DIE WILDEN 5

Die wilden 5
Wu Hu Jiang | Hongkong | 1974
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Eine Bande von Gangstern überfällt ein kleines Dorf, um dort in Ruhe einen erbeuteten Safe knacken zu lassen. Die Bevölkerung scheint der Willkür der brutalen Verbrecher zunächst schutzlos ausgeliefert zu sein, doch schließlich zeigt sich, dass eine Gruppe junger Männer um den Dieb Chen Teng (David Chiang) gewillt ist, den Halunken die Stirn zu bieten.

Spätestens ab Anfang der 70’er Jahre und dem damals grassierenden Eastern-Boom, war die Regiekarriere von Chang Cheh so richtig in Fahrt gekommen. Unter dem Dach der Shaw Brothers fertigte er reihenweise Standardwerke des Genres an und war dementsprechend immer wieder auf der Suche nach neuen Stoffen, in die er seine meist über mehrere Filme hinweg zusammenarbeitenden Teams von Kampfkünstlern schicken konnte.
Und wie so viele andere Regisseure überall auf dem Planeten warf auch Cheh dann eines Tages mal einen Blick auf das Gesamtwerk des japanischen Regisseurs Akira Kurosawa und stieß schnell auf DIE SIEBEN SAMURAI (1954), der schon 1960 durch John Sturges in Form von DIE GLORREICHEN SIEBEN rezipiert wurde. Unter Mithilfe von Kuang Ni, der als regelmäßiger Drehbuchautor von Chia-Liang Liu unter anderem auch das Script zu DIE 36 KAMMERN DER SHAOLIN (1978) schreiben sollte, brachte Cheh den Stoff dann in Eastern-verträgliche Form; was allerdings einiger Anpassungen bedurfte.

Ein unerbittliches Trommelfeuer tödlicher Karatefäuste! (Deutscher Werberatschlag)

So fällt die Geschichte dann insgesamt doch sehr holzschnittartig aus. Das Grundgerüst, welches seinem Betrachter weißmachen will, eine riesige Gangsterbande sei auf den kleinen Schmied angewiesen, wackelt ebenso, wie zahlreiche kleinere Situationen. Hier wird die Rahmenhandlung auf das Nötigste heruntergebrochen, um den sie ausfüllenden Charakteren einen Antrieb zu geben. Das verlangt vom Zuschauer dann allerdings, so manche Logiklücke zu verkraften.
Dafür gibt es dann aber eine Besetzung zu bestaunen, die vor bekannten Namen nur so strotzt. Im Zentrum steht dabei dann das von Cheh häufig in dieser Konstellation eingesetzte Duo Ti Lung/David Chiang. Chiang gibt die humorvolle Komponente in Form einen gewitzten Diebs, Ti Lung hingegen zeichnet für den ruhigen und besonnen Part verantwortlich. Kuan Tai Chen als Axt-schwingender Draufgänger, Danny Lee als aufopferungsvoller Schmied und Chung Wang als kränklicher Kämpfer vervollständigen die namengebende Truppe. Für Freunde des Genres stellt dieses Who-is-who sicherlich einen der Höhepunkt des Films dar, geben sich die Darsteller doch immer wieder in verschiedenen Konstellationen ein Stelldichein.

Aber auch Chehs typischer Inszenierungsstil kommt in diesem Streifen wieder voll zum Tragen und bietet so simple, aber harte Kämpfe, die immer in dramatischen Heldentoden enden. Dabei stehen stets eher die Charaktere im Mittelpunkt und weniger deren Kampfkünste. Das hebt dem Film angenehm als dem Genremittelmaß heraus und schafft die Option für eine Fülle an ungewöhnlichen Szenen. So kann man David Chiang beispielsweise dabei beobachten, wie er durch ein Mauerloch mit Hilfe eines Drahtes Munition zu klauen versucht. Aber auch die durchdachten Attacken aus dem Hinterhalt, mit denen die Truppe langsam die Oberhand gewinnt, muten angenehm erfrischend an.

Mädel: Seid ihr blind?
Gangster: Ich nicht, wenn ich dich so ansehe, aber wir sind zwanzig!
Mädel: Was sind schon zwanzig Männer!

Leider reduziert das Script dann die Bevölkerung des Dörfchens auf die symbolische Wut der Bevölkerung, andere Emotionen sind nicht vorhanden. Selbst während der Kämpfe stehen die Anwohner nur regungslos herum. Und auch wenn die Lynchjustiz dann – dem an sich hohem Gewaltgrad des Films entsprechend – intensiv eingefangen wurde, so bleibt doch der Eindruck, dass zugunsten der zentralen Rollen das Umfeld vernachlässigt wurde.
Aber auch das kann letztlich nichts daran ändern, dass der Streifen aufgrund seiner gelungenen Besetzung und der Entscheidung, statt überbordender Kampf-Action vor allem deren Praktizierende darzustellen, schlicht und einfach funktioniert und unterhält.

Statt ellenlangen Kämpfen gibt es hier kurze, harte Fights zu sehen. Die so geschaffene Freizeit investiert Cheh in die Darstellung seines Quintetts und schafft es so, unkompliziert und abwechslungsreich zu unterhalten.

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