SCARLETTO – SCHLOß DES BLUTES

Scarletto – Schloß des Blutes
Il Boia scarlatto | Italien/USA | 1965
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Eine Truppe von jungen Männern und Frauen begibt sich im Schlepptau des Produzenten Daniel Parks (Alfredo Rizzo) in ein abgelegenes Schloss, um dort Fotoaufnahmen für die Einbände von Gruselromanen zu knipsen. Doch das Schloss ist keineswegs unbewohnt: viel mehr lebt dort der zurückgezogene Travis (Mickey Hargitay), der davon überzeugt ist, vom Geist des vor Urzeiten hingerichteten scharlachroten Henkers besessen zu sein.

Das Produzenten-Trio um Francesco Merli, Felix C. Ziffer und Ralph Zucker sollte sich in der Mitte der 60er Jahre daran begeben, mit Massimo Pupillo auf dem Regiestuhl einen Horror-Doppelpack zu realisieren. Neben dem Heuler CEMETERY OF THE LIVING DEAD gehört dazu auch SCARLETTO – SCHLOß DES BLUTES. Es wirkt dabei nicht gänzlich abwegig, dass die Welle an erfolgreichen Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen aus dem Hause Corman hier unfreiwillig Pate stand.
Des Weiteren dürften die Geschichten um den Marquis de Sade nicht gänzlich an der Abteilung Drehbuch vorbeigegangen sein, erinnert das ganze Konzept des sadistischen Burgherren doch arg an den französischen Begründer des Sadismus. Was Romano Migliorini und Roberto Natale – die zusammen auch für den ein Jahr später veröffentlichten Bava-Reißer DIE TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA (1966) das Drehbuch schreiben sollten – dann aus dieser Grundidee machen, ist allerdings im besten Sinne als sinnbefreiter Horror-Unfug zu beschreiben. Ab der ersten Minute trotten die Protagonisten ohne Plan und System durch die Gänge des alten Gemäuers, allein ihre Anreise strotzt nur so vor Unsinn. Hier wird mehr als offensichtlich, dass die Schreiberlinge schnell zum Kern des Geschehens vordringen wollten. Warum der Film dann trotzdem knappe 30 Minuten benötigt, um die etwas ermüdende Exposition hinter sich zu bringen, bleibt dann wiederum ein Rätsel.

Travis: Sie entschuldigen mich jetzt, ich bin ein Mann mit Grundsätzen und es wird Zeit, dass ich schlafen gehe.

Dafür bricht danach aber die Hölle los, wenn sich der Film in den vermeintlich einfallsreichen Folteranlagen seines Namensgebers ergeht. Da muss der Held dann schon einmal unter einer riesigen Spinnennetzattrappe (inklusive mit vergifteten Beinen ausgestatteter Modell-Spinne) hindurchkriechen oder sich mit Hilfe eines Nagelknipsers als einer misslichen Lage befreien. Nackte Frauen, die auf heiße Steine gebunden werden, oder Liebespuppen mit giftigen Pfeilen in der Brust stellen da schon die alltäglicheren Übel dar. Das Ganze spielt sich innerhalb eines wundervoll aus Pappmaschee und bunter Farbe gefertigten Kulissenrahmens ab, der immer wieder wie eine Karikatur des klassischen Poe-Horrors wirkt. Optisch gibt es ab der Halbzeit also nichts mehr zu bemängeln.

Doch das alles wäre nichts wert, wenn nicht Mickey Hargitay durch ebendiese Gewölbe eiern würde. Hargitay, der auch schon als lüsterner Herkules an der Seite von Jayne Mansfield durch DIE LIEBESNÄCHTE DES HERKULES (1960) turnte, bietet hier eine Leistung, die der Betrachter so schnell nicht vergessen wird. Jeder schauspielerischen Begabung bar konzentriert er sich nur darauf, seine Brustmuskeln zur Geltung zu bringen, während er die albernen Sprüche klopft, die im das Script in den Mund legt. Das Ganze in Verbindung mit dem Kostüm des Henkers sorgt dann dafür, dass die Auftritt von Hargitay zu wahren Lachkanonaden werden. Da kann der übrige Cast kaum mithalten, beschränkt sich die Funktion der meisten Darsteller doch ohnehin nur aufs Sterben (die Herren) bzw. halbnackt Umherirren (die Damen).

Rick: Edith, entschuldige, wenn ich indiskret werde, aber warum wolltest du den Hausherren eigentlich sprechen?
Edith: Nur aus Neugier, echt weiblicher Neugier …

Nun darf man sich natürlich nicht vormachen, es hier mit einem einfallreich inszenierten oder irgendwie spannenden Film zu tun zu haben. Die hölzernen Kameraführungen sind ebenso einschläfernd, wie die gänzlich sinnbefreiten Dialoge oder der alberne Handlungsrahmen. Der Film lebt viel mehr von seinem hohem Trash-Potenzial, welches immer wieder ungeschönt hervorbricht. Dazu gibt es dann noch swingende Musikuntermalung, die den Film auch für die Ohren seiner Betrachter klar in den 60er Jahren verortet.
Letztlich stellt der Streifen so den Inbegriff des trashigen Horrorfilms dar. Die nur rudimentär ausgeprägten Genre-Versatzstücke dienen einzig und allein dazu, die Sequenzen voller Unsinn und Unfassbarem zusammenzuhalten. Der Böse ist nicht angsteinflößend, die Guten sind nicht heroisch, die Wände sind nicht echt; da Hargitay aber in einem knallroten Kostüm durch ebendiese Formalia turnt, endet das für den geneigten Nonsens-Gewohnten erstaunlich unterhaltsam.

Wenn man die erste halbe Stunde hinter sich gebracht hat, offenbart sich einem ein bunter Strauß aus Unsinn und Trash. Dazu gibt’s einen knallroten Henker, unglaubliche Foltermaschinen und massig dumme Sprüche. Daumen hoch!

3 Antworten zu “SCARLETTO – SCHLOß DES BLUTES

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