THOMAS CROWN IST NICHT ZU FASSEN

Thomas Crown ist nicht zu fassen
The Thomas Crown Affair | USA | 1968
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Nachdem der exzentrische Millionär Thomas Crown (Steve McQueen) einen perfekt geplanten Raub begangen hat, macht sich die Polizei unter Leitung von Eddy Malone (Paul Burke) daran, ihm das Handwerk zu legen. Unterstützung erhalten die Gesetzeshüter dabei von der schönen Privatdetektivin Vicki Anderson (Faye Dunaway). Schnell entwickelt sich im Zuge der Nachforschungen ein enges Verhältnis zwischen Crown und Anderson …

Nach seinem fünffach Oscar-prämierten Krimi-Drama IN DER HITZE DER NACHT (1967) sollte es für den Regisseur Norman Jewison nicht allzu schwer werden, sich ein umfangreiches Budget für sein nächstes Projekt zu sichern. So machte die Mirisch Corporation rund 4,3 Millionen US-Dollar locker, was zur damaligen Zeit ein mehr als beachtliches Sümmchen darstellte. Jewison ließ sich dann von Alan Trustman, der bis dato nichts mit dem Filmwesen zu schaffen gehabt hatte, ein Drehbuch schreiben, und ging daran, einen der klassischen Heist-Movies der 60er Jahre zu schaffen.
Dabei fällt sogleich auf, dass das Script den im Mittelpunkt stehenden Raub an den Anfang der Geschichte setzt, anstatt sich – wie beispielsweise Jules Dassins Genre-Klassiker RIFIFI (1955) – den Coup für das Finale aufzuheben. Ähnliche wie Jacques Becker mit seinem WENN ES NACHT WIRD IN PARIS (1954), setzt Trustman stattdessen eher auf ein Beziehungsspiel, welches sich im Nachgang des Verbrechens entspinnt. Anstatt dieses aber zwischen zwei Gaunern anzusiedeln, nimmt der Autor jeweils eine Seite des Gesetzes und verleiht dem Film so eine zusätzliche Ebene.

Thomas: Es ist mein Begräbnis, du bist nur Leidtragende!

Dabei entsteht stellenweise immer wieder der Zwang, die Logik der Dramaturgie unterzuordnen, was aber in Anbetracht des Ergebnisses nur allzu leicht verschmerzbar ist. Denn nach den ersten 30 Minuten gehört der Film vollständig dem Duo McQueen/Dunaway, welches in immer neuen Szenen eine facettenreiche Beziehung entwickelt. Sehr feingliedrig entwickelt sich dabei die Annäherung der beiden Kontraste, immer mehr wird die Grundgeschichte zum Nebenplot. Irgendwann scheint die anfänglich noch zentrale Aufklärung des Verbrechens kaum noch wünschenswert, wenn man dafür nur die glückliche Vereinigung beider Rollen erreichen könnte. Aber diese bleibt bis zuletzt Wunsch, die Möglichkeit eines Zusammenlebens wird von der Detektivin letztlich selber durch Verrat zerstört.

Steve McQueen – der für Jewison bereits die Hauptrolle im Spieler-Drama CINCINNATI KID (1965) gab – mimt dabei den unnahbaren Millionär, der seine Raubzüge als einen persönlichen Kampf gegen das System betrachtet. Als solcher hat er für die meisten Situation nur ein überhebliches Lachen übrig, erst die Detektivin Vicki vermag, seine menschliche Seite (zumindest ein wenig) zu offenbaren. Das er aber auch ihr letztlich (zu Recht) nicht vertraut zeigt, wie selbsteingenommen und auf seinen Kampf fixiert dieser Charakter ist. Faye Dunaway belegt hingegen in einer ihrer ersten großen Rollen bereits, wie intensiv und wundervoll sie zu schauspielern vermag. Vor allem zu Beginn, als sie ihre Position in der männerdominierten Welt der Gesetzeshüter klarstellen muss, strotzt Dunaway nur so vor Elan und Selbstbewusstsein. Im Zusammenspiel mit McQueen werden ihre Darbietungen dann immer filigraner und verletzlicher; eine wohltuende Wandlung im Gegensatz zu der eher statisch angelegten Rolle McQueens.

Vicki: Was willst du damit beweisen, Tommy? Du brauchst doch das Geld nicht!
Thomas: Es geht nicht um’s Geld. Das Geld ist unwichtig. Es geht um mich … um mich und das System!

Die gemeinsamen Szenen der Beiden werden dann immer wieder von der großartigen Inszenierung ins Auge gefasst. Egal ob beim hocherotischen Schachspiel oder beim hemmungslosen Buggytrip am Strand, stets werden die Entwicklung zwischen den Rollen wundervoll eingefangen. Dabei wechselt die Inszenierung oft das Tempo, immer wieder bricht das Geschehen abrupt ab. Pferdepolo als Hektik und Gleitflug als Ruhepol formen sowohl den Film, als auch die Rolle Thomas Crown. Es ist dem Zuschauer ein Leichtes, sich in diesem Wechselspiel der Tempi zu verlieren.

Berühmtheit erlangte der Film dann sicherlich auch wegen seines großflächigen Einsatzes der Split-Screen-Technik. Vor allem der Raub zu Beginn erhält durch diese Technik eine Dynamik, die mit nur einem Bild wohl kaum zu erzielen gewesen wäre. Das Zusammenspiel der einzelnen Beteiligten wird hier quasi optisch greifbar, die Perfektion von Crowns Planung zeigt sich gleich dutzendfach. Aber auch in den späteren Phasen des Films nutzt Jewison oftmals die Möglichkeit, eine Situation aus mehreren Blickwinkel zu zeigen oder aber einzelnen Details durch die mehrfache Darstellung mehr Bedeutung beizumessen. Zusammen mit Michael Legrands Sounddesign (dessen Titelsong The Windmills of your Mind im Übrigen einen Academy Award gewann) kann der Film so vor allem auf eine formal äußerst beeindruckende Qualität verweisen.

Thomas: Immer alle geschnappt?
Vicki: Natürlich.
Thomas: Und Sie kriegen mich auch?
Vicki: Ich hoffe es …

Der Meinung waren die damaligen Kinobesucher sowie Kritiker dann jedoch nicht immer, sodass der Film lediglich eine mittelmäßige Rezeption erlebte. Zwar konnte er mit runden 15 Millionen US-Dollar Einnahmen sein Budget locker wieder einspielen, doch bis heute gibt es Stimmen, die in der im Verlaufe des Films immer mehr in den Hintergrund rückenden Grundgeschichte ein großes Manko sehen. Eine Ansicht, die sicherlich gangbar ist, aber den Kern der Sache doch aus den Augen verliert. Denn THOMAS CROWN IST NICHT ZU FASSEN will keine spannende Krimi-Geschichte erzählen, sondern vielmehr die Beziehung seiner beiden zentralen Figuren für eben diese Spannung nutzen; und das schafft der Film mit Bravour.

Klasse Heist-Movie, der seine Spannung und Intensität aus der Beziehung von Jägerin und Gejagtem zieht. McQueen und Dunaway sind perfekt besetzt und die ebenso temporeiche wie technisch brillante Inszenierung sorgt letztlich dafür, dass der Film schlicht und einfach fesselt.

3 Antworten zu “THOMAS CROWN IST NICHT ZU FASSEN

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