BASKET CASE – DER UNHEIMLICHE ZWILLING

Basket Case – Der unheimliche Zwilling
Basket Case | USA | 1982
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Duane (Kevin Van Hentenryck) und sein Bruder Belial sind siamesische Zwillinge, wurden aber nach der Geburt getrennt. Doch während Duane zu einem halbwegs normalen jungen Mann herangewachsen ist, muss Belial damit leben, ein deformiertes Monster zu sein. Zusammen reisen die beiden nach New York, um sich an den Ärzten, die sie damals trennten, zu rächen.

Der US-Amerikaner Frank Henenlotter gehört wohl zu den absoluten Prototypen unter den B-Film-Fans. Der heute als Kopf des US-Trash-Labels Something Weird Video tätige Regisseur verdingte sich schon in jungen Jahren als Filmkritiker, bevor er dann im Alter von 31 Jahren daran ging, auch selber als Filmschaffender tätig zu sein. Privat zusammengetragene 35.000 US-Dollar sollten dafür das Budget und das jahrelange Studium von abseitigen Filmen aller Art die intellektuelle Grundlage darstellen. So verwundert es kaum, dass Henenlotter die Bereiche Regie, Drehbuch und Kamera gleich in Personalunion besetzte und die übrigen Mitwirkenden aus seinem engen Umfeld rekrutierte.
Das Script stellt dann eine Karikatur der zu jener Zeit sehr populären Slasher- und Monster-Streifen dar. Dabei werden die Konventionen geschickt auf die Schüppe genommen, Kenner von Filmen wie HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS (1978), FREITAG DER 13. (1980) oder MUTTERTAG (1980) werden hier ebenso Anleihen erkennen können wie Anhänger klassischer Latex-Monster-Schinken. Das gibt dem Drehbuch eine zusätzlich Ebene, sodass es sich nicht einfach um ein B-Movie-Script handelt, sondern auch um eine Reflexion eben dieser Filme.

Hausmeister: Das ist kein Hotel, das ist ein Irrenhaus!

Als Drehort diente dann ein kleines Hotel, welches maßgeblich zum Charme des Films beiträgt. Die engen Gänge, der schmierige Hotelier und die skurrilen Gäste bilden den Rahmen für Duanes wilde Abenteuer. Henenlotter bietet hier eine ebenfalls hoffnungslos überzeichnete Großstadt-Essenz, in der es keinerlei normale Bewohner zu geben scheint. Selbst der Arztbesuch gerät zum Kuriosum, innerhalb des Hotels regiert ohnehin der Wahnsinn.

Durch diese Welt muss sich dann Kevin Van Hentenryck in der Rolle des unbeholfenen Duane schlagen. Alle trachten nach seinem Geld, niemand ist ihm geheuer, stets lauert die Gefahr hinter der nächsten Ecke. Das Duane dann schließlich derjenige ist, der seinem wahnsinnigen Bruder bei dessen Mordtaten hilft, sorgt weiterhin für eine Bestätigung dieser durch und durch verdorbenen Welt. Hentenryck mimt dabei ebenso überzeichnet, wie alle anderen Darsteller auch, aber das ist ebenso gewollt, wie die Reduzierung der übrigen Charaktere auf jeweils eine Eigenschaft. Übrigens offenbart sich schon hier ein Motiv, das Henenlotter in der Folge noch öfters zum Thema seiner Filme machen sollte: Denn auch bei Filmen wie ELMER (1988) oder FRANKENHOOKER (1990) sollte sich die Geschichte immer um junge Männer drehen, die ein dunkles Geheimnis vor der sie umgebenden – meist mit Prostitution und Drogen angereicherten – Welt zu verbergen suchen.

Die eigentliche Hauptrolle gehört dann ohnehin Belial, dem missgebildeten Bruder Duanes. Denn sobald der das erste Mal seinen Bastkorb verlässt, hat er die Herzen der Zuschauer ohnehin gewonnen und rückt in den Mittelpunkt des Films. Die herrlich krude Latexpuppe darf fortan Morden und Schreien was das Zeug hält und bekommt mehr dafür Screentime als alle anderen Rollen. Dabei denkt die Abteilung Tricktechnik überhaupt nicht daran, die billige Machart der Puppe durch Schatten zu verstecken, ständig turnt das Ding bei voller Beleuchtung durchs Bild; dabei kommen dann gerne auch mal charmant dilettantische Stop-Motion-Effekte ins Spiel. Von der Trennung der siamesischen Zwillinge bis hin zu Belials Beischlafversuchen bekommt der Betrachter dann schließlich alles geboten, was mit dem Latexklumpen nur möglich ist.

Duane: Ich will auch nicht jedes Mal, wenn ich ein Mädchen kennenlerne, Angst haben müssen, dass du sie besteigst und umbringst, du verdammtes Schwein!

Diese Überhöhung in Sachen Design findet ihre Entsprechung dann natürlich auch in einem vollkommen aus dem Ruder laufenden Kunstbluteinsatz. Selbstverständlich fallen auch die Splatter- und Gore-Szenen entsprechend simpel aus, was ihrem Charme aber keinen Abbruch tut. Denn vornehmlich sind diese ohnehin dazu da, den Effekteinsatz in den oben erwähnten Genres und Filmen zu konterkarieren.
Obwohl der Film sowohl in den USA als auch in Deutschland eine (ungekürzte) Kinoveröffentlichung erfuhr, entwickelte er sich erst im Laufe der Jahre und im Zuge der Heimkinoveröffentlichungen zum Klassiker. Ende der 90er Jahre war dieser Ruf dann schließlich derart gefestigt, sodass Henenlotter mit BASKET CASE 2 (1990) und BASKET CASE 3 – DIE BRUT (1991) gleich zwei Fortsetzungen anfertigte und so eine sehr unterhaltsame Trash-Trilogie schuf.

Trashiger Splatter-Klassiker, der das Genre sowohl mitbestimmt, als auch konterkariert hat. Und Belial ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben …

3 Antworten zu “BASKET CASE – DER UNHEIMLICHE ZWILLING

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