KAMPF DER BARBAREN

Kampf der Barbaren
Rusichi | Russland | 2008
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der junge Prinzensohn Vlastimir (Sergei Kudryashov) überlebt den Angriff des finsteren Boar (Pyotr Barancheyev) auf sein Dorf nur knapp, doch sein Vater Prinz Izyaslav (Sergey Glushko) bleibt nach der Attacke verschollen. Also stellt Vlastimir eine Truppe treuer Gefährten zusammen, um seinen Vater und somit die Ordnung zurück in das kleine Dorf zu bringen.

Kurz nachdem John Milius 1982 mit seinem Meisterwerk CONAN – DER BARBAR das Genre des Barbarenfilms begründet und gleichzeitig ausdefiniert hatte, meldeten zahlreiche italienische Filmemacher Ansprüche an, diese Spielart des Fantasyfilms weiterzuführen. Neben gelungenen Werken wie ER – STÄRKER ALS FEUER UND EISEN (1983), Trash-Granaten wie ATOR – HERR DES FEUERS (1982) und ATOR II – DER UNBESIEGBARE (1984) oder Genremixturen wie EINER GEGEN DAS IMPERIUM (1983) bot diese Zeit dann freilich auch zahlreiche weniger erwähnenswerte Produktionen. Doch all diesen Werken ist ein Charme eigen, der nur entstehen kann, wenn fellgewandete Muskelberge durch das römische Umland stiefeln, um Monster und sonstige Hindernisse mittels purer Kraft aus dem Weg zu räumen.
Aufgrund dieses einschlägigen Inhalts ist das Genre heutzutage quasi nicht mehr existent, was den russischen Beitrag zum Thema umso erstaunlicher macht. Der Regisseur Adel Al-Khadad hatte bereits als Schauspieler in Form einer Hauptrolle in dem Streifen EINE NACHT MIT SCHEHEREZADE (1984) mit dem Fantasyfilm zu tun und widmet sich diesem nun auch als Regisseur.

Vlastimir: Und wenn ihm ein Arm fehlt, dann lass mich sein Arm sein! Und wenn ihm ein Bein fehlt, dann lass ich sein Bein sein! Und sollte mir die Kraft fehlen, ich werde alles brauchen, was du hast, dann soll ich ein Baum werden!

Bei genauerer Betrachtung wird jedoch schnell klar, dass sich der Film eher an den DER HERR DER RINGE-Verfilmungen orientiert, als an den alten Bartbaren-Schwarten. Denn nach dem – zugegebenermaßen vielversprechenden – Eröffnungsüberfall, wird das Ganze schnell zu einer äußerst dialoglastigen Rettungsmission, in der die Hauptrolle geradezu Frodo‘esk eine Reise mit der Hilfe von Freunden zu bestehen hat. Ein paar stereotype Magier unterstützen diesen Eindruck weiterhin und treiben den Film zusätzlich in Richtung Fantasy-Abenteuer.
Das sorgt dann allerdings dafür, dass es im gesamten Film ausschließlich die eröffnende Auseinandersetzung zu sehen gibt. Danach bleiben die Schwerter weitestgehend in der Scheide, selbst die finale Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse findet ein nahezu kampfloses Ende. Das dürfte für Fans der oben erwähnten keulenschwingenden Unholde eine herbe Enttäuschung darstellen, die nur noch davon übertroffen wird, dass der Film auch in Sachen nackte Tatsachen weit hinter dem üblichen Repertoire zurückbleibt. Während sich die alten Schinken nämlich auf diese Weise einige Schauwerte sicherten, verzichtet das vorliegende Werk gänzlich auf derartige Hilfsmittel.

Boar: Ich werde dir was verraten: Ich will herrschen! Aber dort oben! Und wenn ich erst mal dorthin komme, dann werde ich eine Armee zusammenstellen! Hörst du mich? Eine Geisterarmee!

Stattdessen gibt es dann eine ordentliche Ausstattung zu sehen, die über weite Strecken zu überzeugen vermag. Schöne Gebäude und detaillierte Set Pieces stehen klar auf der Habenseite und eine schummrige Höhle inklusive brodelndem Zaubertopf sieht sogar richtig gut aus. Einzelne CGI-Feuer fallen da kaum negativ auf, die Abwesenheit von Kunstblut und anderen gewalttätigen Schauwerten hingegen schon eher. Denn die – ohnehin nicht sehr zahlreichen – Auseinandersetzungen laufen in der Regel sehr unblutig und gesittet ab.
Das dann noch die Schauspielerschaft nur mittelmäßig vor sich hinmimt und der Hauptdarsteller wohl kaum in der Lage sein dürfte, sich die Sympathien des Publikums zu sichern, ist schließlich genauso belanglos wie die Tatsache, dass der Antagonist herzlich blass und antriebslos bleibt. Denn letztlich hat der Zuschauer es hier mit einem weitestgehend langweiligen Fantasy-Mischmasch zu tun, welches auf keiner Ebene auch nur Mittelmaß erreicht.

Statt Barbaren-Action wird hier eine lahme Fantasy-Story geboten, die völlig ohne Kämpfe auskommt. Da die Darsteller durchweg uninspiriert agieren und es dem Film darüber hinaus schlichtweg an Charme fehlt, können die durchaus gelungenen Kulissen auch nichts mehr am Ergebnis ändern: Finger weg!

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