sodass die beinharten D’Amato-Veteranen hier die volle Ladung D’Amato-Billig-Erotik genießen können. Und dazu gehört im vorliegenden Fall auch, dass die namensgebende Dame ihren Sexualpartnern die ebenso namengebende Frucht im Genitalbereich verreibt …

Absolut typischer Karibik-Softsex-Streifen aus der Feder D‘Amatos. Kennste einen, kennste alle …

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