THE LORELEY’S GRASP – DIE BESTIE IM MÄDCHEN-PENSIONAT

The Loreley’s Grasp – Die Bestie im Mädchen-Pensionat
Las Garras de Lorelei | Spanien | 1976
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der erfahrene Jäger Sigurd (Tony Kendall) wird zu einem Mädchen-Pensionat in der Nähe des Loreley-Felsens gerufen, um die Bewohnerinnen vor einem durch die Nacht streifenden Monster zu bewahren, welches bereits mehrere blutige Morde verübt hat. Bei seinen Nachforschungen stellt Sigurd schnell fest, dass sich die Sagenfigur Loreley (Helga Liné) bei Nacht als Reptilien-Monster durch die Gegend bewegt, was ihn allerdings nicht daran hindert, sich in sie zu verlieben.

Der spanische Regisseur Amando de Ossorio verdankt seine heutige Bekanntheit sicherlich vor allem seiner DIE REITENDEN LEICHEN-Reihe, welche er von 1972 bis 1975 sowohl schrieb als auch verfilmte. Die Arbeit an ebenjener Serie hielt Ossorio jedoch nicht davon ab, auch andere dem Horror-Genre angehörige Filme umzusetzen. Einer davon ist THE LORELY’S GRASP, bei welchem sich Ossorio die deutsche Legende der Loreley zu eigen machte, daraus jedoch eine gänzlich eigene Geschichte formte.
So kommt neben der namensgebenden Dame auch Siegfried der Drachentöter vor, der auch gleich mal ein Stück seiner Klinge als Reptilien-tötendes Fragment sponsert, sowie weitere Gestalten der Nibelungensage. Als Kontrast zu diesem Mischmasch der deutschen Mythen gibt es dann aber auch ein knallbuntes Pensionat voller junger Mädels, die einzig und allein dazu da sind, den männlichen Hauptcharakter zu umschwirren. Als wäre das nicht schon genug des Guten, wirft Ossorio auch noch eiskalt die Behauptung ins Rennen, dass sich die holde Loreley des Nachts in ein knallgrünes Schuppen-Monster verwandelt, welches nur mit Hilfe frischer Herzen überleben kann. Dieser grobe Abriss macht wohl mehr als deutlich, wo der Spanier mit diesem Film hinwill.

Loreley: Ich hab erfahren, dass Sie versuchen mich zu zerstören. Es würde mich interessieren, wie weit Sie sind?

So gibt es dann im Verlaufe des Films zunehmend mehr Einstellungen der quietschbunten Bestie zu sehen, bis dem Zuschauer schließlich das ganze Grauen dargeboten wird. Im Gegensatz dazu wirkt dann selbst das Wesen aus OCTAMAN – DIE BESTIE AUS DER TIEFE (1971) wie ein meisterliches Kostüm, denn die Kreatur hier lässt wirklich jeden Mund offen stehen. Immerhin vollführt das Ding dann eine gehörige Anzahl an blutigen Morden, bei denen wohl ein Großteil des Budgets in Latexhaut und Kunstblut bzw. –herzen geflossen sein dürfte. Neben Schulmädchen-Trash und Mythen-Hokuspokus runden diese Splatter-Einlagen den Film wahrlich gut ab.
In Sachen Besetzung fährt der Streifen dann ebenfalls überraschendes Potenzial auf. Allen voran muss dabei natürlich Tony Kendall Erwähnung finden, der hier den umschwärmten, aber letztlich vollkommen ahnungslos umhertappenden Hauptcharakter gibt. Kendall hatte vor allem mit seinen sieben Auftritten als KOMMISSAR X Bekanntheit erlangt und war bereits 1973 auf Ossorio getroffen, als er in dessen DIE RÜCKKEHR DER REITENDEN LEICHEN die Hauptrolle übernahm. Das qualifiziert ihn dann mehr als genug dafür, in diesem Streifen grinsend – und stets mit viel zu engen Hosen bewaffnet – durch das Bild zu tapsen, und jeder weiblichen Darstellerin mindesten einmal zuzuzwinkern.

Dazu gehört vor allem Helga Liné, die hier die verführerische Loreley gibt. Diese hatte mit der spanisch-britischen Produktion HORROR-EXPRESS (1973) und dem Naschy-Klassiker BLUTMESSE FÜR DEN TEUFEL (1973) bereits Erfahrung im iberischen Horrorfilm gesammelt und bietet hier eine ordentliche Leistung als finstere Verführerin. Vor allem, wenn sie sich zum Finale hin zunehmend mehr auf ihrem unterirdischen Thron räkelt, erzielt das bleibende Wirkung. Dazu gibt es noch Silvia Tortosa zu sehen, die ebenfalls in HORROR-EXPRESS zu sehen war und die hier eine mysteriös unfreundliche Pensions-Vorsteherin gibt. Dass sich der an Sigurd gerichtete Unmut dann im Verlaufe des Films allerdings einfach so verliert, anstatt dass er inhaltlich sinnvoll genutzt wird, lässt tiefe Schlüsse auf das Drehbuch zu.
Denn jedwede Form von Stringenz oder Zusammenhang ist diesem gänzlich fremd. Sowohl der Tag-/Nachtwechsel, als auch die Wahl der Lokation unterliegen einer ständigen Fluktuation, die es dem unaufmerksamen Zuschauer schwer macht, den unzusammenhängenden Darbietungen zu folgen. In der einen Szene knutscht Sigurd noch in der unterirdischen Grotte, in der nächsten schmeißt er Zeitbomben ins Wasser, wiederum drei Sekunden später stirbt jemand im Pensionat. Auf derlei Verrücktheiten sollte man als Betrachter dieses Streifens also gefasst sein.

Professor: Eine Kuriosität der Transmutation ist, dass die Dekomprimierung der Zellen einsetzt während sie sterben, um anschließend mumifiziert zu werden, wie Sie es bei dieser Hand hier sehen können!

Die Essenz all dieses Nonsens stellt dann letztlich das Labor des von Ángel Menéndez gespielten Professors dar, denn selten hat man wohl ein derart prototypisches Laboratorium besehen dürfen. Unzählige Tiere, blubbernde Gefäße, grüne Flüssigkeiten, Bestrahlungsmaschinen und Knöpfe, Regler und Anzeigen wohin das Auge blickt. Und als wäre das nicht genug, strömen auch noch Schafe und Ziehen aus diesem Zimmer, sobald man dessen Tür öffnet. Der Wahnsinn!
Und es sind genau diese Verrücktheiten, die den Film zu einem Hochgenuss für Anhänger des europäischen Exploitationkinos machen. Natürlich ist der Streifen kaum mit Spannung oder Atmosphäre versehen und selbstverständlich macht das Dargebotene selbst bei beiläufiger Betrachtung kaum Sinn, aber der schiere Unfug, der hier auf seinen Betrachter einprasselt wiegt das Alles spielend auf. Denn wenn Latex-Monster Herzen herausreißen, Tony Kendall währenddessen rumknutscht und der Nebel in Unmengen durch die Gegend wallt, dann ist das schlicht gute Unterhaltung!

Latex, Nebel, Mythen und Legenden. Dazu massig Kunstblut, wenig Sinn und Tony Kendall. Wer dabei nicht zu jubeln beginnt, der hat in diesem Genre nichts zu suchen.

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