AMERICA 3000

America 3000
America 3000 | USA | 1986
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Nach einer nuklearen Katastrophe wird die Welt von Frauen beherrscht, die Männer nur als Spielzeuge und Fortpflanzungshelfer halten. Doch eines Tages schaffen es Korvis (Chuck Wagner) und Gruss (William Wallace), aus dem Lager der Frauen zu fliehen. Sie befreien weitere Männer und gehen daran, die bestehende Ordnung zu ändern.

Der Regisseur und Drehbuchautor David Engelbach gab 1982 sein Debut als Schreiberling für den Bronson-Klopper DER MANN OHNE GNADE – DEATH WISH II und sollte den Höhepunkt seiner Karriere 1987 als Autor des Stallone-Klassikers OVER THE TOP erklimmen. Doch bereits sein erster Kontakt mit dem Medium Film, der ihn als Helfershelfer an das Set von DER WEIßE HAI (1975) brachte, ließ in Engelbach die Idee eines eigenen Streifens reifen. So schrieb er dann elf Jahre lang an einem Script mit dem Working Title Thunder Women herum.
1986 legte er das Script dann der gerade sehr erfolgreichen Action-Schmiede Cannon Films vor und bekam ein Budget von 200.000 US-Dollar zugesagt, denn der Produzent Itzik Kol, der das Cannon-Tochterstudio G&G in Tel Aviv leitete, war der Meinung, dass man auch sechs Jahre nach dem Riesenerfolg von MAD MAX II – DER VOLLSTRECKER (1981) noch einiges aus dem Endzeit-Boom herausholen könnte. Während der Vorproduktion stellte sich jedoch heraus, dass selbst eine stark abgeänderte Form des Scripts nicht derart günstig umzusetzen sei, sodass der Produktion letztlich zwischen zwei und drei Millionen US-Dollar zur Verfügung stehen sollten.

Vena: Mann? Was heißt denn „Mann“?
Korvis: Ich bin ein Mann! Kein Macho, kein Spielzeug …
Vena: Besamer …
Korvis: Ein Mann!

Mit dieser Kohle drehte Engelbach dann in Israel einen Streifen, der die Welle der 80er-Jahre-Endzeit-Reißer auf die Schüppe zu nehmen versucht. Der Zuschauer bekommt es also mit einer Parodie zu tun, die sich für keinen noch so billigen Spaß zu schade ist. Vor allem der Off-Kommentar sorgt mit seinen frühpubertären Späßen für anhaltendes Kopfschütteln, fußt dass ganze Konzept doch auf einem Zwist zwischen Frau und Mann.
So werden die Herren der Schöpfung in Spielzeuge, Machos und Besamer unterteilt, während das Leben der Damen nur daraus zu bestehen scheint, sich über die Kerle zu beschweren und ab und zu etwas – zur Fortpflanzung nun einmal notwendigen – Beischlaf über sich ergehen zu lassen. Das Ganze wird dann derart frei von jeglichem Charme dargestellt, dass einem der Holzhammerhumor schon nach wenigen Minuten jeden Nerv raubt.

Immerhin ist der Streifen gewillt, diese öde Grundsituation mittels vollkommen überdrehter Elemente zumindest für trashafine Zuschauer interessant zu machen. Aargh, ein Plüschmonster ohne Herkunft, muss erst mit diversen Frauen kämpfen, bevor er dann mit einem Ghettoblaster durch die Wüste stürmen darf oder der zufällig entdeckte Atombunker des Präsidenten versorgt Korvis mit einem goldenen Schutzanzug und einer Strahlenknarre. Umrahmt werden derlei Synapsen-Killer dann von einer schieren Unzahl an Haaren. Denn alle Damen verfügen über wahnsinnige Haarspray-Frisuren, die andauernd und in jeder Szene für Entsetzen/Panik/Lachkrämpfe sorgen.
Und da der Film nun einmal aus den 80ern stammt, wird das Geschehen mit einer ordentlichen Portion (Hair-)Metal umrahmt. Dabei ist völlig unwichtig, ob das zu einem Endzeitfilm passt oder nicht, wichtig hingegen ist, dass der Steifen so noch unglaublicher wird. Und das funktioniert wirklich beeindruckend …

Erzähler: Vor der großen Katastrophe war das hier ein Ort, wo die Leute Stoff in ihre Autos tankten. Jetzt machten die Frauls hier ihre kleinen Frauls. Nur, wenn es ein Junge wurde, war das verdammt übel. Die wurden sofort auf den Müll geschmissen …

In Sachen Darstellerschaft konnte dann Laurene Landon an Bord geholt werden. Landon hatte ihre größte Rolle 1983 als heroische Barbarin in HUNDRA – DIE GESCHICHTE EINER KRIEGERIN abgeliefert und darf hier als Gegenentwurf die Anführerin Vena geben, die zu keiner Sekunde weiß, was zu tun ist, bevor sie Korvis dann in seine rettenden Arme nimmt. Jener wird von Chuck Wagner dargestellt, für den dieser Streifen neben dem sehr ähnlich gelagerten THE SISTERHOOD (1988) den einzigen Ausbruch aus dem TV-Sumpf darstellte. Erwartungsgemäß mimt Wagner dann auf Laien-Niveau vor sich hin und bringt somit die gleiche Leistung wie sein Kumpel William Wallace, der zumindest auf Kleinstrollen in BEVERLY HILLS COP – ICH LÖS‘ DEN FALL AUF JEDEN FALL (1984), DELTA FORCE (1986) oder NIGHT HUNTER (1986) verweisen kann.
Frei von jedem Charme, Sinn oder Verstand taumelt der Streifen dann also seinem ebenso vorhersehbaren, wie albernen Ende entgegen und hinterlässt dabei viele verstörte Betrachter und grölende Trash-Anhänger. Denn für genau jene Art von Filmfans dürfte dieses Werk einen großen Spaß darstellen; ausschließlich für jene …

Ein Streifen, der für beinharte Trash-Fans sicherlich einiges an Unterhaltung bereithält, während er jeden anderen Zuschauer-Typus einfach nur sehr harte Kost darstellt.

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Eine Antwort zu “AMERICA 3000

  1. Pingback: DER MANN OHNE GNADE – DEATH WISH II | SPLATTERTRASH·

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