BLOODSPORT

Bloodsport
Bloodsport | USA | 1988
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Frank Dux (Jean-Claude Van Damme) sieht sich zur Ehrung seines Meisters gezwungen, an einem illegalen Kumatai in Hongkong teilzunehmen. Dort treffen sich die besten Kämpfer der Welt, um ihren Champion zu ermitteln. Unter den Kontrahenten ist auch Chong Li (Bolo Yeung), der amtierende Meister, der für seine Brutalität bekannt ist.

Nachdem Jean-Claude Van Damme nach Jahren als Fahrer von Limousinen und Türsteher mit KARATE TIGER (1986) endlich im amerikanischen Schauspielergewerbe Fuß gefasst hatte, wurde man in der Folge auch schnell im Hause Cannon Films auf das junge Talent aufmerksam. Auch dort arbeitete man gerade an einem weiteren Kampfsportfilm, dessen Hauptrolle nun von dem aufstrebenden Belgier übernommen werden sollte.
Sheldon Lettich, der im gleichen Jahr auch am Script zu RAMBO III (1988) mitwirken sollte, nahm sich dann die Lebensgeschichte des Kampsportlers Frank W. Dux als Vorlage, erlaubte sich bei der Umsetzung jedoch einige Freiheiten. Das beginnt schon bei dem Umstand, dass es nie einen Beleg dafür gab, dass Dux tatsächlich an dem gezeigten Kumatai – dessen Stattfinden an sich schon anzweifelbar ist – teilgenommen hat und endet bei der stark klischeebehafteten Jugendgeschichte des Helden. Letztlich entsteht der Eindruck, dass hier eher der Charme der „wahren Begebenheit“ genutzt werden sollte. Unterstützt wurde Lettich übrigens von Mel Friedman, der sechs Jahre zuvor an dem bekanntlich wilden Post-Produktions-Abenteuer von POLTERGEIST als Schnittassistent beteiligt war.

Janice: Frank, ich will nicht sehen wie du verletzt wirst!
Dux: Dann sieh‘ einfach nicht hin!

Die Regie vertraute man Newt Arnold an, der bis dato weniger mit seinen zwei Regiearbeiten HANDS OF A STRANGER (1962) und BLOOD THIRST (1971) in Erscheinung getreten war, sondern viel mehr als Regieassistent von Meisterwerken wie DER PATE 2 (1974), DER BLADE RUNNER (1982) oder ABYSS – ABGRUND DES GRAUENS (1989). Mit der Umsetzung dieses Kampfsportstreifen schien Arnold dann allerdings ein wenig überfordert, was letztendlich darin gipfelte, dass eine vorläufige Schnittfassung des Films bei einem Testscreening durchfiel und diese in der Folge von Van Damme weitgehend überarbeitet wurde. Mit zahlreichen eigentlich schon rausgeschnittenen Szenen und einer Menge an Dynamik und Schwung schuf der Hauptdarsteller somit die heute bekannte Version des Films.

Diese zeichnet sich vor allem durch ihre schiere Vielzahl an harten Kämpfen aus. Alle paar Minuten stehen sich zwei Kontrahenten gegenüber und messen ihre Kräfte. Die Rahmenhandlungssequenzen zwischen den einzelnen Fights verkommen so zur absoluten Randnotiz; was in Anbetracht ihrer Unzulänglichkeiten allerdings auch nicht weiter stört. Denn was in der Vorgeschichte und in einigen Sideplots geboten wird, spottet wirklich jeder Beschreibung. Hanebüchene Dialoge, dargeboten von durch die Bank miserablen Mimen, versuchen dem Zuschauer eine alberne Geschichte zu verkaufen. Da fällt es wahrlich nicht negativ auf, dass der Film darauf nur knapp 20 Minuten verwendet.

Typ: Jackson, gehst du wirklich nach Hongkong?
Jackson: Ich liebe alles was Vollkontakt ist und ich brauche noch ein paar Narben in meinem Gesicht!

Dafür werden die Kämpfe dann umso zeitintensiven und umfassender inszeniert. Dabei verweist eine exzessive Nutzung der Zeitlumpe und eine ständige Überblendung der Geschehnisse zweifelsfrei auf das Herstellungsjahr; mehr 80er geht nicht. Die einzelnen Recken dürfen sich und ihre Muskeln immer und immer wieder aus verschiedensten Blickwinkeln präsentieren und gleich mehrere der zu jener Zeit unverzichtbaren Trainingsmontagen finden ihren Weg ins Werk. Dazu kommt ein relativ hoher Gewaltgrad, der sich vor allem in Niedertracht und Heimtücke äußerst.

Neben Van Damme, der schauspielerisch erwartungsgemäß äußerst dürftig daherkommt, gibt es dann den Cannon-Darsteller Donald Gibb zu sehen, der hier den prototypischen Buddy gibt. Mit massig dummen Sprüchen und plumpem Getue sorgt Gibb dann für den komödiantischen Anteil des Films. Auf der anderen Seite des Ringes steht Bolo Yeung als mordender Antagonist. Yeung hatte 1973 mit dem Lee-Klassiker DER MANN MIT DER TODESKRALLE (1973) seine Karriere auf internationales Niveau gehievt und gibt hier den Genre-typischen Endgegner. In einer Nebenrolle kann man sich dann letztlich auch noch Forest Whitaker ansehen, der nach PLATOON (1986) und GOOD MORNING, VIETNAM (1987) weiterhin fröhlich kleinere Rollen besetzte.

Jackson: Bist du nicht ein bisschen jung für Vollkontakt?
Dux: Bist du nicht ein bisschen zu alt für Videospiele?

Trotz der inhaltlichen und schauspielerischen Unzulänglichkeiten schaffte es der Streifen dann dank seiner harten Kämpfe – und deren flotter Abfolge und Inszenierung – zu einem der maßgeblichsten US-amerikanischen Kampfsportfilme des Jahrzehnts zu werden. Der Films spielte bei einem Budget von gerade einmal 1,1 Millionen mehr als 12 Millionen US-Dollar ein und stellt somit eine der erfolgreichsten Cannon-Produktionen aller Zeiten dar. Aber auch bei den Zuschauern traf der Streifen den richtigen Nerv und gilt somit bis heute in Fankreisen als eines der Standardwerke des Genres.
Das zog dann bis heute drei offizielle Fortsetzungen nach sich, die jedoch weder von Cannon Films produziert wurden, noch Jean-Claude Van Damme aufzubieten vermögen. Lediglich in BLOOD SPORT II – DIE NÄCHSTE HERAUSFORDERUNG (1996) gibt es noch Donald Gibb zu sehen, BLOODSPORT 3 (1996) und BLOODSPORT 4 – THE DARK KUMITE (1998) verkommen vollends zu blassen Nachahmern.

Auch wenn der Film inhaltlich und darstellerisch ein einziges Defizit darstellt, so gehört er aufgrund seiner ikonischen Kampfszenen zweifelsfrei zum Grundkanon des amerikanischen Kampfsportfilms; und Freunde von sinnbefreitem 80er Gekloppe kommen hier ohnehin vollends auf ihre Kosten …

Eine Antwort zu “BLOODSPORT

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