KING KONG UND DIE WEIßE FRAU

King Kong und die weiße Frau
King Kong | USA | 1933
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Filmproduzent Carl Denham (Robert Armstrong) unternimmt eine mysteriöse Schiffsreise, um seinen nächsten Film zu produzieren. Mit an Bord ist die schöne Ann Darrow (Fay Wray), die die Hauptrolle geben soll. Schon bald erreicht das Schiff eine unbekannte Insel, auf der – hinter einer riesigen Mauer verborgen – gewaltige Urzeittiere leben; darunter auch der Riesenaffe Kong, der Ann kurzerhand entführt. Daraufhin macht sich der Matrose John Driscoll (Bruce Cabot) umgehend auf den Weg, die holde Schönheit zu retten.

Der Anfang der 1930er Jahre markiert auch den Beginn der Tonfilmzeit und stellte somit einen der ersten großen Booms der Kinogeschichte dar. Trotz der Wirtschaftkrise in den USA strömten die Massen in die Kinosäle, um ihre Stars nun nicht nur zu sehen, sondern auch sprechen zu hören. Das Studio Universal Pictures nutzte diese neue Technik dann dazu, die Klassiker der Horrorliteratur auf die Leinwand zu bringen und schuf mit Filmen wie DRACULA (1931), FRANKENSTEIN (1931) oder DIE MUMIE (1932) zeitlose Klassiker, die den phantastischen Film bis heute prägen sollten. Von diesem Kuchen wollten dann freilich auch andere Studios etwas abbekommen, sodass sich auch die finanziell stark angeschlagenen RKO Radio Pictures daranmachten, mit monströsen Bildern für Schrecken und klingende Kassen zu sorgen.
Doch woher sollte die Idee kommen, wenn die Konkurrenz die erfolgversprechenden Bereiche bereits abgeklappert hatte? Das ist heute zwar nicht mehr exakt zu rekonstruieren, aber die Grundidee wird man wohl Merian C. Cooper zuschreiben können. Dieser verdingte sich nämlich bis zu seinem Engagement als Regisseur von KING KONG als Dokumentarfilmer, der seine Werke nur allzu gerne mit etwas inszenierter Dramaturgie aufpeppte. Gleiches galt für Ernest B. Schoedsack, der ebenfalls als Regisseur von exotischen Semi-Dokumentationen seine Brötchen verdiente. Das Grundkonzept kann man also als äußerst selbstreflexive Idee von Cooper ansehen, der die Ausarbeitung dann jedoch in die Hände von James Ashmore Creelman legte. Doch dessen Drehbuch war dem Regie-Duo zu langsam, sodass man kurzerhand Schoedsacks Ehefrau Ruth Rose mit der Überarbeitung beauftragte. Rose verlieh dem Film dann mehr Drive und zeichnet wohl auch für einige der bekanntesten Sätze des Films verantwortlich. Die Mitarbeit von Edgar Wallace am Script beschränkte sich hingegen wohl nur auf wenige Ideen, ein weiteres Wirken des britischen Schriftstellers wurde durch dessen frühen Tod verhindert.

Denham: Er war König und Gott auf einer fernen Insel, aber jetzt kommt er zu uns in die Großstadt, der Freiheit beraubt! Ein Schaustück zur Befriedigung Ihrer Neugier! Meine Damen und Herren, Sie sehen Kong, das achte Weltwunder!

Für die Hauptrolle konnte Fay Wray gewonnen werden, die sich als beeindruckend treffende Wahl herausstellte. Anders als vielen Kollegen zu jener Zeit macht ihr die Umstellung auf den Tonfilm keine Probleme, viel mehr nutzt sie die neuen Möglichkeiten voll aus und avanciert so zur ersten Screen Queen der Kinogeschichte. Auch ihr aufreizender Umgang mit John Driscoll beeindruckt, sodass Wray hier letztlich als starke und selbstbewusste Frau im Mittelpunkt steht. Die oftmals proklamierte Reduzierung auf eine Opferrolle stellt sich somit als Unsinn heraus. An ihrer Seite gibt Bruce Cabot dann den stereotypen Heldencharakter, der vor Edelmut nur so strotzt und dessen selbstloser Einsatz seine Geliebte kurzfristig rettet. Mit Robert Armstrong ist es schließlich der erfahrenste Darsteller, der die Kernbesetzung abschließt, auch wenn dessen Darbietungen etwas holzschnittartig bleiben. Eventuell ist es die größere Erfahrung im Stummfilm, die es Armstrong schwerer macht, sich dem neuen technischen Standard anzupassen. Trotzdem kann man dem gesamten Cast aber eine durchweg gute Leistung bescheinigen.

Die Darsteller stehen jedoch nur in den ersten 40 Minuten im Mittelpunkt, die Cooper und Schoedsack geschickt dazu nutzen, die Erwartungshaltung beim Zuschauer zu steuern. Denn die lockeren Dialoge und die diversen Omen stimmen den Betrachter unterhaltsam und kurzweilig auf das ein, was dann das Kernstück des Films werden soll: Der Auftritt von Kong. Denn sobald der Riesenaffe die Leinwand betreten hat, dreht sich der gesamte Film nur noch um ihn. In zahlreichen Actionsequenzen kämpft er gegen die diversen Bewohner der Insel oder interagiert mit den Darstellern. Es gibt fast keine Szene, die ohne das Untier auskommt, Kong füllt den Film voll und ganz aus. Im Gegensatz zu Universals Horrorklassikern stellt dieser Film also einen ganz anderen Ansatz dar, die Gunst der Zuschauer zu erringen. Nicht Grusel, nicht Hintergründigkeit stehen im Mittelpunkt, sondern ein haariger Riesenaffe, der andauernd bis ins Detail zu bestaunen ist.

Ann: Du, was ist es eigentlich?
John: Es soll so eine Art Affe sein.
Ann: Gibt’s hier in New York nicht schon Affen genug?

Das bedurfte natürlich eines immensen tricktechnischen Aufwandes, welcher zum größten Teil auf den Schultern von Willis O’Brien lastete. Dieser hatte mit unzähligen Kurzfilmen, sowie dem Stummfilm DIE VERLORENE WELT (1925) bereits einiges an Erfahrung gesammelt und gilt heute als Erfinder der Stop-Motion-Technologie. Diese kommt dann auch in KING KONG zum Einsatz, wird jedoch um allerlei weitere Techniken ergänzt. Vor allem die Verbindung von Rückprojektion und Stop-Motion stellt sich dabei als bahnbrechend heraus, ermöglicht diese Kombination doch das gleichzeitige Auftreten von Monster und Darstellern. So schafft der Film einige seiner beeindruckendsten Szenen, die auch heute noch durchaus zu überzeugen vermögen. Zusammen mit einer schieren Unzahl an Modellen und Requisiten und immer wieder schön anzusehenden Matte Paintings erhält der Film so einen Look, der bis heute kaum etwas von seiner Ästhetik und seinem Charme verloren hat.
Leider waren dann manche der tricktechnischen Darbietungen für das Publikum einiger Testvorführungen zu erschreckend, sodass der Film noch vor seiner Uraufführung um einige Szenen erleichtert werden musste. Zwar fanden die meisten der entfernten Szenen (es handelte sich hauptsächlich um Einstellungen, in denen Kong die Einwohner der Insel zertrampelt und verspeist) in späteren Fassungen wieder den Weg in den Film, aber eine Szene, in der die Protagonisten nach ihrem Sturz vom Baumstamm in der Schlucht von riesigen Ameisen und anderem Getier attackiert werden, ging für immer verloren.

Doch auch ohne diese Szene ist der Film ein wahrer Husarenritt, der seinem Zuschauer kaum eine Verschnaufpause gönnt. Ständig gibt es eine neue atemberaubende Einstellung zu sehen, ständig brüllt Kong oder schreit Ann. Dass der eingefangene Affe dann schließlich von seinem filmschaffenden Jäger Denham in einem Kino zur Schau gestellt wird, markiert noch einmal den Höhepunkt der selbstreflexiven Art des Films. Nicht nur Coopers und Schoedsacks eigener Werdegang findet sich (grotesk überhöht) an dieser Stelle wieder, sondern auch eine Betrachtung des aufkommenden Monsterfilms an sich. KING KONG stellt alles dar, was dieses Genre möchte, was es tut. Somit begründet der Film nicht nur eine Stilrichtung des phantastischen Films, er reflektiert sich auch sogleich selbst. Eine Leistung, die kaum hoch genug zu bewerten ist.

Denham: Kennen Sie die Legende von Kong?
Englehorn: Ja, natürlich. Ein Fabelwesen der Eingeborenen, irgendein Teufel oder sowas …
Denham: Ein Wesen weder Tier noch Mensch, eine Art Monstrum. Unvorstellbar! Es soll da leben und immer noch die Insel in Schrecken halten.

Da wird es schon fast zur Nebensache, dass auch der Komponist Max Steiner hier neue Maßstäbe auf seinem Gebiet setzt. Denn der Mann – der im Verlaufe seiner Karriere auch noch bei Klassikern wie VOM WINDE VERWEHT (1939) und CASABLANCA (1942) mitwirken sollte – kam auf die schlicht geniale Idee, aus den bisher getrennten Tonspuren für Dialog und Musik eine einzelne zu machen und somit beide Elemente gleichzeitig abspielen zu können. Diese Möglichkeit, die in der Folge Standard werden sollte, trägt dann maßgeblich dazu bei, dass der Film seine hohe Geschwindigkeit ohne Weiteres über die gesamte Spielzeit hinweg zu halten vermag.
Letztlich ist KING KONG UND DIE WEIßE FRAU als vollkommen zu Recht auch heute noch eines der Standardwerke des Monsterfilms und gehört zu den frühen Tonfilmen, die äußerst gut gealtert sind. Das hat er freilich seiner überragenden technischen Umsetzung zu verdanken, die auch heute noch zu beeindrucken vermag. Leider ist es kaum noch nachzufühlen, wie der Film auf die damaligen Kinobesucher gewirkt haben muss, aber allerlei lustige Anekdoten lassen erahnen, welch bleibenden Eindruck der Streifen auf seine Betrachter hatte. Die Besucherzahlen belegten diesen Erfolg dann ebenfalls und machen den Film zu einem der erfolgreichsten seiner Zeit; der die RKO Radio Pictures problemlos sanierte. Diese gaben dann umgehend den Nachfolger KING KONGS SOHN (1933) in Auftrag, der noch im selben Jahr erscheinen sollte.

Uneingeschränkter Klassiker, der auch heute noch problemlos zu beeindrucken und unterhalten vermag. Dabei sind es neben der bahnbrechenden Tricktechnik, vor allem die selbstreflexiven Töne und die tollen Darsteller, die den Film zu einem echten Erlebnis machen.

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7 Antworten zu “KING KONG UND DIE WEIßE FRAU

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